Verteidiger im Tierschützer-Prozess sehen bis dato keine Beweise

27. Juli 2010, 14:05

In fünf Monaten weder Indizien für kriminelle Organisation noch für Sachbeschädigungen

Im Tierschützer-Prozess gebe es nach fünf Monaten noch immer keine Beweise für Straftaten der Beschuldigten und auch keine Indizien für die Bildung einer kriminellen Organisation. Diese Zwischenbilanz zogen die Anwälte von elf der 13 nach dem sogenannten Mafia-Paragrafen 278a Angeklagten bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Auch das - gegen den Erstangeklagten, VGT-Obmann Martin Balluch, sprechende - linguistische Gutachten sei in der Vorwoche widerlegt werden.

Das Verfahren am Landesgericht Wiener Neustadt geht im August in die Sommerpause, ehe im September wieder ein Dutzend Prozesstage ausgeschrieben sind. Ein Ende sei nicht abzusehen, mit einem Ersturteil sei nicht vor 2011 zu rechnen, meinten die Verteidiger. Bisher wurden 65 von 120 Zeugen der Anklage befragt. Von der Verteidigung nominierte Zeugen seien noch gar nicht geladen und auch 85 gestellte Anträge noch nicht entschieden.

Der Paragraf 278a sei in dieser Art nicht auf die Tierschützer anzuwenden. Anwältin Alexia Stuefer zufolge hätten 38 Verhandlungstage ergeben, dass keine kriminelle Organisation - lt. Gesetz mafiaähnliche Verbindungen, arbeitsteiliges Vorgehen, Bestechungen usw. - vorliege und auch die Verantwortlichen für diverse Sachschäden nicht gefunden worden seien. Trotz aufwendigster Ermittlungen u.a. mit Peilsendern und wochenlangem Lauschangriff sei nichts Konspiratives entdeckt worden, sagte die Anwältin.

Über die Ergebnisse verdeckter Ermittlungen finde sich kein einziger Zettel im Akt, weil sie, wie eine Soko-Beamtin vor Gericht aussagte, keine relevanten Resultate gebracht hätten, meinte Anwalt Stefan Traxler. Überall ernte er Kopfschütteln über diesen Prozess, leider sei das Thema aber medial eingeschlafen. In 14 Jahren anwaltlicher Tätigkeit sei er noch in keinem Verfahren so oft von einer Richterin unterbrochen - und so viele Fragen, Schriftstücke und Videobeweise nicht zugelassen worden.

"Schachtel bunter Puzzlesteine"

Für Anwalt Josef Philip Bischof ist "klar", dass den Beschuldigten keine Sachbeschädigungen nachgewiesen wurden und auch werden. Der für ein Strafverfahren "unübliche" Output: Die Angeklagten würden leidenschaftlich für den Tierschutz kämpfen. Tagelang würden legale Demos thematisiert, hingegen gebe es keinerlei Erkenntnisse, welche kriminelle Organisation überhaupt am Werk gewesen sein soll.

Das linguistische Gutachten, das ihm Bekennerschreiben zuordnete, sei durch den mit ihm verfeindeten Zeugen selbst widerlegt worden, meinte Balluch: Der frühere, dann fristlos entlassene Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) gab in der Vorwoche an, er habe einen Brief und ein Flugblatt verfasst. Auch dessen Angaben, ihn am Vorabend eines Brandanschlags auf eine Hühnermastfabrik im Bezirk St. Pölten in der Nähe abgesetzt zu haben, stellten sich laut Balluch u.a. durch diverse Rechnungen als haltlos heraus.

Eine Angeklagte verglich das Verfahren mit einer "Schachtel bunter Puzzlesteine, die von der Soko durchgeschüttelt wurden". Das Ganze sei aber sehr ernst: "13 Existenzen stehen am Spiel, wir sind von Gefängnis bedroht, und der finanzielle Ruin ist uns sicher." Übereinstimmend meinten drei Beschuldigte, ihre einzige Chance sich zu verteidigen wäre ihr Fragerecht, das ihnen jedoch immer wieder mit der Begründung "nicht relevant" entzogen werde.

Vonseiten des Gerichts gab es aufgrund des laufenden Verfahrens am Dienstag keine Stellungnahmen. Hingegen sprach der von Balluch angesprochene Zeuge Franz-Joseph Plank, Tierarzt und nunmehr Obmann von "Animal Spirit", von einem "absurden Verleumdungs-Rundumschlag des Hauptangeklagten". Dieser bediene sich diverser Pseudonyme, um auf Web-Seiten über den laufenden Prozess zu berichten, wobei Belastungszeugen und Gutachter verleumdet würden. Zur Pressekonferenz hieß es in der Aussendung weiter: "So ist es natürlich absolut kein Beweis, daß das Bekennerschreiben zur Nerzbefreiung im Juli 1997, das teilweise vom damaligen offiziellen VgT-Flugblatt bzw. einem Brief abgeschrieben worden ist, nicht vom Hauptangeklagten stammen kann, nur weil dieses offizielle Flugblatt damals von mir verfasst wurde und welches jeder kopieren konnte." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 27
1 2
Yukterez.Ist.Org
 
00
18.11.2010, 22:34

Eines dürfte zumindest allen (auch jenen wenigen die sich zum Schein anders äussern) klar sein: die Verbrecher sitzen bei Kleider Bauer, der ÖVP und bei den schwarzen Schafen der Polizei (vor allem in den leitenden Positionen). Wenn die Situation kommen wird (und sie wird kommen) weiss hoffentlich jeder auf welcher Seite er steht, und ich habe auch die Erfahrung gemacht dass nicht wenige Polizisten genau wissen daß ihre Vorgesetzten Mafiosi sind. Der einzige Weg der diesen Gangstern noch bleibt um ihre Macht zu sichern ist an die Feigheit derer die Bescheid wissen zu appellieren, denn die Rolle des Gesetzhüters nimmt denen schon jetzt kaum mehr einer ab

kathi baum
01
22.10.2010, 12:05
offenbar auch KUNST VOR GERICHT,

in diesem grotesken gerichtsverfahren!
https://at.indymedia.org/node/19230
- schrecklich wies zugeht in österland!

- solidarität mit den unschuldig angeklagten!!!!!!

kathi

Solipsist
00
7.10.2010, 09:14
vollkommenste Diktatur
00
29.9.2010, 17:56
Der Spuk will (darf?) nicht enden!

http://at.indymedia.org/node/19026

solandre
 
12

anders gefragt, wer hat eingentlich so grosses interesse die mitglieder des vgt zu zerstören und über welche wege haben diese interessenten so viel einfluss auf politik und justiz?

dass das ganze nicht auf dem übereifer einiger beamter entstanden ist, ist ja wohl klar.

cwebb
40

Vielleicht die Opfer des Psychoterrors?

kathi baum
00
20.10.2010, 11:12
opfer des psychoterrors?

du meinst die angeklagten,
nachdem sie bewaffnete hausdurchsuchungen - auch in den räumen ihrer minderjährigen kinder - erlitten haben und danach 3 monate in wilkürlicher u-haft zubrachten?

ja, dieser psychoterror ist echt zum kotzen!

opfersolidarität,
WWW.TIERSCHUTZPROZESS.AT

kathi

rorschach
00
12.10.2010, 19:44
aha?

die sogenannten "opfer" üben also nachhaltigen einfluß auf die Justiz aus? interessant ....

Heinz Anderle
 
02
Mit etwas Glück und Zähigkeit läßt sich 2012 als Ziel erreichen.

Dann wartet - mangels abgewiesener Asylanten - ein ganzer Komplex in einem abgelegenen Bergtal auf seine Schutzhäf..., äh, -befohlenen: das Anhaltela..., äh, "Kompetenzzentrum für konssenssichernde Maßnahmen" in Vordernberg. Über dem Tor begrüßt Grillparzer: "In deinem Lager ist Österreich!", dazu passend spielt es den Radetzkymarsch: Jetzt pascht's!

Dr. Heinz Anderle, ohne Designerbrille leicht dystopischer Freigeist

blubb66
02
31.7.2010, 13:56
Die einzigen Beweise ...

... sind in den Berichten aus dem Gerichtssaal zu finden und belegen ziemlich zweifelsfrei, daß dieser Prozess und diese Prozessführung nicht annähernd objektiv und fair sind.

Weekend-Duscher
14
28.7.2010, 19:09
Muß APA denn

auf jede mißbräuchliche OTS-Aussendung des Herrn Plank einsteigen, und muß 'Der Standard' jede solche APA-Meldung redaktionell unbearbeitet/unkommentiert übernehmen?

Mit der - nicht angenommenen - Einladung an den Gerichtssprecher zu einer Aussage war der Pflicht zur Objektivität entsprochen worden. Gegenüber dem "amtlich vorgeführten" Falschaussager Plank bestehen gar keine journalistischen Verpflichtungen.

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
02
28.7.2010, 13:29
ich sag' nur das, was viele sagen, vor allem die Jungen: Bäh !

Was hat so ein Wahnsinn mit Rechtsstaat zu tun und wer soll diesen noch akzeptieren?

hed
00
ich hingegen halte es für völlig in ordnung von enem gericht die frage klären zu lassen, ob

die vgt gesetze verletzt hat oder nicht. so läuft das bei uns.

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
01
Wenn das so laufen würde, wäre ja auch nichts dagegen einzuwenden.

Aber trotz Null Beweislage nach über einem Jahr minuitiöser Bespitzelung die Tierschützer bei Nacht mit am Kopf angehaltenem Sturmgehwehr nackt aus dem Bett zu zerren und sie dann über 1 jahr aus dem zivilen Leben herausreißen und somit der Existenz berauben, das hat mit rechten Dingen nichts mehr zu tun.
Sowas ist für mich gemeine Willkür und untergräbt die Fundamente unseres Rechtsstaats.

Dr. Freidank
25
28.7.2010, 12:29
Ich finde es nicht richtig,

dass "derstandard" hier wiederum (wie im Artikel vom 20. Juli 2010) Dr. Plank die Möglichkeit gibt, seine Unwahrheiten und Verleumdungen zu verbreiten.
Die Aussagen des von StA Handler aufgefahrenen Hauptbelastungszeugen Dr. Plank sind eindeutig als Falschaussagen und Lügen enttarnt worden. Ich stimme dem Poster in dem diesbezüglichen Bericht (http://tierschutzprozess.at/tierschut... #more-466) zu: "... gehört Dr. Plank nach meinem Rechtsverständnis entweder auf die Couch oder (wegen Meineids) auf die Angeklagtenbank."
Ein freies Medium hätte m.E. die Pflicht, auf die erschreckende Tatsache solcher Falschaussagen und ihre Bedeutung im Rahmen dieses Prozesses einzugehen.

Mim103
02
28.7.2010, 09:46
"gebe es nach fünf Monaten noch immer keine Beweise"

Geht´s vielleicht noch ein bisschen schwammiger und nichtssagender? Aus dem Artikel liest sich die Angst des Standard, mit Verleumdungs- und Unterlassungsklagen eingedeckt zu werden, klar heraus. Immerhin schweigt er das Thema nicht tod, wie die meisten anderen Medien.

goiserer97
10
28.7.2010, 08:57
Und wenn ....

in Österreich jemand glauben sollte das es ohne Beweise keine Verurteilung gibt der irrt gewaltig. Das hat man z.B. beim Goiserer Kinderpornoskandal 97 gesehen. Keinen Sachbeweis bis heute jedoch 7 rechtskräftige Verurteilungen.

julianpeter
03
28.7.2010, 00:53
Österreichische Justiz nähert sicher der Endvertrottelung

Sollten die verurteilt werden ist Österreicht kein Land mehr das die Bezeichnung Rechtsstaat verdient.

goiserer97
01
28.7.2010, 09:12
Ein Rechtsstaat...

ist Österreich schon längst nicht mehr. Nur die Narren überreissen das nicht.

Präventionsparanoia
08
27.7.2010, 23:15
Irgendwann, denke ich,

muss der Präsident dieses Gerichts ein mulmiges Gefühl bekommen.

Dr. Freidank
02
28.7.2010, 11:57
ohne zweifel richtig,

nur muss er, sollte er zur Spezies 'homo sapiens' gehören, dieses "mulmige Gefühl" schon längst bekommen HABEN.

John Sandwich
07
27.7.2010, 22:25
Kafka + Nestroy

könnten sich gemeinsam diese absurde Justiz-Posse ausgedacht haben - Operation Spring 2.0

http://tierschutzprozess.at/
http://antirep2008.org/
http://kurzurl.net/operationSpring2
http://derstandard.at/r6524/Tierschuetzer

HANDLangER = Protektionskind Böhmdorfers: http://www.parlament.gv.at/PG/DE/BR/... /pmh.shtml ("... 27. September 2002 | Mag. Wolfgang HANDLER | Sprengelrichter ...", wolfgang.handler@justiz.gv.at)

Fräulein Arleths Gespür für Irrelevanz.

Dr. Freidank
02
28.7.2010, 12:05
GENIALES WORTSPIEL!

ein linguistisches Gustostückerl von "John Sandwich"!

Col. Daintry
016
27.7.2010, 18:51
Während der U-Haft

und bis zum Erscheinen des Strafantrags konnte der Sprecher der StA. (Habitzl) "wegen laufender Ermittlungen" gegenüber den Medien keine Aussagen machen. NACH dem Erscheinen des Strafantrags konnte der Sprecher des Gerichts (Barwitzius) "wegen laufenden Verfahrens" gegenüber den Medien keine Aussagen machen. Das nennt man lückenlose Schweigsamkeit!

Auch der Staatsanwalt muss sich im Gerichtssaal kaum äußern. Seine Arbeit als Ankläger verrichtet die Richterin mit stärkerem Engagement als man Handler auf einen Blick je zutrauen würde.

Der Richterin hat diese Pressekonferenz schon im Vorfeld nicht so ganz leichtes Nervenflattern verursacht!

Dr. Freidank
01
28.7.2010, 12:11
So aber...

Wäre diese Richterin nur einigermaßen neutral, könnte sie einem leid tun, dass sie diese Causa leitet. So aber - Col. Daintry beschreibt das richtig - kann man sich gegen das Gefühl der Verachtung nur schwer erwehren. Mir wenigstens geht es so.

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