Kopf des Tages

Pedantischer Exekutor des Khmer-Terrors

26. Juli 2010, 22:27
  • Artikelbild
    foto: reuters/eccc

Duch ist Kambodschas erster verurteilter Kriegsverbrecher

Von der "Banalität des Bösen" sprach Hannah Arendt 1961 beim Prozess gegen Adolf Eichmann, und mehrere Kommentaren haben beim Prozess gegen Kaing Guek Eav, der als "Genosse Duch" Folterchef der Roten Khmer wurde, den Vergleich mit dem NS-Massenmörder gezogen.

Anders als der Organisator der Judenvernichtung hat der heute 67-Jährige vor Gericht Reue gezeigt. In den Siebzigerjahren leitete er die berüchtigste Haftanstalt des Khmer-Regimes und war für die Folter und Ermordung von mindestens 15.000 Menschen verantwortlich. Aber was Duch wirklich bewegt hat, an einem der schlimmsten Verbrechen nach 1945 teilzunehmen, wurde weder im Prozessverlauf in Phnom Penh noch durch das Urteil erklärt. Bloß sein fanatischer Blick sprach für viele Prozessbeobachter Bände.

Duch war ein begabter Mathematikstudent aus der Provinz, der sich in den Sechzigerjahren den maoistischen Rebellen in Kambodscha anschloss. Er ging in den Untergrund, wurde verhaftet und später amnestiert. 1975 marschierte er an der Seite von Pol Pot in der Hauptstadt ein.

Eigentlich wollte er wieder Mathematik unterrichten, sagte er vor dem Uno-Sondertribunal aus, oder zumindest im Aufbau der Industrie tätig sein. Stattdessen machte ihn Pol Pot zum Henker.

Loyal führte Duch jeden Befehl seines Chefs im Folterzentrum Tuol Sleng ("S 21") mit kalter Präzision aus. Zuerst wurden die Häftlinge gequält, um Geständnisse und Denunziationen aus ihnen herauszupressen, dann wurden sie nächtens ermordet. Selbst prominente Rote Khmer waren darunter, wenn Pol Pot es befahl. Mit einer Pedanterie, die an Eichmann erinnerte, führte er Buch über Opfer und Foltermethoden.

Er wollte seine Position halten und überleben, gab Duch zu Protokoll. Er selbst habe keine Befehle gegeben, sondern nur empfangen. Hätte er nicht gefolgt, wäre er selbst dran gewesen.

Nach dem Sturz des Terrorregimes durch die vietnamesische Invasion 1979 tauchte Duch unter und wurde nach dem Tod seiner Frau zum wiedergeborenen Christen. 1999 enttarnte ihn ein Fotoreporter an der Grenze zu Thailand, wo er für eine christliche Hilfsorganisation arbeitete. Er wurde festgenommen und sitzt seither im Gefängnis. Erst 2007 folgte die Anklage.

Von den 35 Jahren Haft, zu denen er am Montag als erster der angeklagten Khmer-Spitzenfunktionäre verurteilt wurde, muss Duch nur noch 19 absitzen. (Eric Frey/DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2010)

peter purzel
20
27.7.2010, 13:33
Wie wunderbar zivilisiert...

...dass die überlebenden Opfer oder deren Nachkommen nun noch viele Jahre für die kostenlose Unterbringung dieses viehischen Menschenschinders bezahlen dürfen.

trollvottel
02
27.7.2010, 13:58

Immerhin wesentlich zivilisierter, als wenn fette, vollgefressene, in Sicherheit und Wohlstand aufgewachsene Europäer für ausländische Mörder nach der Todesstrafe johlen - obwohl wir Europäer, und zwar gerade und besonders hier in Österreich, unsere eigenen Massenmörder allzuoft unbehelligt ließen.

minus maius
00
27.7.2010, 11:28

Was heißt da Kriegsverbrecher? Völkermörder!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.