Buwog-Privatisierung

Neue Vorwürfe gegen Grasser

27. Juli 2010, 23:35

Blauer Ex-Kabinettchef schilderte Staatsanwalt "Masterplan": Grasser und Haider sollten von Privatisierungen profitieren

Wien - Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist im Zusammenhang mit den in seine Amtszeit fallenden Privatisierungen mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Im Oktober 2009 habe die Justiz von einem ehemaligen Kabinettchef im Infrastrukturministerium einen Hinweis auf Grasser bekommen, berichtet die Wiener Wochenzeitung "Falter" in ihrer neuen Ausgabe. Nach Falter-Recherchen dürfte es auch bald zur Öffnung von Grasser-Konten kommen.

Willibald Berner, Kabinettchef unter dem freiheitlichen Infrastrukturminister Michael Schmid, hat laut "Falter" der Staatsanwaltschaft bereits im Oktober 2009 von einem Masterplan der FPÖ berichtet, wonach einzelne Persönlichkeiten von den geplanten Privatisierungen finanziell profitieren sollten.

Berner habe der Staatsanwaltschaft von einem Treffen mit Grassers PR-Freund Peter Hochegger im Frühsommer 2000 berichtet. Grasser sei damals gerade ein paar Wochen Finanzminister gewesen. Hochegger, so Berner, habe ihm bei einem "Arbeitsfrühstück" im Hotel Bristol mitgeteilt, "dass unlängst ein kleiner Kreis von Persönlichkeiten aus der FPÖ zusammengesessen sei und man über die im Regierungsprogramm vorgesehenen Privatisierungen diskutiert habe. Dabei sei man zu dem Schluss gekommen, dass man bei den diversen Privatisierungsprojekten zusehen sollte, an den in diesen Geschäften üblichen Fees (Gebühren, Anm.) zu partizipieren. Gemeint war damit, dass der von Hochegger genannte Personenkreis (und nicht etwa die Partei) als Nutznießer vorgesehen sei", zitiert der "Falter".

Namenlose Kästchen

Hochegger hat laut Berner auch ein Organigramm aufgezeichnet, welches im ersten Kästchen eine von ihm nach eigenen Worten vor vier Tagen in Liechtenstein über einen Treuhänder gegründete Firma darstellte. Unter diesem Kästchen befanden sich links und rechts zwei weitere Kästchen, in die keine Namen eingetragen waren.

Unter das linke leere Kästchen habe Hochegger die Namen des Ex-FPÖ-Politikers und Lobbyisten Walter Meischberger, des früheren Buwog-Aufsichtsratsvorsitzenden und Immobilienmaklers Ernst Karl Plech und seinen eigenen geschrieben, unter das rechte leere Kästchen zwei Haider-Vertraute sowie ihn, Berner, eingetragen. Dann habe Hochegger verraten, wer die "streng geheim bleiben müssenden Personen" in den leeren Kästchen seien, welche für die politische Unterstützung (...) sorgen sollen": Karl-Heinz Grasser und Jörg Haider. Ersterer stünde mit Plech, Meischberger und Hochegger in einem "besonderen Vertrauensverhältnis". Die Einbindung von Haider sei notwendig, da Grasser "nicht das nötige politische Gewicht habe". Berner selbst sollte auch profitieren, da er als Kabinettschef über Insiderinformationen verfüge. Berner lehnte nach eigenen Angaben ab, aus "tiefster Überzeugung", heißt es weiter im "Falter".

Die Staatsanwaltschaft kläre derzeit, ob die Aussagen von Berner glaubwürdig seien, so der "Falter". Hochegger sei zu seiner "Grasser-Haider"-Skizze bereits befragt worden. Er habe das Treffen bestätigt. Die Zeichnung und die darauf verzeichneten Personen seien "von der Logik her richtig", er könne sich aber nicht vorstellen, dass es sein Konstrukt sei.

SP und Grüne für rasche Kontenöffnung

Die sofortige Öffnung von Grasser-Konten und die Offenlegung aller seiner Vermögenswerte fordern SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter und die Bautensprecherin der Grünen, Gabriele Moser. Weiters hält Kräuter eine Untersuchung aller Verkaufs- und Privatisierungsvorgänge von Staatsvermögen in der "Schüssel-Grasser-Ära" vonseiten der Justiz für unerlässlich.

"Das Maß ist voll, die Faktenlage eindeutig und die Verdachtsmomente sind erdrückend", so Kräuter. Justizministerin Claudia Bandion-Ortner solle bisher Versäumtes nachholen und die Kontenöffnung umgehend nachholen. Die Ministerin habe trotz zahlreicher Hinweise und Aufforderungen durch die SPÖ viele Monate in der Buwog-Causa verschlafen und damit dem Ansehen der Justiz keinen guten Dienst erwiesen.

"Ex-Finanzminister Grasser gehen offenbar die weißen Westen aus", so Moser in einer Presseaussendung. Die Verdachtslage werde täglich dichter, nur mehr die Offenlegung des Vermögens von Grasser stehe zwischen der Wahrheit und Grassers öffentlich getragenen weißen Westen.

Ein erster Schritt sei die Öffnung der relevanten Konten, aber es gehe auch um die Vermögenswerte, schließlich gebe es Hinweise, dass auch Bargeld geflossen sei wie zum Beispiel die Bezahlung des Grasserschen Seychellen-Jettens, so Moser.

"Der nächste Schritt der Aufklärung sollte in die Richtung: 'Was wusste die ÖVP?' gehen", so Moser weiter. Schließlich sei dies alles unter den Augen des ehemaligen ÖVP-Staatssekretärs Alfred Finz im Finanzministerium geschehen.

Anwalt weist Anschuldigungen zurück

Der Anwalt Grassers, Manfred Ainedter, hat die neuen Vorwürfe gegen seinen Mandaten zurückgewiesen. In der "ZiB 2" des ORF am Dienstagabend sagte Ainedter, dies könne man "wirklich nur ins Reich des Absurden verweisen". Zu Berichten, wonach es bald zu einer Öffnung von Konten Grassers kommen werde, sagte Ainedter, es gebe keinerlei Veranlassung dazu, Grasser habe freiwillig angeboten, in seine Konten Einsicht nehmen zu lassen. Der Ex-Finanzminister warte vielmehr darauf, eine Aussage vor der Staatsanwaltschaft zu machen, sagte Ainedter gegenüber der "ZiB 2". (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 946
hungrybear
02
30.7.2010, 13:45
und wolfi schweigt ....

Martin W
00
29.7.2010, 13:05
Kontenöffnung?

Ist da was dran an der Meldung von Österreich?

*QED*
50
29.7.2010, 11:12
Rechtsstaat funktioniert

Mein Vertrauen in die Justiz ist insofern ungebrochen,
dass ich überzeugt, wenn die Vorwürfe Substanz
haben, es zur Anklage kommen wird.
Dazu reicht aber nicht die lautstark vorgetragene
Meinung einiger parteipolitisch motivierter Kampf-poster.

silent_trust
 
02
30.7.2010, 07:19

Was funktionert da, wenn ein LH von der Staatsanwaltschaft defakto schuldunfähig gesprochen wird? Was funktioniert, wenn Rechtssachverständige über Jahre hinweg eine Untersuchung der Vorgänge rund um Grasser fordern und die Staatsanwaltschaft befindet "die Suppe ist zu dünn" (Originalzitat Homepageaffäre)?
Was funktioniert, wenn sich die JUSTIZMINISTERIN (sic!) mit dem Anwalt eines Verdächtigen zum Kaffee
trifft. Was funktioniert, wenn sich ein Mitarbeiter des Justizministeriums anbietet den Verdächtigen Kopien der Ermittlungsakten zu besorgen? Was funktioniert, wenn Hausdurchsuchungen angekündigt werden?

Da funktioniert gar nix - das ist ein erschreckendes Schauspiel und eines modernen Staates im 21. Jhdt einfach unwürdig!

*QED*
10
30.7.2010, 07:27

Unregelmäßigkeiten hat in in den 80ern unter den
Ministern Ofner und vor allem Broda auch gegeben.
Trotzdem wurde Androsch, Blecha und Udo Proksch
u.a. schließlich verurteilt. Unter Egmont Foregger.

miette
00
abgesehen davon, dass das keine

"unregelmässigkeiten" sind, sondern wiederlichster korruptionssumpf.

miette
00
sorry, widerlichst

silent_trust
 
02
30.7.2010, 07:41

Ja - Sie wurden angeklagt, der prozess wurde gemacht und sie wurden verurteilt. Ende der Geschichte - und genau das fehlt heute. Keine Anklage, kein Prozess und schon gar keine Verurteilungen!
Erkennen sie den Unterschied?

FalscherProphet
02
29.7.2010, 21:21
Einer Justizministerin,

die sich mit dem Anwalt (Ainedter) eines Verdächtigen im Kaffeehaus trifft, ist keineswegs zu trauen.

Schon gar nicht, wenn dessen Verfahren systematisch verschleppt zu werden scheint.

*QED*
00
30.7.2010, 07:45

Gerüchte und subjektive Eindrücke rechtfertigen
noch keine Verurteilung. Wie lange hat es gedauert,
bis UDO PROKSCH verurteilt wurde? Und viele seiner
ehem. Genossen glauben heute noch an seine Un-
schuld und vermuten eine Verschwörung gegen Ihn.

isodora
15
29.7.2010, 14:35
Sagen Sie, Qeddler, san sie eigentlich ein Bezahlter.

Kampfposter ja - aber die vielen Fragezeichen, mit denen sie da um sich schmeißen im Forum, sind schon recht fad.

Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

*QED*
10
30.7.2010, 07:39
Auf finanzelle Zuwendungen

bin ich nicht angewiesen. Ich bin Bürgerlicher OHNE Parteibuch. Fragen zu stellen ist bei mir berufs-bedingt.
Damit, dass ich damit bei den, in diesem Forum überproportional vertretenen, Postern des linken Flügels gelegentlich Missfallen errege, kann ich gut leben.

street lawyer
01
29.7.2010, 12:11
ihr vertrauen in die justiz ehrt viele, die ihre arbeit ohne großen aufhebens machen, aber in diesem fall nicht ihr verständnis grundlegender vorgänge.

kakaniengeist
03
29.7.2010, 08:05
justizmathematisches paradoxon!

je höher die politische funktion,

je höher der volkswirtschaftliche schaden,

je höher das persönliche bereicherungspotential,

desto geringer die chance darauf, dass die justiz aktiv wird!

übrigens, da kenne ich viele ganz *einfache* und *ehrliche* bürger der alpenrepublik, die bereits bei banalen verdachtsmomenten (die dann meist SOFORT gelten, OHNE unschuldsvermutungsrituale!) aber schon von so was die hosen runterlassen müssen!

sicharlich!

um in der sprache der herkunftsregion des feschesten und erfolgreichsten finanzministers aller zeiten und welten zu formulieren!

bar aufs handerl
02
29.7.2010, 00:22
dank aller, die seit 1999 övp und fpö gewählt haben.

parzenbua
03
28.7.2010, 22:00
wurde ja ziemlich "downgegraded"

die geschichte....

tablespace65
07
28.7.2010, 21:33
Für die "Inthronisierung" des Polittalents KHG müssten W. SCHÜSSEL, A. KHOL und W. MOLTERER eigentlich nachräglich zu "personae non gratae" erklärt werden!

*QED*
20
29.7.2010, 11:24
Personae non gratae?

Nun, dass sich die von Ihnen genannten Persönlich-keiten, nicht der Sympathie der linken Jagdgesell-
schaft erfreuen, ist hinlänglich bekannt.

tablespace65
00
Wie viele Indizien und Beweise braucht man denn noch?

Die zuletzt lancierten Berichte über ein enormes HAIDER-Vermögen in Liechtenstein untermauern doch einmal mehr den Verdacht, dass HAIDER, GRASSER und Konsorten ein besseres "Konglomerat von Gaunern" sein könnten!

Und man muss sich halt schon immer intensiver fragen, ob SCHÜSSEL, KHOL und Co. über diese "Malversationen" wirklich nicht Bescheid gewusst haben oder wissen haben können! Faktum ist, dass mit HAIDER und seinen "Genossen" ein ganze Clique an "anständigen, fleißigen und v.a. in die eigene Tasche Arbeitenden" an die Macht gekommen sind! Und da ist die ÖVP nicht so ohne weiteres aus der Verantwortung zu entlassen...

mirko burijan
06
28.7.2010, 21:31
rücktritt, frau bandion-ortner!

und nehmen sie bitte ihren kabinettschef gleich mit!

PMM
04
28.7.2010, 21:24
Bandion-Ortner

Alle möglichen Stellen finden wieder und wieder neue Hinweise - Printmedien, ORF etc. Nur das gute, alte Justizministerium steht seltsamerweise immer mit leeren Händen da.

*QED*
20
29.7.2010, 11:19
Medienjustiz ?

Die sog. Hinweise beweisen nur, dass KHG viele
Feinde hat. Zu fordern,dass die STaatsanwaltschaft
ohne weitere Nachforschungen, diese Hinweise zum
Gegenstand einer Anklage machen sollte, ist einiger-
maßen abwegig.

PMM
01
29.7.2010, 11:54

Es geht exakt um die von Ihnen angesprochenen Nachforschungen, die die Staatsanwaltschaft anzustellen hat. Aus meinem Posting sollte hervorgehen, dass es um das Finden derselben geht, von Anklage ist keine Rede. Ob dieser Wille (Finden) wirklich besteht bezweifle ich massiv (aus verschiedensten Gründen).

Zudem mag natürlich auch evtl. folgendes zutreffen: "Unter der Hand spricht ein anderes Ex-Regierungsmitglied aus der damaligen Zeit Klartext: "So viele Zufälle gibt es doch nicht. Die Frage ist: Wird etwas nachweisbar sein?" [Quelle Kurier]

PMM
00
29.7.2010, 11:58
addendum

Zu dem Thema gibt es übrigens eine - wie immer - geniale Umsetzung von Hrn. Pammesberger.

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