Spanien

Stierkampfverbot in Katalonien beschlossen

28. Juli 2010, 13:16

68 Abgeordnete dafür, 55 Gegenstimmen - Erste Region auf dem spanischen Festland, die die umstrittene Tradition verbietet

Madrid  - Das Parlament von Katalonien hat die Abschaffung des Stierkampfes in der wirtschaftsstärksten Region des Landes beschlossen. 68 Abgeordnete votierten am Mittwoch in Barcelona für das Verbot, 55 stimmten dagegen. Zudem gab es neun Enthaltungen. Katalonien ist damit die erste Region auf dem spanischen Festland, die den umstrittenen Brauch verbietet.

Der Bann gilt vom 1. Jänner 2012 an. Auf den Kanarischen Inseln wurden Stierkämpfe bereits 1991 für illegal erklärt. In Katalonien (7,4 Millionen Einwohner) gibt es nur wenige Stierkämpfe. Regelmäßige "Corridas" finden nur noch in der einzigen Arena in der Hauptstadt Barcelona statt. Das Verbot gilt aber als starkes Signal für den Rest des Landes. Die Anhänger des blutigen Spektakels wollen nun das Verfassungsgericht in Madrid anrufen.

In der Debatte hatte Prou!-Sprecherin Anna Mula die Abgeordneten am Mittwoch aufgerufen, "eine Botschaft des Erbarmens und des Fortschritts an die Menschheit" zu richten. Für die Tiere bedeuteten die Stierkämpfe nichts weiter als Folter und Schmerz.

Lange Debatte

Die ebenso uralte Debatte über das Für und Wider der umstrittenen Tradition hatte sich angesichts der Abstimmung in Katalonien in den vergangenen Monaten verschärft. Selbst König Juan Carlos, ein bekennender Fan der "Fiesta Nacional" (Nationalfest), schaltete sich ein: "Der Stierkampf hat eine fruchtbare Kunst- und Kulturwelt hervorgebracht", sagte er und verwies auf den Maler Pablo Picasso oder den Dichter Federico García Lorca, für die das blutige Spektakel in der Arena stets eine Quelle der Inspiration war.

Freiwillig hat sich das Parlament in der Region Katalonien (7,4 Millionen Einwohner) mit dem brisanten Thema allerdings nicht befasst. Die Tierschutzinitiative Prou! (Es reicht!) hatte 180 000 Unterschriften für ein Verbot gesammelt. Ende vergangenen Jahres beschlossen die Abgeordneten mit knapper Mehrheit, über den Antrag zu beraten. "Die Menschenrechte sind in Spanien garantiert, nun ist es an der Zeit, auch an die Rechte der Tiere zu denken", sagt der Prou!- Vorsitzende Leonardo Anselmi, der als gebürtiger Argentinier Spaniens Tierschützern zu einem historischen Triumph verhelfen könnte.

Die Anhänger der Fiesta argumentieren dagegen, dass ein Brauch nicht einfach per Gesetz abgeschafft werden dürfe. "Es geht doch nicht um Abtreibung! Dass wir im 21. Jahrhundert darüber diskutieren, eine jahrhundertealte Tradition zu verbieten, ist schrecklich", meinte etwa Filmregisseur Agustin Diaz Yanes.

Der Ruf nach einem Bann hat aber auch eine wichtige politische Komponente: Für Nationalisten und Separatisten in Katalonien ist der Stierkampf Ausdruck des "spanischen Imperialismus". Allerdings: An ein Verbot der in vielen katalanischen Dörfern beliebten Stiertreiben, den "correbous", wagen sie sich auch nicht heran. Die Tiere werden dabei mancherorts mit brennenden Teerkugeln an den Hörnen durch die Straßen gehetzt.

Ein Bann des Stierkampfes käme Toreros, Züchter und Stierkampfveranstalter teuer zu stehen. Schätzungen zufolge geht es um Einbußen von rund 300 Millionen Euro. Diese Summe will allein der Besitzer der Arena von Barcelona, Pedro Balana, als Entschädigung verlangen, falls das Verbot beschlossen werden sollte. Allerdings ist der Stierkampf in Katalonien - wie auch in vielen anderen Teilen Spaniens - schon seit langem in der Krise. Vor allem junge Leute wollen von dem blutigen Spektakel nichts wissen. In den 50er und 60er Jahren war Barcelona eine Hochburg der Toreros, doch nun ist nur noch Balanas Arena, genannt "La Monumental" (Die Monumentale), übrig.

Auf den Kanarischen Inseln sind Stierkämpfe bereits 1991 für illegal erklärt worden. Damals regte sich darüber kaum jemand auf, weil die "Corridas" dort nur wenige Anhänger hatten. (APA)

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Philbert Desanex
 
00
30.7.2010, 21:26
Ein weiterer kleiner Sieg!

Aber der Weg ist noch lang bis zu unserem höchsten und wichtigstem Ziel: Das totale und weltweite Verbot von Fliegenklatschen!

Trotzdem: Venceremos!!!

Rups
01
29.7.2010, 19:40
Habe mal eine Reportage über Kampfstiere

gesehen. Wenn das hablbwegs stimmt, gehts denen bis zum "letzten Tag" recht gut, weiden im freien, etc.

Zuchtvieh hingegen wird vom ersten Tag an gemästet und unwürdigsten Umständen gehalten und abschließend noch u.U. tausende km in irgendeinen Schlachthof nach Süditalien transportiert. Wir messen mit unterschiedlichem Maß! 5 Tage in der Woche ein Fleischgericht am Teller aber für Tierschutz eintreten! So sind wir, wir zivilisierten Tierschützer!

human ic
00
29.7.2010, 21:27

die frage is aber: wie gehts bitte den gaffern die allesamt nur drauf warten das der eine den andern grausig umbringt ?

mitchfizzl
00
29.7.2010, 16:58
der große schmäh mit dem tierschutz

wer denkt es geht in diesem fall um tierschutz der liegt leider falsch. es war einfach ein weiteres zeichen der katalanen an madrid, dass katalonien nicht spanien ist (oder: nicht sein will).

einen treffenden artikel lieferte die FAZ:
http://www.faz.net/s/RubDDBD... ntent.html

Gilgamesh
00
29.7.2010, 15:30

So begrüßenswert dieses neue Gesetz auch ist, so sollte man nicht ganz vergessen, dass es auf Nationalismus fußt…

RottenTom
00
29.7.2010, 09:16
Und schon ...

... hat sich auch Spanien in die Reihe der Ochlokratien eingeordnet.

klomuscheltaucher mit spaghettiausrüstung
02
29.7.2010, 01:40
Bigotte Schattenkämpfe

Wer sich für Tierrechte einsetzt der sollte sich einmal mit der Massentierhaltung, den Tiertransporten und dem industriellen Schlachten beschäftigen, aber da gäbe es ja tatsächlichen Gegenwind von einer Milliardenindustrie.
Da ist es natürlich recht und billig Schattenkämpfe in der Stierkampfarena auszutragen.

pike bishop
14
28.7.2010, 20:54

Alle die hier so wohlmeinend posten, sollten sich einmal informieren, was in der normalen Rinderzucht so abgeht, von der Befruchtung über die Haltung bis zur Schlachtung. Dagegen ist das Schicksal der Kampfstiere geradezu romantisch.

Magneto08
01
30.7.2010, 10:35

ja,andere Tiere leiden, aber dass hat nicht mit den Toros zu tun, diese Stiere werden bis zum Tode gefoltert, mit oder ohne "Fleischrinder". Es sind 2 getrennte Diskussionen. Außerdem, es geht auch um den Grund. Diese Stiere werden für den Spaß gefoltert. Es macht einen Unterschied, zu mindest für mich. Ich esse selbst sowieso kein Fleisch. Es gibt auch Gruppen die gegen Tierzucht kämpfen, die nichts mit Toros anfangen. Man kann nicht alles auf einmal ändern, one step at a time. Und wer politische Gründe dahinter sieht, sollte sich ein bisschen mehr informieren. Es ist nicht so, dass alle Spanier für Toros sind, alle meine Freunde, die aus versch. Regionen aus Spanien kommen, würden gleich für den Verbot in ihren Regionen unterschreiben

Gilgamesh
01
29.7.2010, 15:31

Ist mir neu, dass sie bei der Rinderzucht zuschauen und sich am Blut aufgeilen....

Na ja, nicht jeder kann einen EGdanken zu ende denken.. ;)

mueller10
00
30.7.2010, 02:16
Ob jemand zuschaut und sich daran aufgeilt,

ist sicher das geringste Problem des Kampftiers und der Mastrinder. Darin kann der Unterscheid also nicht liegen.
Und warum es ethisch so viel hochstehender sein soll, Tiere zu quälen, um täglich mäglichst viel möglichst billiges Fleisch zu bekommen ("Bei uns hängen die Schnitzel über den Tellerrand!" und das um fast nichts an Geld), ist mir auch nicht ganz klar

pike bishop
00
29.7.2010, 17:43

Aufgeilen tut sich der Zuschauer, das ist sein Problem, nicht das des Stiers. das Problem des Stiers ist sein Leben und sein Sterben.

Wechselländer
00
29.7.2010, 15:17

Heißt aber nicht, dass nur, weil das eine noch schlimmer ist als das andere, das andere nicht verurteilt werden sollte!

Glaubtzuwissen
43
28.7.2010, 19:58

Wieder wird die Welt ein bisschen langweiliger.

Freiherr von Ehrenfels
72
28.7.2010, 19:30

Habe schon Stierkämpfe gesehen (und einiges an Literatur darüber gelesen) und war immer der festen Überzeugung selbiges sollte baldigst verboten werden.
Jedoch beim lesen der Kommentare des ungebildeten Plebs in diesem Forum fällt mir ein Umdenken nicht schwer.

Gilgamesh
11
29.7.2010, 15:32

Zeugt von einem sehr schwachen Charakter...
Da hat es wohl massive Lücken in der Erziehung gegeben... ;)

Freiherr von Ehrenfels
00
29.7.2010, 19:36

Das ist zu befürchten ;D

Ein nitupsaR
 
02
28.7.2010, 20:19

Ui. Andere "ungebildet" schimpfen, aber selber meinen, die plebs sei männlich...

Freiherr von Ehrenfels
00
28.7.2010, 20:29

Erwischt!

Horstl 99
00
28.7.2010, 19:46

Nett, Sie als hochintellektueller Freiherr könnten sicherlich Literaturtipps zum Thema Stierkämpfe geben. Es wäre mir eine Freude.

Freiherr von Ehrenfels
00
28.7.2010, 19:52

Aber!! Von Intellekt keine Spur! Hemingway wär vielleicht ein Anfang.

Horstl 99
00
28.7.2010, 20:03

Danke. Warum erzählen Sie nicht mal von der Faszination des Stierkampfs, wenn es denn für Sie eine ist? Stimmt es, dass die jungen Leute davon nichts mehr wissen wollen? Und warum? Ist es unmodern?

Helge Remsgard Remsgard
74
28.7.2010, 19:20

wieso? sind doch nur tiere

Wechselländer
01
28.7.2010, 20:17

Das gibt rot. Und weil man nur einmal rot geben kann, sag ichs in Worten: rot, rot, rot

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