Wildtierhaltung

Kritik an behördlichen Kontrollen und Gesetzen

27. Juli 2010 14:13

88 Wildtierhaltungskontrollen 2009 in der Steiermark - Allein im Bezirk Leibnitz 348 gemeldete Tiere

Das steirische BZÖ sowie der Tierschutzverein "Vier Pfoten" haben am Dienstag Behörden und Gesetze im Zusammenhang mit Wildtierhaltung kritisiert, nachdem am Sonntag eine Boa Constrictor in Graz ihrem Besitzer entkommen war. Während der orange Tierschutzsprecher Wolfgang Spadiut und der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz vor allem mangelnde Kontrollen bei den gemeldeten Wildtieren witterten, will "Vier Pfoten" ein gesetzliches Verbot für Import und Haltung exotischer Reptilien in Privathaushalten.

"Die Haltung von Wildtieren in der Steiermark wird in keiner Weise kontrolliert," meinten die Bündnis-Politiker am Dienstag in einer Aussendung. Wie sie sagten, hätte zum Beispiel im Bezirk Leibnitz bei 326 meldepflichtigen Wildtieren (Stand 3. Februar 2010) zwischen 2005 und 2010 nur eine einzige Kontrolle der Haltungsbedingungen stattgefunden.

Auf APA-Anfrage hieß es von der Bezirksbehörde, dass die Zahl mittlerweile auf 348 gemeldete Tiere gestiegen sei. Dabei handle es sich um 161 Schildkröten, 64 Schlangen, 51 Exen, 27 Wildvögel, 26 Skorpione, 17 Spinnen und zwei Amphibien. Kontrollen würden mit Sicherheit durchgeführt, vor allem im Falle einer Anzeige zum Beispiel von Nachbarn - exakte Zahlen konnten am Dienstag nicht vorgelegt werden.

Dafür ist im Veterinärbericht 2009 des Landes Steiermark nachzulesen, dass im genannten Jahr landesweit 88 Tierschutzkontrollen durch Amtstierärzte bei Wildtieren durchgeführt worden sind (79 im Jahr 2008). Seitens der Stadt Graz hieß es, dass 20 bis 30 Prozent der etwa 100 gemeldeten Wildtiere stichprobenartig kontrolliert würden. Für mehr habe man laut Referatsleiter Peter Fürst nicht genügend Personal. Bei den Kontrollen müssen die Ärzte das Bundestierschutzgesetz (gültig seit 1. Jänner 2005) mit dem Paragraf 25, der sich mit der Haltung von Wildtieren befasst, anwenden.

"Vier Pfoten" bezeichnete den Fall der entkommenen Würgeschlange in Graz nur als eines von vielen Beispielen, die zeigten, "dass Exoten in Privathaushalten nichts verloren haben". Geschäftsführerin Johanna Stadler forderte ein Verbot und begründete dies damit, dass bei Exoten ein großer technischer Aufwand erforderlich sei und ein Großteil der Käufer dieser Wildtiere zu wenig Fachwissen über ihre neuen Mitbewohner hätten. "Die Gefahr, die von Exoten ausgeht, ist oft nicht kalkulierbar - es handelt sich um Wildtiere, die genauso wie Löwen niemals komplett zähmbar sind," so Stadler. (APA)

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