"Maurerkrätze"

Gefährlicher Schutz für die Hände

27. Juli 2010 13:08
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    Foto: apa/oliver weiken

    Die Mängel angebotener Arbeitshandschuhe sind von der Herstellung bis zum Verkauf gravierend.

Arbeitshandschuhe "zum Teil erheblich mit Chromat belastet" - Einwandfreie Ware für Konsumenten nur schwer erkennbar

Eisenstadt - Arbeitshandschuhe sollten in erster Linie Schutz bieten - ein aktueller Test der Arbeiterkammer (AK) Burgenland hat nun aber gezeigt, dass man sich anstatt zu schützen, oft einer Gefahr aussetzt: Sechs von zwölf Produkten aus insgesamt sieben Baumärkten und Märkten seien "zum Teil erheblich mit Chromat belastet", sagte AK-Konsumentenschützerin Eva Schreiber heute, Dienstag bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Chromat könne "schon in geringen Mengen allergieauslösend wirken" - bekannt sei eine derartige Allergie als sogenannte "Maurerkrätze", so Schreiber.

Generell dürfte es das Problem in der EU laut der Konsumentenschützerin nicht geben, denn die Europäische Norm DIN EN 420 lege allgemeine Anforderungen an Schutzhandschuhen fest. Der Grenzwert für Chromat liege derzeit bei drei mg/kg Leder. Schreiber führt das schlechte Testergebnis auf "gravierende Mängel von der Herstellung bis zum Verkauf des Produktes" zurück.

Chromatallergie oder Maurerkrätze

Arbeitsmediziner Erich Pospischil vom Arbeitsmedizinischen Zentrum Mödling wies auf die Gefahren des erhöhten Chromatanteils in den Handschuhen hin: "Das sechswertige Chrom verursacht eben schwere Hautallergien und bei wiederkehrenden Expositionen tritt dann eine chronische Hauterkrankung auf, die im Fachjargon auch als "Maurerkrätze" bezeichnet wird."

Die Chrom- und Chromatbestandteile lösen sich bei Feuchtigkeit - etwa wenn man im Handschuh schwitzt oder wenn der Handschuh nass wird - aus dem Leder, "dringen in die Haut ein und verursachen dann die Allergie", erklärte der Experte. Kommt es zu oft zu einer Verwendung von derartigen Handschuhe könne man auch auf Chrombestandteile von Metallen allergisch reagieren, so Pospischil. Besonders bei Maurermeistern könne die Krankheit zu einer Berufsunfähigkeit führen.

Fehlende Kennzeichnung

Für den Konsumenten - egal ob Profi oder Hobbyhandwerker - sei beunruhigend, "dass sie beim Kauf so eines Produktes keine Chance haben zu erkennen, ob Chromat drinnen ist oder nicht." Auch der Herstellerhinweis sei kein sicheres Indiz, in vielen Fällen sei das Produkt überhaupt nicht gekennzeichnet. "Sie können sich auch an der Marke nicht orientieren. Es gibt von ein und der selben Marke Produkte die belastet sind, andere sind nicht belastet und auch der Preis ist kein sicherer Hinweis dafür, ob ich ein jetzt ein Produkt kaufe, dass chromatbelastet ist oder nicht", klärte Schreiber auf.

Beim Kauf von Arbeitshandschuhen raten Schreiber und Pospischil unbedingt auf eine "CE"-Kennzeichnung zu achten. Ist diese nicht auf den ersten Blick oder erst tief im Inneren des Handschuhs erkennbar, solle man besser vom Kauf absehen. Als Faustregel könne man sich an folgenden Merkmale orientieren: Je mehr Teile miteinander vernäht sind, desto besser und auch Baumwollfutter schütze vor einer direkten Berührung mit einem eventuell Chromat-belasteten Leder, sagte der Arbeitsmediziner.

Die AK fordert nun unter anderem den Handel auf, die Ware genau zu kontrollieren und jene mit Beanstandungen sofort aus dem Handel zu nehmen. Beim aktuellen Test seien vor allem Produkte, die in den Märkten Obi, Baumax, Hornbach und Zgonc gekauft wurden negativ hervorgestochen. "Wir haben die Firmen vor drei Wochen mit den Ergebnissen konfrontiert. Die einzige Firma die wirklich umgehend reagiert hat und zugesichert hat, die Produkte sofort aus dem Handel zu nehmen, war Baumax", so Schreiber. Trotz Zusicherung seitens Hornbach und Zgonc, das gleiche zu tun, habe man erst gestern, Montag bei einer Kontrolle die Chromat-belasteten Arbeitshandschuhe in den Märkten entdeckt. Von Obi habe es noch keine konkrete Stellungnahme gegeben. (APA)

Detailliertes Testergebnis http://www.akbgld.at

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13 Postings
Armes Würschtl
28.07.2010 16:05
Oh, und ich dachte schon, ich wäre auf Arbeit allergisch...

01052004
28.07.2010 15:29
nur bei "Maurermeistern" ???

lehrlinge und gesellen können von dieser tückischen allergie nicht befallen werden??? ja, wozu dann meister werden???

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
28.07.2010 10:51
Bitte, warum müssen gerade Arbeitshandschuhe bunt und giftig gefärbt sein?

Wenn sich jemand bunt und giftig gefärbte Kleidung für den Opernball kauft, dann mang das noch angehen, dort passt das hin.

Aber am Bau? Warum lässt man die Materialien nicht naturbelassen, sie wären dann menschen- und umweltverträglicher un man könnte sie obendrein billiger produzieren.

masse statt klasse
28.07.2010 13:09

chrom vi wird ja nicht für bunte farben, sondern zum gerben gebraucht.
gestern war auf arte eine sendung bezüglich zu sehen:
http://videos.arte.tv/de/videos... 34822.html

dermartino
28.07.2010 09:53

Hilft waschen dagegen?

Wenn es durch Wasser herausgelöst werden kann, könnte das doch sein, oder?

h 90
28.07.2010 15:34

auskochen und einfetten oder sind dann ganz hin???

Er staunt
28.07.2010 20:46

Viel simpler: einfach dünne Baumwollhandschuhe darunter anziehen und diese regelmäßig tauschen/waschen. So verliert man nicht das Griffgefühl, man schwitzt auch weniger und selbst wenn, löst man mit dem Schweiß nicht gleich so viel Schadstoff aus dem Leder heraus und selbst das ist dann noch lange nicht auf der Haut. Gibt's für 1-3 Euro pro Paar in jedem Bau- und vielen Supermärkten, hin und wieder auch mal 3-5 Paar als Sonderangebot um 3,50 bei Hofer und div. anderen Diskontern. Weiß oder beige/gräulich ungefärbt, hautfreundlich, angenehm zu tragen und absolut unkritisch beim Waschen. Was mit Socken in Schuhen schon lange gut funktioniert ist bei Händen in Handschuhen nicht viel anders ...

The Sailor
28.07.2010 08:21
Schuhe

Wie sieht's denn eigentlich mit Lederschuhen aus?
Die trägt man ja länger und öfter.

EINSZWO
27.07.2010 23:16
auch im Sport...

...auch bei Kletterschuhen ist dieses Problem bekannt. Diese kosten oft ein Vermögen (relativ zum Herstellungsaufwand) und sind trotzdem 'kontaminiert'...

m3k
27.07.2010 14:45
hier wäre halt ...

die gesetzgeberIn gefordert. kennzeichnung von hersteller, land, inhalten und so sachen, oder keine markterlaubnis.

trollvottel
27.07.2010 16:30

Es kommen viel mehr Produkte, als getestet werden können. Das meiste landet offenbar ungeprüft im Supermarkt.

trollvottel
27.07.2010 14:09

a) Leider kann man bei vielen Produkten nicht mehr das Herstellungsland sehen, sondern nur mehr den Importeur.

b) Billigmärkte wie Zielpunkt kaufen offenbar containerweise China-Schrott, den man schon auf fünf Meter Entfernung riecht. Hamburger Hafenarbeiter wurden beim Entladen von Containern vergiftet; man redet ganz offen davon, dass so gut wie alle diese China-Waren mit in Europa nicht mehr erlaubten Chemikalien verseucht sind.

c) Chinas Bauern dürfen Zeug verwenden, das hier seit den 1950ern verboten ist. Wieso um alles in der Welt darf Zielpunkt dann chinesisches Gemüse verkaufen?!

ein Pixel kommt selten allein
29.07.2010 15:43

Wirklich erschreckend ist, dass es genug Produkte gibt, die gefährlich und/oder schädigend sind, die aber von den Produzeten bzw. Händlern selten öffentlich gemacht werden. Zwar gibt es gelegentlich Hinweise auf den Herstellerseiten, aber wer schaut dort schon nach? Und das EU-Schnellwarnsystem RAPEX gibt es "nur" auf Englisch und kennt kaum wer ...
Aber wenn Sie sich dafür interessieren, könnten Sie einen Blick hierhin werfen, da gibt es seit kurzem in einem Privatprojekt die für AT und DE relevanten Warnungen gratis in deutscher Übersetzung: http://www.gracefulsoft.at/#menu=rapex

Da kann man wenigstens auf einen Blick sehen, ob man nicht grad zufällig unwissentlich mit 29g(!) Quecksilber am Arm spazieren geht ...

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