Vizepräsident Machado schraubt Reformhoffnungen zurück
Havanna - Die kubanische Regierung hat Hoffnungen auf
Reformen seiner sozialistischen Wirtschaft erneut eine Absage
erteilt. Bei den zentralen Revolutionsfeiern in Santa Clara erklärte
Vizepräsident Jose Ramon Machado am Montag, die Regierung setze ihre
Arbeit "ohne Improvisationen" fort. In Santa Clara, 270 Kilometer
östlich von Havanna, sind die Gebeine des Revolutionshelden Ernesto
Che Guevaras beigesetzt, der dort am Ende der 1950er Jahre einen
entscheidenden Sieg errungen hatte.
Zum ersten Mal ergriff Machado anstelle von Präsident Raul
Castro
das Wort. Revolutionsführer Fidel Castro war auch dieses Mal nicht zu
der Feier nach Zentralkuba gereist. Am 26. Juli 1953 hatte mit dem
allerdings gescheiterten Angriff auf die Moncada-Kaserne in Ost-Kuba
die kubanische Revolution begonnen.
"Wir werden weitermachen mit dem Studium, der Analyse und dem
Fällen von Entscheidungen", sagte Machado (79). "Diese werden dazu
führen, dass wir unsere Defizite überwinden und unsere Gesellschaft
perfektionieren." Kuba werde ohne "populistische, demagogische und
verlogene" Lösungen agieren. "Wir werden uns nicht von Kampagnen der
ausländischen Presse leiten lassen", fügte der Mitstreiter der
Castros aus der Revolutionszeit hinzu.
Kuba ist in den vergangenen Jahren in eine schwere
Wirtschaftskrise gestürzt. Die Regierung macht dafür vor allem die
Weltwirtschaftskrise, das seit Jahrzehnten verhängte
Wirtschaftsembargo der USA und Unwetterkatastrophen verantwortlich,
die vor zwei Jahren die Insel verwüstet hatten. Die Opposition
dagegen kritisiert die kommunistische Planwirtschaft und verlangt
wirtschaftliche und politische Reformen.
Am Wochenende kamen in Kuba Gerüchte auf, dass Fidel Castro zum
ersten Mal, seit er 2006 krankheitsbedingt die Führung an Raul
übertragen hatte, wieder an einer großen öffentlichen Veranstaltung
teilnehmen würde. Am Samstag war er in der Ortschaft Artemisa in der
Nähe von Havanna erschienen, um dort die gefallenen Mitstreiter der
Revolution zu ehren. (APA/dpa)