"Unbekannter Caravaggio" ist doch keiner

27. Juli 2010 16:53

Gemälde einer Laurentiusmarter aus dem Besitz des Jesuitenordens soll nun näher analysiert werden

Rom -  Ein Gemälde mit dem Titel "Das Martyrium des Heiligen Laurentius" wurde am Dienstag in der Jesuitenkirche Il Gesù in Rom enthüllt und vorschnell als unbekanntes Caravaggio-Werk eingestuft. Am Montag hatte die Vatikan-Zeitung "L'Osservatore Romano" einen früheren Bericht korrigiert, in welchem diese Zuschreibung erfolgt war.

Es sei ein sehr interessantes Gemälde, aber zunächst könne ausgeschlossen werden, dass es sich um einen Caravaggio handele, erklärte die Kunstbeauftragte Rossella Vodret. Das 183 mal 130 Zentimeter große Gemälde zeigt die Figur des Heiligen Laurentius, der der frühchristlichen Legende gemäß von seinen drei Henkern aufgespießt und auf einem Gitterrost verbrannt wird - das Sprichwort des "durch den Rost fallen" leitet sich davon ab.

In dem neuen Zeitungsbericht schrieb der Leiter der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci, das entdeckte Gemälde stamme keineswegs von Caravaggio. Die Qualität des in der Sakristei einer Jesuitenkirche in Rom entdeckten Gemäldes sei eher bescheiden. Bei der Enthüllung des Werks anwesende Kunstexperten und Kunstwissenschaftler waren sich einig, dass das Werk nicht nach einem Caravaggio aussehe, sondern nach einem Werk von "einem oder mehreren Schülern" des im Jahre 1610 gestorbenen Barock-Meisters.

Auch das keine korrekte Angabe: Carvaggio arbeitete bekanntlich weitgehend allein und hatte keine direkten Schüler - sehr wohl aber zahlreiche Nachahmer. Die aktuelle Zuschreibung spricht daher von einem "unbekannten neapolitanischen Maler".

Das Werk befindet sich im Besitz des Jesuitenordens und war bisher nicht der Öffentlichkeit zugänglich. Das Gemälde soll ab September mehreren Analysen unterzogen werden. Neben einer Untersuchung mit Röntgenstrahlen sollen Archivmaterial und Dokumente hinzugezogen werden, um die Herkunft des Kunstwerks zu ermitteln und das Bild einem oder mehreren Künstlern zuordnen zu können. (APA/apn/red)

tim tim
29.07.2010 14:42

das Sprichwort des "durch den Rost fallen" leitet sich davon NICHT ab.
sondern von den krematorien in den kz der nazis

hc.leitich @derStandard.at
29.07.2010 15:29

ist wohl ein sehr bekanntes beispiel für nazi-sprache. allerdings, wie häufig bei der zusammengestückelten ideologie, ist die redewendung weit älter, kommt v.a. aus der hinrichtungspraxis des mittelalters. googlen bringt einiges dazu, und es gab z.b. auch mal postings unter einem artikel zu politisch korrekter sprache http://derstandard.at/3070872/V... en?seite=4

schurlibub
28.07.2010 13:54

Hab ich mir gleich gedacht.

Plaats van Samenkomst
28.07.2010 20:37
Pfo, urg'scheit!

Plaats vin Samenkimst
29.07.2010 15:56
"Pfo, urg'scheit!"?

Sehr klug, das muß ich schon sagen!

füllhornkäfer
30.07.2010 12:37

immerhin, der schurlibub hat gedacht ;-)

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