Arbeitshandschuhe "zum Teil erheblich mit Chromat belastet" - Einwandfreie Ware für Konsumenten nur schwer erkennbar
Eisenstadt - Arbeitshandschuhe sollten in erster Linie Schutz bieten - ein aktueller Test der Arbeiterkammer (AK) Burgenland hat nun aber gezeigt, dass man sich anstatt zu schützen, oft einer Gefahr aussetzt: Sechs von zwölf Produkten aus insgesamt sieben Baumärkten und Märkten seien "zum Teil erheblich mit Chromat belastet", sagte AK-Konsumentenschützerin Eva Schreiber heute, Dienstag bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Chromat könne "schon in geringen Mengen allergieauslösend wirken" - bekannt sei eine derartige Allergie als sogenannte "Maurerkrätze", so Schreiber.
Generell dürfte es das Problem in der EU laut der Konsumentenschützerin nicht geben, denn die Europäische Norm DIN EN 420 lege allgemeine Anforderungen an Schutzhandschuhen fest. Der Grenzwert für Chromat liege derzeit bei drei mg/kg Leder. Schreiber führt das schlechte Testergebnis auf "gravierende Mängel von der Herstellung bis zum Verkauf des Produktes" zurück.
Chromatallergie oder Maurerkrätze
Arbeitsmediziner Erich Pospischil vom Arbeitsmedizinischen Zentrum Mödling wies auf die Gefahren des erhöhten Chromatanteils in den Handschuhen hin: "Das sechswertige Chrom verursacht eben schwere Hautallergien und bei wiederkehrenden Expositionen tritt dann eine chronische Hauterkrankung auf, die im Fachjargon auch als "Maurerkrätze" bezeichnet wird."
Die Chrom- und Chromatbestandteile lösen sich bei Feuchtigkeit - etwa wenn man im Handschuh schwitzt oder wenn der Handschuh nass wird - aus dem Leder, "dringen in die Haut ein und verursachen dann die Allergie", erklärte der Experte. Kommt es zu oft zu einer Verwendung von derartigen Handschuhe könne man auch auf Chrombestandteile von Metallen allergisch reagieren, so Pospischil. Besonders bei Maurermeistern könne die Krankheit zu einer Berufsunfähigkeit führen.
Fehlende Kennzeichnung
Für den Konsumenten - egal ob Profi oder Hobbyhandwerker - sei beunruhigend, "dass sie beim Kauf so eines Produktes keine Chance haben zu erkennen, ob Chromat drinnen ist oder nicht." Auch der Herstellerhinweis sei kein sicheres Indiz, in vielen Fällen sei das Produkt überhaupt nicht gekennzeichnet. "Sie können sich auch an der Marke nicht orientieren. Es gibt von ein und der selben Marke Produkte die belastet sind, andere sind nicht belastet und auch der Preis ist kein sicherer Hinweis dafür, ob ich ein jetzt ein Produkt kaufe, dass chromatbelastet ist oder nicht", klärte Schreiber auf.
Beim Kauf von Arbeitshandschuhen raten Schreiber und Pospischil unbedingt auf eine "CE"-Kennzeichnung zu achten. Ist diese nicht auf den ersten Blick oder erst tief im Inneren des Handschuhs erkennbar, solle man besser vom Kauf absehen. Als Faustregel könne man sich an folgenden Merkmale orientieren: Je mehr Teile miteinander vernäht sind, desto besser und auch Baumwollfutter schütze vor einer direkten Berührung mit einem eventuell Chromat-belasteten Leder, sagte der Arbeitsmediziner.
Die AK fordert nun unter anderem den Handel auf, die Ware genau zu kontrollieren und jene mit Beanstandungen sofort aus dem Handel zu nehmen. Beim aktuellen Test seien vor allem Produkte, die in den Märkten Obi, Baumax, Hornbach und Zgonc gekauft wurden negativ hervorgestochen. "Wir haben die Firmen vor drei Wochen mit den Ergebnissen konfrontiert. Die einzige Firma die wirklich umgehend reagiert hat und zugesichert hat, die Produkte sofort aus dem Handel zu nehmen, war Baumax", so Schreiber. Trotz Zusicherung seitens Hornbach und Zgonc, das gleiche zu tun, habe man erst gestern, Montag bei einer Kontrolle die Chromat-belasteten Arbeitshandschuhe in den Märkten entdeckt. Von Obi habe es noch keine konkrete Stellungnahme gegeben. (APA)