Trotz Lehrermangels müssen Junglehrer um Job bangen
Wien - Neun Wochen Sommerferien: Susanne (Name von der Redaktion geändert) wird momentan von vielen Freunden um ihre freie Zeit beneidet. Die junge AHS-Lehrerin - Fächerkombi: Englisch und Geschichte - hat im vergangenen Schuljahr ihr Unterrichtspraktikum absolviert. Sie tut sich allerdings schwer, ihre freie Zeit zu genießen, denn was nach den Ferien beruflich auf sie zukommt, ist mehr als ungewiss.
Schon vor Wochen hatte man Susanne einen Brief vom Stadtschulrat versprochen, in dem stehen sollte, in welcher Schule sie wie viele Stunden bekommt. Aufgrund einer Pensionierungswelle sind besonders Sprachlehrer derzeit Mangelware - nicht nur, aber auch in Wien. Während man als angehender Pädagoge noch vor einigen Jahren mit langen Wartezeiten rechnen musste, werden mittlerweile viele praktisch von der Uni wegengagiert, oft ohne absolvierte Diplomprüfung oder Unterrichtspraktikum.
Vom Stadtschulrat vertröstet
Da die Nachfrage offenbar das Angebot übersteigt - was man den Junglehrern auch unverblümt mitteilt -, machte sich Susanne lange keine Jobsorgen. Aber der versprochene Brief kommt nicht. Und kommt nicht. Bei einer telefonischen Nachfrage beim Stadtschulrat wurde sie bloß vertröstet: Es könne bis Ende August oder sogar Anfang September dauern, bis sie eine fixe Zusage bekomme. "Falls ich dann erfahre, dass ich keine oder nur ein paar Stunden bekomme, kann ich mir erst Anfang September einen anderen Job suchen, anstatt die Ferien dafür zu nützen" , sagt Susanne. Und vielen ihrer Studienkollegen ergehe es genauso.
Jungen Lehrern wie Susanne bleibe nichts anderes übrig als zu warten, bestätigt Matias Meißner, Sprecher des Stadtschulrates, im Gespräch mit dem Standard. Die späte Postenvergabe sei aber nicht bloß eine "schlechte Gewohnheit", sondern ergebe sich aus den laufenden Veränderungen beim Personalstand. Viele Lehrer würden erst zu Ferienende ihren Pensionsantritt oder eine Schwangerschaft bekanntgeben.
Dazu kämen die Doppelanmeldungen an den Schulen; oft würden Direktoren erst nach den ersten paar Schultagen wissen, wie viele Klassen es gebe und ob etwa in den Sprachen geteilt werden müsse. An eine Änderung des derzeitigen Modus denkt man weder im Stadtschulrat noch im Unterrichtsministerium. Die Einstellung von Lehrern sei Aufgabe der jeweiligen Landesbehörden, heißt es dort lediglich. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2010)