Premier Cameron fordert EU-Beitritt der Türkei

27. Juli 2010 12:32

Gegner einer türkischen EU-Mitgliedschaft "voreingenommen "- Wirft Berlin und Paris "doppelte Standards" vor

Ankara - Der britische Premierminister David Cameron hat sich vehement für einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union (EU) ausgesprochen. Die Gegner einer türkischen EU-Mitgliedschaft seien voreingenommen und ließen sich durch Protektionismus leiten, sagte Cameron am Dienstag bei seinem ersten Türkei-Besuch seit seinem Amtsantritt im Mai. "Dies ist eine Sache, in der ich sehr leidenschaftliche Gefühle hege", sagte er in einer Rede vor der türkischen Handelskammer. "Ich will, dass wir zusammen eine Straße von Ankara nach Brüssel bauen."

Die EU ist tief gespalten, ob sie dem muslimisch geprägten Land eine Vollmitgliedschaft einräumen soll. Insbesondere in Deutschland und Frankreich bestehen große Vorbehalte gegenüber einem EU-Beitritt. Cameron kritisierte Berlin und Paris dafür, die Türkei "aus dem Klub auszuschließen" und warf den beiden Ländern "doppelte Standards" vor: Einerseits verlange man von Ankara, die Grenzen Europas als NATO-Mitglied zu sichern, auf der anderen Seite aber stelle man sich gegen einen EU-Beitritt. "Ich denke, es ist schlicht ungerecht, dass die Türkei zwar das Zeltlager verteidigt, aber nicht im Zelt sitzen darf", sagte Cameron laut der britischen Tageszeitung Guardian. Der Premier befindet sich auf einer viertägigen Reise in der Türkei und in Indien.

Ost und West

Die Türkei sei ein demokratischer, sekulärer Staat und gehöre daher in Europa willkommengeheißen. Die "Werte des echten Islam" seien nicht inkompatibel mit jenen Europas, betonte der Premier in Hinblick auf die großteils muslimische Bevölkerung des Landes - ein Europa, das sich über Werte definiere, nicht über Religion.

Cameron betonte die schlichtende Rolle, die die Türkei spielen könne, denn: "Anstatt zwischen Westen und Osten entscheiden zu müssen, hat die Türkei sich für Beides entschieden." Die Türkei als Vermittler könne in Europa auch zu mehr Sicherheit führen. So könne die Türkei ihre Beziehung zum Iran nützen, um Teheran vom Ausbau des Atomwaffenprogramms abzubringen.

Westerwelle: "Derzeit nicht beitrittsfähig"

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle, der am Dienstagabend ebenfalls in der Türkei erwartet wird, hatte zuvor in der "Bild"-Zeitung bekräftigt, die Türkei sei derzeit nicht beitrittsfähig: "Müsste die Frage heute entschieden werden, wäre die Türkei nicht beitrittsfähig und die Europäische Union nicht aufnahmefähig", sagte er gegenüber "Bild". "Wir haben aber ein großes Interesse daran, dass die Türkei sich Richtung Europa orientiert." Auch er räumte ein, dass das Land "bei der Lösung vieler Konflikte sehr konstruktiv helfen" könne.

Nach einem einstimmigen Beschluss der EU-Mitglieder wird seit 2005 über einen türkischen Beitritt verhandelt. Seitdem bemängelt die EU regelmäßig mangelnde Fortschritte bei demokratischen Reformen und bei Menschenrechten in dem Land.

Cameron beschrieb die Türkei als rasant wachsende Wirtschaftsmacht. Von einem Beitritt würden britische Unternehmen enorm profitieren, sagte er. Großbritanniens wichtigste Handelspartner sind derzeit die anderen EU-Länder, die allerdings deutlich geringere Wachstumsraten verbuchen. Das Volumen des britisch-türkischen Handels bezifferte Cameron mit derzeit knapp sieben Milliarden Euro im Jahr. "Ich will, dass sich diese Zahl in fünf Jahren verdoppelt", ergänzte er. (red/Reuters, derStandard.at, 27.7.2010)

Kommentar posten
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Roland Trestenburger
08.11.2010 14:15

dieser abgehobene von Polizei abgeschotterte in der Verwaltung soll sein Maul halten, weil die Übergriffe und Konflikte sind andere, die es ertragen müssen!!!

Promille Prolet
22.09.2010 10:43
Ist doch großartig

Die Teebeitln auf ihrem geostationären Flugzeugträger sind ja gar kein wirkliches EU-Mitglied, wollen auch keins sein. Sind nicht bei Schengen, sind nicht beim Euro, sind aber durch den "Britenrabatt" Nettoempfänger.

Der Cameron ist ein ganz schlauer, er spart bei den kleinen Leuten, der Sicherheit, den Sozialleistungen, aber den Bankmanagern wurden, NACHDEM banken vom Staat aus Steuergeldern ÜBERNOMMEN werden mußten, noch fette Boni bezahlt. Bravo.

Jetzt will er uns noch einen Nettoempfänger aufs Aug drücken, der alle Dimensionen sprengt, wahrscheinlich um uns genau so nachhaltig zu ruinieren wie den Irak, damit er selber nicht so arm ausschaut.

Promille Prolet
22.09.2010 10:31
ich bin dafür, nur mehr nettozahler aufzunehmen

Mostbluzza
17.08.2010 17:00
briten sehens geopolitisch

den türken bissl die eier schaukeln, beitreten wollen die gar nicht mehr. mit ru und iran kann man wohl besser verdienen und mehr weiterbringen.
der erdogan lässt sich auch nicht drohen von israel und den usa (keine waffenlieferungen mehr bis ..)

sollten die briten mit den amis gen iran ziehen und sich die türken ungemütlich verhalten ... wärs sehr ungemütlich. ich glaube that´s all. wie unten gesagt, phantomthema. 2015 hamma sicher andere sorgen

Mostbluzza
17.08.2010 16:47
ich mag ihn ja den cameron

er ein braver sparer usw.
in der aussenpolitik liegt er bissl daneben.
wünschen kann man sich ja viel, fordern ist eher schlecht, grad als schizophrener brite:

ich fordere ja auch nicht, auf staatskosten in den puff gehen zu können während alte leute verhungern und mit 80 nicht mehr ins krankenhaus dürfen ... ups

Einem Briten wurden Staatsgelder zugesichert, um Sex-Urlaub in Amsterdam zu machen. Der Grund: Der Mann leidet an einer Lernschwäche und hätte deswegen angeblich keine andere Möglichkeit, Frauen kennenzulernen. bild.de

Jan Sommer
16.08.2010 15:27
Was für ein Unsinn - offensichtlich hat man wieder

aus Washington gedroht der Bank von England das Handling von US Dollars zu verbieten!
js

tramtatam
02.08.2010 17:56
gleich und gleich gesellt sich gern.

Lösungsvorschlag:
Erdogan soll der Queen einen Heiratsantrag stellen.

so entsteht dann schnell und unbürokratisch die Osmanobritannien. Cameron kriegt dann seinen verdienten Vizier-Posten.

Oldsgone
02.08.2010 15:16
So einen

alten Schuh hab ich schon lange nicht mehr erlebt...
da sieht man wieder einmal das die briten immer mehr das spielzeug von den USA sind :(
(die den beitritt ja auch fordern) leider sehr tragisch weil man immer schwieriger mit Briten privat kommunizieren kann aufgrund dieser Unüberwindbaren differenzen :(

Superserbe
29.07.2010 18:18
da hat wohl die türkei wirtschafts- und entwicklungshilfe

an little britain versprochen ....

mfg

Jan Sommer
16.08.2010 15:28
Ja - aber nur für die Regierungsparteikasse !

js

Pepe Nero
29.07.2010 13:34
Ausgerechnet Großbritannien.

GB steht dem "europäischen Projekt" traditionell sehr reserviert gegenüber und wird sicher nie den Euro einführen.

Promille Prolet
22.09.2010 10:33
eben

und wie kann man den die eu besser sabotieren?

auchnixzusagen
28.07.2010 18:28

Der EU-Beitritt der Türkei wird nie stattfinden, aber nicht, weil es die EU verhindert, sondern weil es für die Regionalmacht Türkei gar nicht im strategischen Interesse liegt, in eine wie auch immer geartete EU-Außenpolitik eingebunden zu sein.

Von daher ist das Thema a) eine hochemotionale Phantomdebatte und b) ein Katalysator für Veränderungen in der Türkei selbst.

mehmetali erbil
28.07.2010 16:30
Moin

Es gibt in Island genau so viele Befürworter für den EU Beitritt wie es schwule Mädchen dort gibt.

Pepe Nero
29.07.2010 13:41

Auf entlegenen Wegen
In verregneten Städten
Nach vernebelten Feten
In zertretenen Beeten
An beschädigten Theken
Auf ungezählten Planeten
Im täglichen Leben
Könnt ihr schwulen Madchen begegnen

(Fettes Brot)

Nicolas Castillo
29.07.2010 10:20
wann ist der nächste Termin auf der Couch?

auchnixzusagen
28.07.2010 18:33

Haben Sie lange gebraucht, um sich diese Pointe auszudenken?

a grünes stricherl
 
28.07.2010 15:18
ich bin auch für einen türkeibeitritt.

die frage ist nur ob einerseits die EU sich einen derartig grossen nettoempfänger leisten kann,
und andererseits ob die türkei gewillt ist drei viertel der souveränität an das ferne brüssel abzugeben.

ansonsten spricht nur wenig gegen die türkei wenn sie alle nötigen kriterien erfüllt haben sollte, wie zb den truppenabzug aus einem anderen EU-Land. Minderheitenschutz nach europäischem system. amtssprache für jede relevante minderheit, echte religionsfreiheit usw.

würde mich über eine derart reformierte türkei im club sehr freuen.

ps. keine panik liebe europäer. die geburtenrate der türkei sinkt rasant, wie damals in italien. mittlerweilen liegt soweit ich weiss irland sogar drüber.

mehmetali erbil
28.07.2010 16:27
??

"wie zb den truppenabzug aus einem anderen EU-Land"

Welches EU Land denn bitteschön?

auchnixzusagen
28.07.2010 18:25

Zypern ist als gesamte Insel beigetreten, der EU-Rechtsbestand wird jedoch nur im Süden angewandt.

Kubilay Aslan
28.07.2010 22:14

Entweder Zypern ist als ganzes nicht beigetreten, weil die türkische Bevölkerung nicht mitgestimmt hat, der Beitritt also unwirksam oder nichtig, oder es ist nur die griechiche Seite beigetreten. Also ist türkisch Zypern nicht EU gebiet.

Ich kann ihnen versichern, dass das noch ein riesen Problem sein wird in ferner Zukunft. Da kann man es verpacken wie man will. Die fehlende Beteiligung der türkischen Zyprioten wird noch nachwirken auch wenn es eine wiedervereinigung geben wird.

auchnixzusagen
29.07.2010 10:14

De facto haben Sie recht, de jure leider nicht.

Kubilay Aslan
29.07.2010 11:44

de jure verstößt es gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker, waruf die EU doch sehr großen Wert legt.

Also auch de jure ist keine EU Gebiet in türkisch Zypern zu erkennen.

Das die EU dies so, ohne faktischen und juristischen hintergrund, verbreitet wird ihr kopfzerberechen bereiten.

Schon mal die Konstellation ausgedacht, wenn Zypern unabhängig bleibt und sich bei der Anerkennung durchzetzt....Dann hätte die EU einen Mitglied den sie ausschließt weil es Etnisch türkisch ist. So wie sie ihn gerade ausschließt weil es Ethnisch Türkisch bewohnt ist. Konfliktpotzenzial wo man nur hinsieht....

Früher oder Später werden EU Länder auf die Idee kommen die Nichtigkeit auch auszusprechen....

auchnixzusagen
29.07.2010 14:54

Tut mir leid, ich weiß wirklich nicht, was Sie mir sagen bzw. worauf Sie hinaus möchten. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur an Vokabeln wie "durchzetzen"...

Kubilay Aslan
29.07.2010 18:24

ganz simpel. Die Aufnahme ganz Zyperns unter Einschluss der türkischen Bevölkerung ohne diese zu beteiligen verstößt gegen EU Recht, wenn man der Meinung ist, dass Zypern als ganzes aufgenommen wurde.

Daher ist es auch juristisch rechtswiedrig zu behaupten, dass die ganze Insel Teil der EU sei.
Also nicht nur faktisch, sondern auch juristisch ist der türkische Teil der Insel nicht EU Gebiet.

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