Die Gmundner Festwochen widmen ihr diesjähriges Dichterfest Ernst Jandl
Das erste Konzert, das der Jazzfreund Ernst Jandl (1925-2000) zusammen mit seiner Gefährtin Friederike Mayröcker besucht hatte, war eines von Count Basie. Zur Pause verließen die beiden enttäuscht das Konzert. Die erste LP auf dem eigenen Plattenspieler waren Benny Goodmans Trio- und Quartett-Sessions aus den späten Dreißigern.
Ernst Jandls Liebe zum Jazz war eine lang gewachsene - und seine Sprachspiele zeigen sich auch von dieser Neigung beeinflusst. Rhythmisierte und mit Drive ausgestattete Kompositionen stehen neben lautmalerischen und wollen vor allem eines: vorgetragen werden! Niemand traf den Ton seiner Gedichte aber so wie Ernst Jandl selbst. Der verschmitzte Wortakrobat, dem der Schalk in der Sprache saß, war ein begnadeter Interpret seiner eigenen Werke.
Die Gmundner Festwochen widmen ihr diesjähriges Dichterfest nun Ernst Jandl und betiteln die viertägigen Feierlichkeiten mit Jazz me if you can. Also stehen neben vielen anderen Weggefährten auch einige Musiker auf der Gästeliste: Wolfgang Puschnig, Jon Sass und Dieter Glawischnig, Bertl Mütter mit einer Jandliade und Christian Muthspiel, der mit Jandls Stimme vom Band posthum zum Duett findet. Neben Diskussionsrunden, Lesungen und Hörspielen bietet man auch Filme auf.
Am Eröffnungsabend Ein Fest für Ernst Jandl zum 85. Geburtstag und 10. Todestag heute Abend zeigt man unter anderem die Dokumentation Wholly Communion, die einen legendären Abend des Jahres 1965 wiedergibt. Bei einer Lesung britischer und amerikanischer Beat-Poeten in der Royal Albert Hall, unter anderem mit Allen Ginsberg, betritt plötzlich ein Mr. Jandl aus Wien die Bühne und erobert die Gunst der 7000 Besucher im Handumdrehen. Yes, he could. (wo/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 7. 2010)
>> Gmunden, Stadttheater, 07612/706 30. 18.00