Überwachungsstaat

Neuer Anlauf bei Vorratsdatenspeicherung

27. Juli 2010 16:00
  • Artikelbild

    Vorratsdatenspeicherung erinnert Kritiker  an den Film "V for Vendetta"

Neuer Gesetzensentwurf - Berufsgeheimnisträger sollen geschützt werden - Speicherdauer weiter sechs Monate

Infrastrukturministerin Doris Bures hat einen neuerlichen Anlauf unternommen, die EU-Richtlinie zur umstrittenen Vorratsdatenspeicherung umzusetzen. Ein am Montag eingebrachter Entwurf sieht etwa Ausnahmen für Berufsgeheimnisträger wie Ärzte, Anwälte, Journalisten und Seelsorger vor, bestätigte das Ministerium Medienberichte. Die Speicherdauer der Kommunikationsdaten orientiert sich weiter am unteren Limit von sechs Monaten.

Redaktionsgeheimnis

Mit den Änderungen sei man auf Kritik während der Begutachtungsphase an den Änderungen des Telekommunikationsgesetzes eingegangen, so ein Ministeriumssprecher. So sahen Journalistenvertreter das Redaktionsgeheimnis verletzt, Seelsorger und Anwälte fürchteten ebenso um vertrauliche Informationen. In einer sogenannten Robinson-Liste sollen nun die Betroffenen erfasst werden. In dem der APA vorliegenden Gesetzestext heißt es: "Das Redaktionsgeheimnis sowie sonstige in anderen Bundesgesetzen normierte Geheimhaltungsverpflichtungen (...) dürfen durch eine Auskunft über Daten gemäß den Bestimmungen in diesem Bundesgesetz nicht umgangen werden."

Sämtliche Verbindungsdaten von Internet-, Telefon- und E-Mail

Mit der Vorratsdatenspeicherung sollen sämtliche Verbindungsdaten von Internet-, Telefon- und E-Mail-Anwendern ein halbes Jahr lang gespeichert werden - und zwar bei allen Teilnehmern, ohne Vorliegen eines konkreten Tatverdachts. Damit können die Behörden künftig feststellen, wer, wann, wie lange, von wo aus, mit wem kommuniziert hat und welche Internet-Seiten er besucht hat. Verwendet werden sollen die Daten laut einer 2006 erlassenen EU-Richtlinie zur "Verfolgung von schweren Straftaten". Österreich hätte die Vorratsdatenspeicherung bis 15. März 2009 umsetzen sollen, was am fehlenden Konsens in der Regierung scheiterte. Mittlerweile läuft ein Vertragsverletzungsverfahren am Europäischen Gerichtshof.

Reaktionen

Nun will Bures erst einmal eine Verordnungsprüfung auf europäischer Ebene im September abwarten sowie Reaktionen von Justiz- und Innenministerium einholen. So kam zuletzt von dort der Wunsch auf, den Zugriff schon bei Delikten mit einer Strafdrohung ab einem Jahr Haft zu ermöglichen und Internet-Daten zumindest drei Monate lang auch zur Klärung von Copyrightverletzungen verwenden zu dürfen.

Bandion-Ortner über Bures nicht amüsiert

Pikiert hat Justizministerin Claudia Bandion-Ortner am Dienstag auf kolportierte Äußerungen von Verkehrsministerin Bures reagiert, wonach es für das Inkrafttreten der Vorratsdatenspeicherung noch Begleitgesetze aus dem Bereich des Innen- und Justizressorts brauche. Das Telekommunikationsgesetz falle eindeutig in den Zuständigkeitsbereich der Verkehrsministerin, so Bandion-Ortner in einer Aussendung: "Insofern bewerte ich alle Versuche, sich nunmehr auf andere Ministerien auszureden, als wenig seriös." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 222
1 2 3 4 5
mfgmfg
22.09.2010 19:45
Aus der Geschichte nichts gelernt?

Hätte man 1938 ein ähnliches Instrument gehabt, wäre der Widerstand noch perfekter ausgerottet worden.

Das sollten die Entscheider bedenken, auch im Lichte des europäischen Rechtsrucks...

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
02.08.2010 03:26
Diese "staatlichen" datenbegehrlichkeiten

lassen auf hemmungslose polizeistaatliche, wirtschaftliche(!) u. diktaktorische begehren eindeutig schliessen!
Change.

Erzmagier
29.07.2010 18:30

unabhängige Medien blablabla... Wann hört man solche News eigentlich im Fernsehen - NIE!

Forenknecht Gaizka van Urbsys
 
28.07.2010 20:30

treibt es nicht zu weit...! die menschen lassen sich nicht alles gefallen.

Andronikos III
 
29.07.2010 17:24

doch?

Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
28.07.2010 11:54
STOPP!

vermutlich unschuldig geltendes posting
28.07.2010 17:00
GESTOPPT!!!

nachtigaller
 
28.07.2010 11:48
Was ist los?

wie sehr muss der bürger den staat hassen und der staat dem bürger misstrauen, wenn so eine einschränkung der persönlichen freiheiten notwendig erachtet wird? welche freiheitsberaubungen (zb konsumationsverbote etc) rechtsordnungsbrüche (zb beweislastumkehr, schuld- anstelle von unschuldsvermutung) welche einschränkungen (vom reise- bis zum zahlungsverkehr) müssen wir uns noch bieten lassen? l'etat c'est qui???

Taran Seven
24.09.2010 22:00
Da hast du recht... der Staat als Ausführendes Organ der Konzerne misstraut dem Bürger, denn der Bürger ist ja nur der Arbeitssklave...

Jede Unzufriedenheit soll da bereits im Keim erkannt und erstickt werden... jeder Versuch den Konzernen die Profite zu reduzieren... usw.
Und die die ihnen keinen offensichtlichen Profit mehr bringen (AMS) sollen jetzt ja Zwangsarbeiter werden...
Hier geht es schleichend... beim letzten "Führer" ging es schell und direkt... aber man weiss ja nicht wann die, die das letzte Reich finanziert haben einen neuen Verrückten an die Macht bringen um das Volk zu entrechten und mit Krieg profit zu machen.

Lichtfreak
28.07.2010 11:38
Und ab wann braucht es einen Ausreiseantrag,

wenn man die EU verlassen möchte?

Darf man dann die ganze Familie noch mitnehmen?

Wird man als unbequemer Bürger zukünftig umerzogen oder rausgeworfen?

Fragen über Fragen zur DDR ähhhh 3. Reich ... ähhh China... neiiiin .... ahhh EU heisst das Ding!

Lichtfreak
28.07.2010 11:30
"Verfolgung von schweren Straftaten".

Mir wird übel, wenn ich sowas lese!

Wann wird es eine schwere Straftat sein, gegen das herrschende System zu schreiben und sei es nur die Wahrheit?

stefan strasser
 
28.07.2010 11:30

Ob es jetzt durchgeht oder nicht, alle Politiker, die so ein Gesetz unterstützen oder unhinterfragt beschliessen würden zeigen eindeutig wes Geistes Kinder sie sind und disqualifizieren sich damit selbst als "Volksvertreter". Sowas sollte man ihnen nicht vergessen!

Nachtsonne
30.07.2010 21:23
Wenn eine Richtlinie nicht rechtzeitig umgesetzt, ist, soweit möglich direkt anwendbar

Damit bekommt die Richtlinie Gesetzeskraft.
So kann ein Provider die Speicherungpflicht nicht entgehen, nur weil ein Inlandsgesetz nicht erlassen worden ist.

Piratenpartei
28.07.2010 11:24

"Ein am Montag eingebrachter Entwurf sieht etwa Ausnahmen für Berufsgeheimnisträger wie Ärzte, Anwälte, Journalisten und Seelsorger vor, bestätigte das Ministerium Medienberichte."

So ein Blödsinn.
Nur weil auf der Siete der Ärzte, Anwälte, Journalisten und Seelsorger nicht mehr abgehört wird, sind deren Gesprächspartner nicht davor gefeit.
Damit ist zB. der Informantenschutz genauso gefährdet wie ohne diese Ausnahme; man muss die Datenabfrage lediglich von der anderen Seite her aufziehen.

Man findet die IP-Adresse, Telefonnummer und Handynummer heraus und fragt die Gesamtdatenbank nach Verbindungen dorthin ab.

Die einzigen, die dadurch unbekümmert plaudern können, sind Ärzte, Anwälte, Journalisten und Seelsorger *untereinander*. Und das auch nur, wenn die Exekutive sich wirklich daran hält.

Wo die technischen Möglichkeiten vorhanden sind, wird es immer Missbrauch geben. Das werden nur Einzelfälle sein; vielleicht 100 oder 1.000 oder 10.000 Fälle im Jahr.
(vgl.: http://derstandard.at/3391080/H... en-pro-Tag )

Die VDS darf nicht eingeführt werden, egal ob mit oder ohne Ausnahmen.

Aux armes, citoyens
28.07.2010 11:23

Anon is watching orwellfags.

Stefan Egger | neuwal.com
 
28.07.2010 11:09
Die einzige Partei, die das in Österreich bekämpft...

...ist die PIRATENPARTEI. So absurd das klingen mag.
http://neuwal.com/index.php... tenpartei/

jokergirl
28.07.2010 11:54

Die einzige Partei, die das in Europa bekämpft, leider.

Wüstenfloh
28.07.2010 10:57
Eine bodenlose Frechheit......

...leider gilt unser schöner Satz in der Verfassung, wonach alle Macht vom Volk ausgeht, schon lange nicht mehr!

LLJK
28.07.2010 10:10

Theoretisch ist jeder öffentlich Bedienstete Geheimnisträger - Amtsverschwiegenheit und so.

Spiegel Eier und Pommes Frites
28.07.2010 09:33

neben der frage, ob wir eine datenspeicherung wollen (noch stellt das volk die politiker) ist doch: wer hat wann warum zugriff auf die daten. es kann doch nicht sein, dass jeder, der mal gerade lust hat, in den zuständigen behörden auf diese daten zurückgreifen kann. bedenken das unsere politiker eh?

Der Unkurze
28.07.2010 09:48

klar bedenken die politiker eben dies, ist doch ne gute einnahmequelle

Fritz wablhuber
28.07.2010 09:20
der Frosch im Kochtopf

"Österreich hat die Richtlinie aber bis heute nicht umgesetzt"
Und wie kann dann die Richterin die Tieraktivisten nach jedem Satz ihrer Emails befragen? Der Akt besteht aus 22000 Seiten! Und bei dem ehemaligen Finanzminister wird alles unternommen, um alles geheim zu halten.
Das, was man befürchtet könnte wieder passieren, ist schon längst da.

Ost wind 7
28.07.2010 11:25
"Österreich hat sie aber bis heute nicht umgesetzt"

Absolut richtig. Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Brecht)

Dalien
 
28.07.2010 09:36
sylvia29
28.07.2010 09:22
wobei

bei der vds gehts um verkehrs- nicht inhaltliche daten.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 222
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.