Studie über Verhaltensunterschiede zum Hund vorgestellt
Wien - "So ähnlich und doch so unterschiedlich" - so vergleicht die
Grazer Zoologin Margit Auer Hunde und Wölfe. Die Wissenschafterin präsentierte
beim Kongress "Canine Science Forum
2010" eine Studie, bei der das Verhalten von Wölfen beim Spazierengehen an der
Leine analysiert wurde. Die Arbeiten wurden am Wolf Science Center in Ernstbrunn
(NÖ) in Zusammenarbeit mit der Konrad Lorenz Forschungsstelle (KLF) und der
Universität Wien durchgeführt.
Der deutlichste Unterschied zwischen Hunden und Wölfen ist, dass letztere nie
mit einem Fremden mitgehen würden. "Fremden Erwachsenen gegenüber sind Wölfe
sehr ängstlich", erklärte Auer. Damit die Sache mit der
Leine funktioniert, muss der Wolf von einem gut bekannten Menschen ausgeführt
werden.
Hunde und Kleinkinder sind Beute
Doch auch dann heißt es aufzupassen und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Jeden Hund, der in Sichtweite kommt, betrachtet der Wolf als Beute, ähnliches
gilt für Kleinkinder. Sind alle möglichen Probleme ausgeschaltet, braucht das
Tier viel Freiraum, mehr als ein Hund. Dabei ist der Wolf laut Auer aber
durchaus in der Lage Regeln zu erlernen, etwa "bei Fuß" zu gehen oder nicht an
der Leine zu ziehen. Bei den Analysen zeigte sich bezüglich des Leinenzugs eine
gegenseitige Aufschaukelung von Wolf und Halter: Zieht das Tier stärker, macht
das auch der Mensch am anderen Ende der Leine und umgekehrt.
Trainiert wird dabei ausschließlich über Belohnungen, sprich: Futterhäppchen,
Bestrafungen sind tabu, betonte die Wissenschafterin. Erstaunlicherweise
verbesserte allzu häufige Belohnung nicht die Kooperation zwischen Tier und
Mensch, wie die Auswertungen ergaben. Sehr wohl wirken sich aber die Charaktere
von Mensch und Wolf aus.
Kein Anhimmeln
Generell wendet sich ein Wolf weniger dem Menschen zu als ein Hund. Er sucht
deswegen auch seltener Augenkontakt zum menschlichen Gefährten. Schon gar nicht
himmelt er Herrl oder Frauerl an, wie es manche domestizierte, vierbeinige
Verwandte tun. Dennoch schenkt auch der Wolf einem bekannten Halter durchaus
Aufmerksamkeit.
Die Wölfe, mit denen die Versuche angestellt wurden, sind durchwegs vom
Menschen aufgezogen und haben immer engen Kontakt mit diesen gehabt. Auch wenn
es mehr oder weniger hundeähnliche Charaktere gibt, bleibt ein Wolf immer ein
Wolf. Der Kongress "Canine Science Forum
2010" findet noch bis Mittwoch in Wien statt. (red/APA)