Dennoch niedrigste Arbeitslosenquote im Bundesschnitt
Weiterbildung, das Streben nach einem möglichst hohen Bildungsgrad, gilt als das Credo für eine erfolgreiche Zukunft. Das stimmt. Doch während die allgemeinen Arbeitslosenzahlen im Angesicht der wirtschaftlichen Erholung sinken, steigen die Zahlen bei einer besonders gut ausgebildeten Gruppe, den Akademikern.
Im Juni lag die Arbeitslosigkeit bei Fachhochschulabsolventen um 7,9 Prozent höher als im Vergleichsmonat des Vorjahrs (auf insgesamt 1.209 Personen), bei Universitätsabsolventen stieg die absolute Arbeitslosenzahl um 8,4 Prozent gegenüber dem Juni 2009 an (auf insgesamt 8.700 Personen). Dies ist ein langfristiger Trend. Vergleicht man die Zahlen mit den Werten vor 10 Jahren, so stieg die absolute Zahl von Arbeitslosen mit Universitäts-, Fachhochschule- oder Akademie-Abschluss von 4900 Personen im Juni 2000 auf 11.094 Personen im Juni 2010.
Die meisten Studienrichtungen haben einen Anstieg der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Ein paar Ausnahmen: Studien der Bodenkultur (minus 1,4 Prozent), Lehramtsstudien (minus 15 Prozent), Mathematik (minus 11,5 Prozent), Internationale Wirtschaftswissenschaften (minus 20 Prozent), Philosophie (minus 20 Prozent) oder deutsche Philologie (minus 1,9 Prozent). Besonders stark stieg die Arbeitslosenzahl beispielsweise bei der Forst- und Holzwirtschaft (plus 90,9 Prozent), der Internationalen Betriebswirtschaft (28,0 Prozent) oder beim Bauingenieurswesen (39,0 Prozent).
Langfristiger Trend
Akademiker mussten in den letzten Jahren feststellen, dass ihre Jobs keinesfalls sicher sind. Langfristig gesehen entwickelten sich nicht alle Studienrichtungen gleich. Ein paar Beispiele: Während die Arbeitslosenzahl bei Medizin in etwa gleich blieb, erhöhte sich die Arbeitslosenzahl bei Betriebswirten von 358 im Jahr 2000 auf derzeit 1.073 Personen. Allein im letzten Jahr stieg diese Zahl um 6,7 Prozent an, wie Statistiken des AMS zeigen.
Besonders gravierende Verschlechterungen gab es im letzten Jahrzehnt für Absolventen der Publizistik. Hier stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten von 72 Personen auf 333 Personen an. Auch für Psychologen haben sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt verschlechtert, 2010 waren noch 167 Personen mit abgeschlossenem Psychologie-Studium arbeitslos, 2010 waren es rund 343 Personen.
Gute Chancen am Arbeitsmarkt
Obwohl sich die Bedingungen für viele Akademiker am Arbeitsmarkt verschlechtert haben, liegen sie im Vergleich noch sehr gut. Im Juni lag die Arbeitslosenrate der Akademiker bei 2,2 Prozent. Vor zehn Jahren lag die Arbeitslosenquote bei Akademikern noch bei 1,9 Prozent. Durchschnittlich waren im Juni 2010 5,8 Prozent arbeitslos, bei Pflichtschulabsolventen lag die Quote jedoch mit 15,5 Prozent rund dreimal so hoch wie im Bundesschnitt.
Alle Berufs- und Qualifizierungsgruppen gerechnet, sank die absolute
Arbeitslosenzahl im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent auf
212.753, vor allem bei Personen mit Pflichtschulabschluss
(minus 9,8 Prozent) und bei Personen mit Lehrabschluss (minus 10,4
Prozent) sank die Arbeitslosenzahl. Durchschnittlich waren im Juni 2010 5,8 Prozent arbeitslos, bei
Pflichtschulabsolventen lag die Quote jedoch mit 15,5 Prozent rund
dreimal so hoch wie im Bundesschnitt. (seb, derStandard.at, 27.7.2010)