"Militärpolizei könnte sicher helfen, die Banden zu vertreiben"

Florian Vetter, 11. August 2010, 17:25
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    foto: apa/herbert pfarrhofer (gestellt)

    Hereinspaziert, Herr Einbrecher: Ein Drittel der Österreicher verzichtet auf einen speziellen Schutz der Wohnung oder des Hauses.

Georg Senft, Innungsmeister der Wiener Schlosser und Schmiede, über Präventivmaßnahmen gegen Einbrüche, perverse Rechnungen und Pappendeckel-Türen

Rund 14.000 Einbrüche werden in Österreich jedes Jahr begangen, die Hälfte davon in Wien, Tendenz immerhin fallend. Die Polarisierung zwischen Arm und Reich nimmt ungeachtet dessen weiter zu. Während in Einfamilienhäusern bereits vielerorts Sicherheitsfreaks keine Beratung von der Polizei mehr brauchen, gibt es für den Massenwohnbau noch immer keine durchschlagenden Lösungen. Warum Präventivmaßnahmen dennoch greifen können, Einbrecher Dopingsündern im Sport ähneln und Kriminalstatistiken pervers sein können, erklärt Georg Senft, Innungsmeister der Wiener Schlosser und Schmiede sowie Obmann des KEO (Kuratorium für Einbruchschutz und Objektsicherung), im derStandard.at-Interview mit Florian Vetter.

***

derStandard.at: Polizeipräsident Pürstl sagt, dass es in Wien im Vorjahr 30 Einbrüche in Wohnhäuser pro Tag gegeben hätte, derzeit seien es nur mehr sechs bis sieben täglich. Wirkt sich das auf ihre Auftragszahlen aus?

Georg Senft: Das merken wir nicht wirklich. Vielleicht noch am ehesten, wenn sich eine Bande in einem Grätzel bewegt. Wir müssen uns auf die Zahlen der Polizei verlassen. Was die Einbrüche betrifft, hätte ich mir eine größere Zahl vorgestellt. Es ist aber eine fast schon perverse Rechnung: Bei knapp zwei Millionen Einwohnern klingt es fast so als ob 30 Einbrüche gar nicht viel wären.

derStandard.at: Fast ein Drittel der versicherten Österreicher verzichtet auf einen speziellen Schutz des Hauses. Ein Fehler?

Senft: Ganz sicher. Grundsätzlich ist das Thema Prävention eines der wichtigsten in diesem Zusammenhang. Da ist in der Vergangenheit in den Köpfen der Leute schon viel passiert. Die letzen, die im Sicherheitsbereich noch nicht investiert haben, warten darauf, bis etwas passiert.

derStandard.at: In Einfamilienhäuser kommen laut Kriminalstatistik nur 14 Prozent der Einbrecher durch die Vordertür - der Rest über die Terrasse oder durch ein Fenster. Was bringt da ein bombensicherer Eingangsbereich?

Senft: Gerade bei einem Einfamilienhaus sollte man ein gesamtes Sicherheitskonzept erstellen. Einbrecher suchen sich klarerweise den schwächsten Punkt des Systems, wo sie eindringen können. Es gibt aber eine Unmenge an Maßnahmen: Fensterzusatzverriegelungen, Alarmmelder. Folien, die auf das Glas aufgebracht werden. Der erste Anblick für den Einbrecher ist jedoch meist die Eingangstüre.

derStandard.at: Was kosten gängige Präventionsmaßnahmen?

Senft: Ein wichtiger Schutz im Eingangsbereich nach dem Hauptschloss ist das Balkenschloss, das quer oder längs über die Türe gezogen wird. Die Nachrüstung kostet etwa siebenhundert bis tausend Euro. Der nächste Schritt wäre dann eine Sicherheitstür, da beginnt das Angebot bei zweieinnhalb- bis dreitausend Euro. Das ist aber nur der mechanische Schutz, optimal wäre das in Verbindung mit einer Alarmanlage. Diese Sicherheitsmaßnahmen spielen zusammen. Umgekehrt hilft auch die beste Alarmanlage nichts, wenn man eine Pappendeckel-Tür hat. Der Einbrecher sollte ja zuerst am Eindringen gehindert werden, bevor Hilfe kommt.

derStandard.at: Das KEO prüft Qualitätsstandards: Ist das wie bei der Doping-Jagd im Sport, wo die Bösen den Guten immer ein paar Schritte voraus sind?

Senft: Die Formulierung ist nicht ganz unrichtig. Die Einbrecher sind den Sicherheitsstandards oft einen Schritt voraus, weil sie ja die Schwachpunkte im System finden müssen. Also kann man das schon so im Raum stehen lassen.

derStandard.at: Gibt es also ein "Wettrüsten"?

Senft: Das ist spitz ausgedrückt. Schlosser, Techniker und Sicherheitsfirmen überprüfen die Systeme und lernen daraus. Dabei kommen auch immer wieder althergebrachte Einbruchsmethoden auf, die davor schon Jahre vom Markt verschwunden waren. Die Industrie rüstet aber natürlich nach.

derStandard.at: Die Polizei warnt neuerdings wieder vor "Gaunerzinken", die anzeigen, wo sich ein Einbruch lohnt.

Senft: Diese Kritzeleien gibt es, aber ob das umgreifend ist und Gewicht hat, weiß ich nicht. Das ist schwer zu sagen.

derStandard.at: Was halten Sie vom Vorschlag der Wiener ÖVP-Chefin Christine Marek, die Militärpolizei zum Hilfseinsatz zu bringen?

Senft: Das ist sicher eine gute Idee. Je stärker die Präsenz der Exekutive, desto besser für die Sicherheit. Jeder Einbruch geht zu Lasten der Bevölkerung. Und jegliche präventive Maßnahme, die hilft, die Banden zu vertreiben, sollte ergriffen werden. (vet, derStandard.at, 8.8.2010)

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Posting 1 bis 25 von 41
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machdasweg
00
12.8.2010, 13:47
Militärpolizist vor jeder Wohnung und jedem Haus

Nur so kann man Einbrecher davon abhalten, irgendwo einzubrechen. Aber wer bewacht die Häuser und Wohnungen der Militärpolizisten?

surb1981
21
12.8.2010, 12:58
Nicht überall wo "polizei" drauf steht-ist...

Polizei drinnen! Wenn manche hier wüßten, welche Ausbildung unsere "Militärpolizisten" haben, und welche Arten von Minderwertigkeitskomplexen, bei diesem Personenkreis ausgebildet sind (NICHT JEDER-ABER VIELE), dann würde keiner mehr nach "Militärpolizei" schreien!

Khun Khuat
00
13.8.2010, 10:08

.....Wenn manche hier wüßten, welche Ausbildung unsere "Poster" hier haben, und welche Arten von Minderwertigkeitskomplexen, bei diesem Personenkreis ausgebildet sind (NICHT JEDER-ABER VIELE), dann würde keiner mehr Postings hier lesen...

Brot Pitt
 
00
12.8.2010, 12:27
Bei der aktuellen Bedrohunslage

reicht die Militärpolizei nicht aus. Ich fordere Scharfschützen auf allen Wiener Hausdächern. Alle öffentlichen Plätze müssen kameratechnisch aufgerüstet werden. WEGA und Gebirgsjäger müssen 24 Stunden am Tag auf die Straße um der überbordenden Kriminalität in Wien Herr zu werden. Eurofighter mit lasergelenkten Präzisionsbomben und auch unsere lieben Fallschirmjäger: Ab in die Lüfte!
Und was die blutsaugenden Horden aus dem Osten und Süden die schon an den Grenzen unseres schönen Landes befinden, da hilt nur noch eine Noteinsatz der Nato!

opti
12
12.8.2010, 10:56
polizei einsparen

das militär aufmarschieren lassen
eurofighter kreisen über der stadt
alle ausländer bekommen fussfesseln

das klingt nach "hubschraubereinsatz" "hubschraubereinsatz" "hubschraubereinsatz"

und ganz viel geld für alle schlosser und die övp

Lieblingstroll
00
12.8.2010, 15:31

Soll das lustig sein?

Brot Pitt
 
11
12.8.2010, 12:29
Bin Ausländer. Will Fussfesseln sonst werde ich

gleich drei Banken ausrauben und 10 waschechte Österreicherinnen nach Leningrad verschleppen...

standardabweichung
12
12.8.2010, 09:53

forderungen aus schäden und traumatisierung bitte an die lichtenfelsgasse (övpzentrale) zu richten. schließlich haben die die misere zu verantworten

dermartino
01
12.8.2010, 09:39

Ad Militärpolizei: Dass diese Ente immer noch zum Thema gemacht wird, ist in einer Qualitätszeitung eigentlich unglaublich...

Fritz Meyer
22
12.8.2010, 08:31
Auch in unserer Nachbarschaft hat es einige Einbrüche gegeben.

Daraufhin gab es flächenübergreifende Absprachen, je nach Wochentag gegenseitig auf die Häuser achtzugeben. (Das funktioniert natürlich auch nur deshalb so gut, weil hier einige Rentner wohnen.)

Manche Kleinbürger haben natürlich raunzen müssen, weil das ihrer Vorstellung von "Privatsphäre" widerspricht. Jeder für sich usw. Und bei grossen Mietskasernen würde es wohl auch nicht funktionieren.

Aber immerhin, bislang musste in zwei Jahren nur ungefähr 3-4 Mal die Polizei gerufen werden.

Mehr Kameraüberwachung hingegen wird abgelehnt, nachdem jemand aus einem anderen Bezirk mal ÜBERZEUGEND davon berichtet hat, dass in 90% der Fällen die Polizei zu spät kommt. Ein paar Streifen mehr wären da wohl ERHEBLICH sinnvoller, liebe Politiker!

trollvottel
16
12.8.2010, 09:09

Der schlechte Witz an der ganzen Sache ist doch, dass ÖVP und FPÖ gemeinsam die Polizei kaputtgespart und zu Tode reformiert haben, und ihren unfähigen Parteibuchbesitzer die "Topjobs" dort zuschanzten.

Wenn man die Polizei mit grotesker Tölpelei völlig demotiviert, Personalmängel und veraltete Ausrüstung ignoriert, Hauptsache es sind keine Roten, alles andere ist wurscht, und dann einige Jahre später die Kriminalität logischerweise und aufgrund des blaunschwarzen Versagens steigt, dann zeigt man danach mit dem Finger auf "die Tschuschen", macht Irrsinnsvorschläge a la "MPs auf Streife" -- und die FP-Bierzeltwappler fallen drauf rein.

grifter
04
12.8.2010, 12:13

Aber sowas von genau auf den Punkt getroffen!

Die vormals gewachsenen Strukturen mussten ja zum Zwecke der Vergabe der Top-Posten zerstört werden, und wenn man etwas zerstört, das aufgrund der Arbeitserfordernisse so gewachsen ist, wie es den Erfordernissen am besten entsprach - dann kann nur das rauskommen, was eben zurzeit passiert.

Ich würde mal gerne sehen, wie ein Firmenchef seine in jahrzehntelanger Praxis strukturiert gewordene Firma plötzlich total sinnlos und vor allem unbedacht umkrempelt, nur damit er die alten Abteilungsleiter los wird und seine eigenen Buam zu solchen machen kann.

Würde wohl ziemlich schnell ziemlich stark bergab gehen mit der Bude - und genau das passiert bei der Polizei.

Klaus HENNING
25
12.8.2010, 07:05
Aha, hier posten die, denen noch (noch!) nichts...

...passiert ist. Herzlichen Glückwunsch!
Meine Familienbilanz sieht bisher so aus: Zwei Einbrüche (einmal geschäft, einmal Wohnung), ein Überfall (auf die Enkel), zwei Motorradiebstähle, ein Autoeinbruch.

Ich weiß, dass dieser Vorschlag 'Militärpolizei' aus vielerlei Gründen undurchführbar ist - aber ich kann den Herrn Senft gut verstehen.

Also, liebe Poster, red' ma weiter, wenn's bei Euch das erste Mal passiert ist....

bad_lieutenant
03
12.8.2010, 10:35

Gerade Sie müssten doch diese Sicherheitspolitik hinterfragen ! Zuerst spart die ÖVP das Personal bei der Polizei um 15 -50 % (je nach Region) ein, verkündet lauthals, dass alles in Ordnung ist, um dann panikartig die Militärpolizei zu rufen. Gleichzeit werden still un leise weitere Planposten eingespart, denn die Meldung von den zusätzlichen Polizisten ist eine glatte Lüge. Da in den nächsten Jahren 15 die geburtenstarken Jahrgänge in Pension gehen, gibt es weiterhin jedes Jahr ein dickes Minus in der Personalbilanz.

Miss Deutung
15
12.8.2010, 08:53

Sie werden lachen, man kann auch GEGEN die eigene Erfahrung für die Einhaltung der Verfassung und der Grund- und Freiheitsrechte eintreten.

Kaktus51
04
12.8.2010, 06:00
Militärpolizei? Blödsinn! Ich möchte meinen Soldaten, den ich mit meinen Steuern bezahle

mit scharf geladener Waffe vor meinem Haus stehen haben. 24 Stunden am Tag.

blubbomat
12
12.8.2010, 05:56
war es nicht die ÖVP....

die so brav bei der Polizei eingespart hat?!?

arsen hitrach
12
12.8.2010, 08:27
genau

Die ÖVP macht immer irgendwelche nicht nachhaltigen Massnahmen und weint hinterher. Opferpartei, könnte man sagen.

johann potakowskyj
 
63
12.8.2010, 04:11
Der beste Schutz vor Verbrechern ist die soziale Hängematte!

Und man sollt es ja nicht glauben, genau das war die Idee dabei, als man sie eingeführt hat. Und dass dies der beste Beitrag zum sozialen Frieden ist, merkt man ja am besten dort, wo selbst unser System nicht funktioniert.
Illegalisierten Menschen, die ohne soziale Sicherheit in unserer Mitte leben. Was bleibt ihnen in einer Lebenskrise anderes als der Moral abzuschwören um Ihres und auch das Leben ihrer Familie zu sichern.

Selbst den Kriminaltourismus kann man sich so erklären, dass eben in der Heimat dieser Menschen ihre sozialen Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden.

Den besten Effekt könnte man also damit erzielen, wenn man das Geld, das so ein Militäreinsatz kosten würde, in die soziale Sicherheit jener Menschen investiert.

stefan81
33
12.8.2010, 08:32

ja, oder die täter aufs allerhärteste verfolgen und bestrafen. aber bitte in den jeweiligen herkunftskländern.

trollvottel
10
12.8.2010, 12:11

Dass Abschreckung durch übertriebene Härte nicht funktioniert, ist eins der ersten Dinge, die man im Jusstudium erfährt.

Señor Mascarenas
02
12.8.2010, 01:48
Richtig!

Noch besser als die Militärpolizei wären die Eurofighter!

zitronen_bob
00
12.8.2010, 12:21
Genau - im Tiefflug durch die Häuserschluchten Wiens ...

Was für eine Gaudi!

Aber gar so weit hergeholt ist der Vorschlag auch wieder nicht. Im Rahmen des EU-Projekts "INDECT" wird schon an einer Überwachung der Bürger in den Städten durch Drohnen (UAVs) gearbeitet ...

http://de.wikipedia.org/wiki/INDECT
http://www.indect-project.eu/public-deliverables

Truhe
 
23
12.8.2010, 01:00

Ich denk mir ja auch jeden Tag dass es bei uns zugeht wie in den Drogenbandenkriegen in Mexico oder den Favelas von Rio. Ich trau mich nur noch mit Ritterrüstung auf die Straße und selbst da rücken alle mit Dosenöffnern an.

Truhe
 
22
12.8.2010, 00:57

Wer von Paranoia profitiert tut gut daran sie ordentlich zu schüren...

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