Berliner Außenamt dementiert Berichte über Festnahme
Beirut - Der im Libanon unter dem Verdacht der Spionage
für Israel stehende deutsche Ingenieur ist nach Angaben der deutschen
Bundesregierung auf freiem Fuß. Der 58-Jährige, der in einer Molkerei im Osten
des Levante-Landes gearbeitet hatte, sei nicht verhaftet oder festgenommen
worden, dementierte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin
entsprechende Berichte. Der Mann sei bisher von den libanesischen Behörden
zunächst einmal befragt worden. "Es gibt kein Verfahren", sagte der Sprecher.
Derzeit habe das Außenministerium keine Informationen darüber, ob der Deutsche
den Libanon verlassen wolle. Die deutsche Botschaft stehe mit ihm in Kontakt,
sagte der Sprecher.
Am Dienstag hatte es geheißen, der Deutsche sei vom libanesischen
Militärgeheimdienst festgenommen worden. Ein Mitglied der Sicherheitskräfte
sagte, der Mann sei verhört worden, weil er eine hochmoderne Funkausrüstung
besitze. Auf erwiesene Spionage für Israel steht im Libanon lebenslange Haft
oder die Todesstrafe. Der Ingenieur sei für die technische Instandhaltung der
Maschinen zuständig gewesen. Die libanesischen Behörden haben seit dem
vergangenen Jahr 120 Menschen wegen Spionageverdachts festgenommen. Inzwischen
stehen 56 vor Gericht. Der Libanon und Israel befinden sich völkerrechtlich nach
wie vor im Kriegszustand.
Im Vorjahr hatte Beirut die Zerschlagung eines vom israelischen
Auslandsgeheimdienstes Mossad aufgezogenen Spionageringes gemeldet. Als dessen
Kopf galt der pensionierte General Adib al-Alam. Die Gruppe hatte offenbar unter
anderem den Auftrag, Anschläge auf Vertreter der (in der Regierung vertretenen)
schiitischen Hisbollah sowie pro-syrischer Palästinenserfraktionen vorzubereiten
und durchzuführen. Der libanesische Staatspräsident Michel Sleimane hatte
kürzlich eine strenge Bestrafung von Spionen gefordert. (APA)