Ötzi-Genom sequenziert

Wo leben die Nachfahren des Steinzeitjägers?

27. Juli 2010 13:59
  • Artikelbild
    Foto: apa/südtiroler archäologiemuseum

    Das aus einem Knochen gewonnene entschlüsselte Genom des Eismannes soll die Forscher zu lebenden Nachfahren führen.

Forscher entschlüsseln Erbgut der Gletschermumie aus entnommener Knochenprobe

Bozen - Wissenschafter aus Südtirol und Deutschland erforschen das DNA-Material der über 5.300 Jahre alten Gletscherleiche mit dem Spitznamen "Ötzi". Den Forschern geht es dabei unter anderem um die Frage, ob es genetische Nachfahren des Steinzeitjägers gibt und wo diese heute leben. Möglich wurde dies durch eine entnommene Knochenprobe, die Ergebnisse der daraus entstandenen "DNA-Bibliothek" sollen nächstes Jahr präsentiert werden.

Erstmals in der Geschichte seit dem Fund vor knapp 20 Jahren liege damit das gesamte Erbgut der weltbekannten Mumie vor, betonten die Wissenschafter am Dienstag. An der Erforschung beteiligt sind Albert Zink, der Leiter des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman in Bozen, Carsten Pusch vom Institut für Humangenetik der Universität Tübingen und der Bioinformatiker Andreas Keller vom Biotechnologie-Unternehmen "febit" in Heidelberg.

Modernste Sequenzier-Methoden

Der Bioinformatiker Keller habe den beiden Humanbiologen modernste Sequenzier-Technologie zur Verfügung gestellt, mit denen das Forscherteam die Millionen an Sequenzdaten des Ötzi-Genoms entschlüsselt und in kürzester Zeit das geschafft habe, was mit bisherigen Verfahren nur im Zeitraum von Jahrzehnten zu bewältigen gewesen wäre: Mit der Knochenprobe aus dem Becken der Eismumie sei mit der neuen Sequenzier-Technologie "SOLiD" die DNA-Bibliothek erstellt worden, die den mit Abstand größten DNA-Datensatz enthalte, der jemals vom Mann aus dem Eis erarbeitet worden sei. Dabei sei am "Ötzi" die neu entwickelte Technologie zum ersten Mal angewandt worden.

Suche nach Antworten

Die riesigen Datenmengen, die nun vorliegen, sollen nach ihrer bioinformatischen Aufarbeitung viele Fragen beantworten. Untersucht wird unter anderem, welche genetischen Mutationen zwischen früheren und heutigen Populationen stattfanden oder welche Rückschlüsse man aus der Untersuchung von Ötzis Genmaterial und seinen Krankheitsveranlagungen auf heutige Erbkrankheiten oder andere heutige Erkrankungen wie Diabetes oder Krebs ziehen könne.

2011 ist es 20 Jahre her, dass "Ötzi" durch Zufall im Südtiroler Teil der Ötztaler Alpen entdeckt wurde. Aufbewahrt wird der Fund mittlerweile in einer Spezialkühlzelle des Bozner Archäologiemuseums. (red/APA)

Kommentar posten
20 Postings
Gluck
28.07.2010 21:21

Vergleicht man das Foto mit dem folgenden Bild, dürfte sich eine genetische Verwandtschaft nicht ganz ausschließen lassen, auch ohne ADN-Analyse:
http://tinyurl.com/2dn8ojp

Ody Fry
28.07.2010 13:23

Vorratsdatenspeicherung mal anders?

oblomow II
28.07.2010 12:42
früher erkannte man das ...

... an den autonummern. N = neandertaler

Mulla Nasrudin
28.07.2010 13:42

Ötzi war kein Neanderthaler.

Mulla Nasrudin
28.07.2010 14:40

Doch, ich habe Ihren "Witz" schon verstanden, und auch ein bisschen darüber geschmunzelt (auch wenn er einen ziemlich langen Bart hat).

Trotzdem weiß ich nicht, wie man vom Ötzi auf den Neanderthaler kommt.

Mulla Nasrudin
28.07.2010 15:02

War eigentlich als Antwort auf oblomow's "nicht-kneisser"-Vorwurf gedacht.

oblomow II
28.07.2010 14:27
sie sind kein

... gneißer

Nick Tameer
28.07.2010 10:06

Vom Ötzi zu Ösi, eine Erfolgsgeschichte.

Pannonia Jack
28.07.2010 13:17

War Ötzi nicht Deutscher? Er hatte doch Sandalen im Hochgebirge an oder nicht?

Nick Tameer
31.07.2010 16:12

Trug er Socken?

pater hirni
28.07.2010 06:38
der evolutionäre nachfolger des neanderthalers ist der westenthaler

(homo hojaciensis). er nistet in parlamentskantinen und vor stadien. er gilt als schwer erziehbar, rein instinkt-gesteuert und cerebral herausgefordert. seine uniformierten wärter berichten, er sei nicht in der lage ein auto im schritttempo an einem knie vorbei zu lenken.

PaterPäderasty
28.07.2010 09:46
Werter Ordensbruder.....

da tun sie dem Neanderthaler aber unrecht.

Ihrer Theorie mnach müssten wir dann ja (dominant)genetische Neanderthaler-Gesellschaft sein, ...

Mulla Nasrudin
28.07.2010 00:12

Nach 5000 Jahren (~200 Generationen bei ~25 Jahren Reproduktionsalter), und im Schnitt 2 Kindern je Individuum, kommt man auf theoretische 1,6*10^60 Nachkommen. Das stimmt natürlich nur, wenn sich keines der Kinder und Kindeskinder mit einem der anderen paaren würde, was aber zwangsläufig passieren muss.
In Europa leben daher heute 'nur' rund 0,7*10^9 Menschen.
Vorausgesetzt, Ötzi hatte überhaupt überlebende Nachkommen, welche ebenfalls wieder Nachkommen hatten... dann stehen die Chancen relativ gut, dass fast alle heutigen Europäer (ausgenommen erst kürzlich von weitweg zugereiste) zu Ötzi Ururur...urur-Opa sagen dürfen.

GAGA3
28.07.2010 22:41

Oder es haben sich in einem tiroler Bergdorf seine Nachkommen über 200 Generationen nur untereinander gepaart - das wird wohl eher der Realität entsprechen.

khaleb
28.07.2010 22:01
danke für die Aufklärung, also ich nehm

als Erbe das Messer, was wollt Ihr.

spacedakini
28.07.2010 13:05

Danke für die Berechnungen und Abschätzungen!
Sehr interessant.

mag2412
27.07.2010 15:46
Opa !!!

OOOPPAAPAAA

momodeluxe
27.07.2010 15:05

ja, und: wo?

Zinnmo
 
27.07.2010 15:27

Es gibt offensichtlich erst die Rohdaten. Die Analyse dauert noch.

m3k
27.07.2010 14:41
na dann ...

auf zur speichelprobe tiroler land.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.