Ab 20. August Sonderpräsentation in Wien - Elisabeth Leopold "unter den Umständen zufrieden" - Mit Kommentar
New York - Das Schiele-Gemälde "Bildnis Wally", für das die Leopold-Museum Privatstiftung nach einem jahrelangen Rechtsstreit 14,8 Millionen Euro bezahlt, wurde Dienstag in New York Vertretern der Stiftung formell übergeben. Die physische Übergabe an die Witwe des Ende Juni verstorbenen Kunstsammlers Rudolf Leopold, Elisabeth Leopold, fand in dem Lagerhaus "Fortress" in Long Island City statt. "Unsere Klienten sind sehr glücklich über den Ausgang dieses Prozesses", sagte Anwalt Howard Spiegler, dessen Kanzlei die Erben der Kunsthändlerin Lea Bondi-Jaray vertreten hat.
Elisabeth Leopold sagte vor der Unterzeichnung der Empfangsbescheinigung, sie sei "unter den Umständen zufrieden". Es tue ihr nur Leid, dass man nicht früher zu einer Einigung gekommen sei. Beide Seiten seien überzeugt gewesen zu gewinnen, und das habe die Geschichte in die Länge gezogen. Es habe auch ein bisschen mit dem amerikanischen Rechtssystem zu tun, wo Klagen eingereicht und dann wieder verändert würden.
Die Preisfrage
Auf die Frage nach dem vereinbarten Preis, meinte Leopold, dass man auch früher eine Summe hätte finden können. Nur habe es auf beiden Seiten an Willen gefehlt. Auf die Frage, ob der Preis zu hoch war, sagte Leopold: "Entschuldigen Sie, ich möchte über den Preis nicht sprechen. Ich habe kein Verhältnis zum Geld, ich habe nur ein Verhältnis zur Kunst. Und es ist mir eigentlich egal, was was kostet." Elisabeth Leopold war am Montag in Begleitung des kaufmännischen Direktors des Leopold Museums, Peter Weinhäupl, aus Wien angereist.
Nach der Übergabezeremonie wurde das Gemälde für den Transport in das Museum of Jewish Heritage an der Südspitze von Manhattan vorbereitet. Ab Donnerstag soll das Kunstwerk dort erstmals wieder öffentlich ausgestellt werden. "Wir fühlen uns geehrt, 'Wally' für einen kurzen Besuch in unserem Museum beherbergen zu dürfen", so Direktor David G. Marwell in einem vom Museum veröffentlichten Statement, "Sie wird dabei unseren Besuchern helfen, ein wichtiges Element der Erinnerung an den Holocaust zu verstehen, und deutlich machen, dass es sich stets auszahlt, um Gerechtigkeit zu kämpfen - auch mit Verspätung." Nach Ende der Schau am 18. August soll das Gemälde nach Wien zurückkehren und ab 20. August im Leopold Museum in einer Sonderpräsentation gezeigt werden.
Das 1912 entstandene "Bildnis Wally" war 1998 nach einer Ausstellung in New York als "Diebsgut" beschlagnahmt worden. Das Bild war in der Nazi-Zeit unter strittigen Umständen der Galeristin Lea Bondi-Jaray abgepresst und nach dem Krieg versehentlich an falsche Besitzer restituiert worden. 1954 wurde es von dem vor wenigen Wochen verstorbenen Sammler Rudolf Leopold erworben, der es später in die Leopold-Museum Privatstiftung einbrachte. Der Fall "Wally" erregte weltweit Aufsehen und führte in Österreich zu einer deutlichen Intensivierung der Provenienzforschung in Museen, einem Restitutionsgesetz und zahlreichen Rückgaben - wie etwa von wertvollen Klimt-Gemälden aus dem Belvedere - an die Erben der rechtmäßigen Eigentümer. (APA)
>>> Kommentar:
Man muss ruhig darüber reden
Diethard
Leopold scheint ernsthaft interessiert, das Problem "Raubkunst" zu lösen
- Von Thomas Trenkler