Zuwanderung

Österreich unattraktiv für die "Besten"

Maria Sterkl, 27. Juli 2010 19:02
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    Foto: standard/fischer

    Spitzenkräfte seien extrem mobil, sagt die Wirtschaftsforschung. Um sie im Land zu behalten, müsse das Rundherum stimmen - Kindergarten inklusive

Staat müsse "Hausaufgaben zügig erledigen, sonst kommen sie nicht zu uns", meint Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl

Nicht nur mehr Zuwanderer, sondern vor allem andere: Das wünschten sich jene Stimmen aus Bundesregierung und Industriellenvereinigung, die sich in den letzten Tagen zu Wort meldeten. Besser ausgebildet sollten sie sein, die AusländerInnen der Zukunft - und die sogenannte „Rot-Weiß-Rot"-Card solle dafür sorgen.

Das sei unrealistisch, sagt Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl von der Donauuniversität Krems: „Der Großteil der Zuwanderung ist nicht kontrollierbar", so Biffl. Ein Zahlenbeispiel: Von den rund 108.000 Zugewanderten im Vorjahr unterlagen nur rund 8000 Menschen einer gesetzlichen Steuerung. Der Rest waren EU-BürgerInnen, die sich frei niederlassen können, und zu kleineren Anteilen Studierende oder Asylberechtigte. Sieht man von den SaisonhelferInnen ab, bleiben dem Gesetzgeber nur noch der Familiennachzug, der jedoch wegen europarechtlicher Bestimmungen nur bedingt eingeschränkt werden darf, und eben die Schlüsselkräfte-Quote. Bei diesen Hochqualifizierten will die Regierung nun ansetzen und mehr dringend benötigte Fachkräfte ins Land holen. 

Ohne Kinderkrippe kein Superhirn

Doch auch hier warnt Biffl vor überzogenen Erwartungen: Fachkräfte suchten sich genau aus, wohin sie gehen. Nur dort, wo ihre Zeugnisse anerkannt werden, wo es flexible Kinderbetreuung gibt, wo sie auch als QuereinsteigerInnen schnell aufsteigen können, ziehe es die High Potentials hin. „Österreich hat hier viel nachzuholen", sagt Biffl. „Der Staat muss seine Hausaufgaben zügig machen - sonst kommen sie nicht zu uns. " Selbst, wenn Hochqualifizierte einmal im Land sind, müsse man Bedingungen schaffen, damit sie auch bleiben: „Schlüsselkräfte sind extrem mobil. " 

Prinzipiell sei das Bestreben, mehr gut qualifzierte Kräfte anzuwerben, sinnvoll, „es geht da aber weniger um Akademiker, sondern um Fachkräfte mit Maturabschluss aufwärts". Zu glauben, den Fachkräftemangel nur mit Zugewanderten sanieren zu können, hält Biffl für unrealistisch: Es seien eher ältere Fachkräfte, die zuwanderten. Die Wirtschaft brauche aber junge AbsolventInnen, speziell in den technischen Berufen. Jene Zugewanderten, die an heimischen Unis ein technisches Studium absolvieren, dürfen danach aber nicht hier arbeiten. „Wir schicken sie weg, nachdem wir sie ausgebildet haben", kritisiert Biffl.

"Ausbilden statt Reinholen!"

In der Regierung macht die ÖVP indes weiter Druck auf Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ): „Wir begrüßen das klare Bekenntnis des Sozialministers zur Rot-Weiß-Rot-Card", ließ VP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger am Dienstag verlauten. „Den freundlichen Worten müssen nun Taten folgen." Kalteneggers Sprecherin relativierte am Dienstag Stellungnahmen, wonach die Sozialpartnerschaft bestimmen dürfe, wie viele Schlüsselkräfte ins Land kommen. "Das legt immer noch die Regierung fest, die Sozialpartnerschaft bestimmt nur die Kriterien." Arbeiterkammer-Chef Herbert Tumpel scheint das anders zu sehen: Er hat für Mittwoch eine Pressekonferenz einberufen. Deren Titel: „Fachkräfte - Ausbilden statt Reinholen!" (Maria Sterkl, derStandard.at, 27.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1048
Festnetzwiederanmelder
16.08.2010 16:07
Es kommt noch schlimmer:

Bin DI (FH) DI DI und werde, samt Familie, wenn der Sohn die HTL Matura hat, für ca. 15 Jahre nach Canada gehen.

Es wandern also sogar technische Fachkräfte ab, weil es hier so unattraktiv ist! Schon mal so weit gedacht?!

Grins.

Wudri Hudri
16.08.2010 09:07

Und wenn wir die Besten nicht bekommen, müssen wir als Ersatz die Schlechten aufnehmen?
Und wenn ja - warum?

Vienne2
12.08.2010 20:35

Das Österreich unattraktiv für die "Besten" ist hat
wohl den Supergau erspart. Bitte behaltet Eure "Besten" wo immer sie auch sein mögen. Wir haben genug "Beste" im eigenen Land mit denen wir fertig werden müssen.

Unsere Staatsanwaltschaft wird gerade daran mittels "Weisung" daran gehindert.

wilko0070
 
13.08.2010 13:53
Liebe(r) Vienne2,

warum besuchst du nicht einfach einmal einen Deutschkurs?

ego n
01.08.2010 10:02
die övp will nur billige "arbeitssklaven"

ohne rechte! nur arbeiten zu billigstlöhnen!

fredi1990
01.08.2010 10:00
wie bei den meisten firmen!

jung, aber berufserfahrung von mind. 20 jahren im job!
all-in vertrag - arbeiten bis zum umfallen!
gehalt wie für einen lehrling im 2.lehrjahr!
wenn krank - dann weg!
urlaub? - ja wann die frima will!
überstunden ja - auszahlen nein!

und wenn ich dann als arbeitsloser fast soviel bekomme wie ein facharbeiter - warum sollte man da arbeiten gehen!

ExBeamter
02.08.2010 13:35
Leider! Zustimmung!

donaquijote
01.08.2010 03:05

der artikel spricht mir aus der seele. nach österreich kommt niemand gerne. das beginnt mit der schikanierei an den botschaften im ausland. was man da so hört, macht einen sehr traurig und zornig. man kann das leider niemandem empfehlen - und ich meine das bitter ernst. und genau jene, die wir da angeblich wollen, haben das - zum glück - nicht notwendig.
und ansonsten sind natürlich die firmen auch nicht unbedingt österreich orientiert. ihre ausbildungsstätten sind nicht hier, ja sie selbst sind meist nur mit vertrieben hier oder im angrenzenden nachbarland.
ich glaub eher, österreich muss aufpassen, dass es keinen brain-drain gibt.

2112Galore
30.07.2010 15:03
Gruende

Sorry aber Oesterreich ist nicht attraktiv fuer gut ausgebildete:

* Xenophobie
* Oesterreichische Sprache (Extremdialekt - "Deutsch" - wo lernt man denn das?!)
* Niedrige Loehne
* Teures wohnen
* Schlechtes Wetter
* Provinzielle Arbeitgeber

Mich wunderts ja, dass nicht mehr gut ausgebildete aus Oesterreich fluechten...

Ich komm schon ganz gerne auf Kurzurlaub nach Oesterreich (wenns hoffentlich nicht dauernd regnet), aber dort leben kann ich mir nicht mehr vorstellen.

little django
 
04.08.2010 08:21

also wenn sie ordentliches hochdeutsch sprechen kommen sie in ö überall durch, vielleicht bei den gsibergern net, aber auch die können hochdeutsch wenn sie wollen.

ich versteh die schwaben auch net wenn die schwäbisch babbeln.
in d gibts weder mehr noch weniger leute die "hochdeutsch" sprechen. und wenn sie ordentliches deutsch lernen kommen sie in ö auch durch.

mit dem rest haben sie recht.
trotz all dem negativen ist die zuwanderergruppe der deutschen die größte in ö, irgendwas macht ö also "richtig" ;-)

ExBeamter
02.08.2010 13:36
Wieso Rot, stimmt ja was der Pikfe schreibt!

Gut und dann...?
30.07.2010 14:06
Das ist richtig!

Die Besten gehen dort hin wo sie willkommen sind und das kann das Teil Braune Wien nicht sein!
Schon der Adolf hatte hier von Deutschland aus beim Einmarsch leichtes Spiel, dass prägt dieses Land von lauter "armen NAZI-Opfern"!

Goianinha Marcia Michelle
20.08.2010 18:28

Es ist schon so primitiv immer mit dem zu kommem!!!!

ExBeamter
02.08.2010 13:36
Lass ADI aus dem spiel1

knightofgoodtaste
29.07.2010 16:07
unattraktiv

natürlich ist Österreich unattraktiv, es spricht sich ja herum, dass in Österreich Einwanderer net wirklich toll behandelt werden. Wid sich langfristig natürlich auch auf den Tourismus negativ auswirken weil Leute halt in freundlichere Länder zB Großbritannien gehen werden...
Habe erst vor kurzem längere Zeit im Ausland verbracht und nachdem ich gute Freunde von mir zum Urlaub nach Österreich einlud erhielt ich die Reaktion: "Aber ihr mögt doch keine Ausländer...".

Meiner Meinung nach muss Österreich nachdenken, umdenken, Wirtschaftstreibende aktiv auch gesellschaftspolitisch in diesem Sinne Stellung beziehen oder (leider wahrscheinlicher) der ganze Karren fährt mit Vollgas gegen die Wand...

Li-Ion
30.07.2010 01:16

Das muss ich leider bestätigen, Österreicher werden im Ausland oft als rassistisch oder bestenfalls xenophob angesehen.

Frotzel
29.07.2010 11:29
Mit "Besten" meinen die doch die billigsten Wasserträger, sonst nichts.

Damit wird Lohndumping betrieben und wer dagegen ist, wird zum Nazi gestempelt.

Die gibt es zwar nicht, aber zumindest kann man damit Parteidebberl bei der Stange halten.

Die glauben und zahlen mit Jubel.

bad hair day
28.07.2010 22:13
die BESTEN

sind vermutlich sehr häufig nicht ident mit den bestverdienenden.

wer definiert, wer die *besten* sind?
und vor allem: welches sind die eigenschaften, die aus einem *guten* den *besten* machen?
und kann der *beste* im jeweiligen environment (egal wo) seine überragenden skills überhaupt zum glänzen bringen?
ich will damit sagen: wenn die rahmenbedingungen nicht - individuell - optimal sind, nützt es einem oft gar nichts, der beste zu sein, weil er/sie unter den gegebenen umständen (z.b. zu wenig persönliche förderung, selbst wenn die gage stimmen mag) die leistung, die ihm möglich wäre, gar nicht bringen KANN.

WK1404
28.07.2010 20:24
Hausaufgaben

Die Hausaufgaben hätten darin zu bestehen, daß man die Qualifizierten im eigenen Land hervorbringt. Bei dem Niveau des Schul- und Universitätswesens wird das schwer werden. Die Politiker agieren europaweit gegen die Interessen der Bevölkerung, von der sie gewählt worden sind. Da wir bereits in einer Ochlokratie leben und der letzte Rest einer Lebensäußerung kreativer Problemlösungskapazität gezielt untergraben wird, schmoren alle Unfähigen im eigenen Saft und schreien nach Zuwanderern.

raff1
28.07.2010 18:57
Österreich unattraktiv für die "Besten"

Macht's euch nicht in die Hosen, ich bleib eh da.

Li-Ion
30.07.2010 01:16

mein Held :)

kapitän nemo
Thomas Herzig
28.07.2010 13:51
ich hätte nicht gedacht ,dass ich jemals in die position komme österreich verteidigen zu müssen...ja, es ist sicher eine ganze menge verbesserungswürdig bei uns. Aber was sich hier im forum an geraunze abspielt , ist bereits krankhafter hass auf das

das eigene land und volk.
Im krankreden sind wir wahrlich weltmeister.
Wir meinen, wären die uneinholbare weltspitze an rückständigkeit, provinzialität, fremdenfeindlichkeit, korruption, etc.

Es sei an alle gesagt:
1; Auch IHR seid selbst ein teil der gesellschaft, die ihr so verachtet!

2; wer glaubt dass anderswo alles besser ist, hat anscheinend kaum gesehen, wie es anderswo zugeht

3; warum seid ihr dann nicht längst selbst ausgewandert ins gelobte ausland ausgewandert, wo man so topqualifizierte talente wie euch mit offenen armen aufnehmen würde?

4;man hört immer nur von den erfolgsgeschichten der auslandsösterreicher. Über die vielen möchtegern-schwarzeneggers die irgendwie in CA sich über wasser halten berichten die medien nicht

I. O.
28.07.2010 16:59
Ein paar Beispiel villeicht überzeugt:

Polnische Architektin (47): arbeitet als Heimhilfe.
Afrikanerin (aus Togo?) (um 40) mit Doktorat in Int.Rechtswissenschaften, Englisch, Französisch,Spanisch, Deutsch, und mehreren Stammessprachen: tätig als Küchenhilfe.
Ungar, Elektrotechniker (34): Jobt als Aushilfskellner.
Tischlermeister aus dem Türkei (ca 45): jetzt Taxler.
Nuklear Mediziener, Nicaragua, Sturdierte in der USA (um 40) : Gelegenheitsjobs als Sanitäter.
Ukrainische Glasfasertechniker (um 30): Arbeitslos.
Slowakische Restaurator (27) 3 Jahre jobbte als Werbungsblattverteiler...Hat ein großartige Job bekommen in Prag!
Ungar, I. klassige Hundetrainer und Züchter und seine Frau (beide um 35).Jobbten als Magd und Kneckt in Burgenland...Auftrag kam aus England!
...uzw.

Gut und dann...?
30.07.2010 14:22
Ja wären Sie zur Strachetruppe gegangen dort kenne ich viele

Die nichts können aber mehr als 8000,- plus Spesen als Abgeordnete im Parlament verdienen.
Da wird man zum Freiheitlichen, ganz klar, egal um was es geht bei dieser Bewegung!

duke box
29.07.2010 22:41

das mit dem hundetrainer bricht mir das herz, so darf man nicht umgehen mit einer schlüsselarbeitskraft!

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