Erstmals Gesetzeskodex außerhalb von Mesopotamien entdeckt
Jerusalem - Archäologen haben erstmals außerhalb von Mesopotamien
Fragmente eines 3.700 Jahre alten Gesetzeskodex entdeckt, der dem des
babylonischen Herrschers Hammurabi ähnelt. Bei dem Fund aus der ehemaligen Stadt
Hazor im heutigen Nordisrael handle es sich um eine Tonscherbe von nur zweimal
1,5 Zentimetern mit akkadischer Keilschrift, sagte Ausgrabungsleiter Amnon
Ben-Tor von der Hebräischen Universität von Jerusalem am Montag.
Dicht gedrängt auf beiden Seiten seien vier Zeilen Text zu sehen. Er bezieht
sich auf die Vorschriften und das Körperverletzungsrechts beim Verhältnis zwischen Meister und Sklaven. Bislang hat Wayne Horowitz von der
Hebräischen Universität, der die Entzifferung der
Textfragmente leitet, erst wenige der 20 auf der Scherbe notierten Worte übersetzt. Einige der entzifferten Begriffe waren "Herr", "Sklave" , "Zahn" und das akkadische Zeichen für "wenn ...dann", was auf die traditionelle Formulierung für damalige Gesetzestexte schließen lässt.
Erster Gesetzestext außerhalb Mesopotamiens
"Das ist das erste Fragment eines Gesetzestextes, der im Heiligen Land und
sogar außerhalb Mesopotamiens gefunden wird", sagte Ben-Tor. Es sei in der Zeit
um 1700 vor Christus entstanden. Wo die Tontafel beschrieben wurde, ist allerdings noch ungeklärt. "In diesem Stadium ist es schwer zu sagen, ob das Dokument tatsächlich
in Hazor verfasst wurde, wo es eine Schule für Schreiber gab, oder es
von einem anderen Ort gebracht wurde", meint Horowitz.
Sollte der Text aber in Hazor verfasst worden sein, dann eröffne der Keilschrifttext völlig neue Ansätze,
um den Zusammenhang zwischen dem Hammurabi-Kodex und dem biblischen
Gesetz zu erkunden, meint Horowitz. Hazor lag an der Handelsstraße zwischen Ägypten
und Asien. Mit den Städten Babylons und Syriens trieb sie Zinnhandel, um
Grundstoffe für ihre Bronze-Industrie zu beschaffen. Dabei unterhielt die Stadt
auch direkte politische Beziehungen zu Mesopotamien, das zwischen den Flüssen
Euphrat und Tigris im heutigen Nordirak und Syrien lag.
Der Kodex von Hammurabi, der aus der Zeit um 1750 vor Christus stammt, ist
einer der ältesten, praktisch vollständig erhaltenen Gesetzestexte der Welt. Das
Regelwerk fordert unter anderem die Bestrafung "Auge um Auge" und wird derzeit
im Pariser Louvre gezeigt. (red/APA)