Das Versagen des Krieges

26. Juli 2010, 19:52

Die Öffentlichkeit ist über die tatsächliche Lage in Afghanistan getäuscht worden

Es gab so viel Hoffnung in diesen Tagen: dass der mehr als zwei Jahrzehnte andauernde Krieg zu Ende und die Sicherheitslage so sein würde, dass man sich überall wieder auf die Straßen trauen könnte. Dass die Taliban geschlagen und die neue Regierung unter Hamid Karsai das Land zu wirtschaftlicher Prosperität führen würde, Frauen wieder ohne Burka auf die Straße gehen könnten und alle Menschenrechte bekämen.

Von der Zuversicht, die sich damals, Mitte Dezember 2001, in den Straßen Kabuls und im ganzen Land ausbreitete, ist nicht mehr viel übrig. Weder in Afghanistan noch im Westen. Es hat weder Hamid Karsai die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt noch die westlichen Streitkräfte. Was als überschaubare Mission geplant war, ist zu einem unüberschaubaren Krieg geworden.

Die jetzt an die Öffentlichkeit gelangten Dokumente zeigen ein ungefiltertes Bild der Lage am Hindukusch. Sie bestätigen das, was kein führender Militär offiziell sagen würde, wovon aber Dokumentationen wie jene der BBC über den Afghanistan-Einsatz und Streifen wie der oscargekrönte Film The Hurt Locker ein Bild zeichnen: Die Angst von Soldaten wird deutlich, die auf Menschen schießen, bevor klar ist, ob es sich überhaupt um Angreifer handelt. Es wird ersichtlich, wie alleingelassen sich diese jungen Männer und Frauen fühlen - in Afghanistan und im Irak gleichermaßen. Sie zeigen das Versagen des Krieges.

Dass es am Tag nach der Veröffentlichung der Dokumente weder vom Weißen Haus noch von der Nato eine Stellungnahme zum Inhalt gab (nur eine Sprachregelung zur Diffamierung von Wikileaks), ist Bestätigung genug. Jawohl, es gab mehr zivile Opfer als bisher bekanntgegeben. Und mehr Pannen bei Geheimoperationen als bisher veröffentlicht.

Was auch immer sich die Strategen in den USA, Brüssel und Kabul nun einfallen lassen: Die Glaubwürdigkeit ist dahin. Wie will man im Nachhinein erklären, dass eine Spezialeinheit seit Jahren offenbar erfolglos Jagd auf die Taliban macht? Wie will man rechtfertigen, dass die Zusammenarbeit mit pakistanischen Behörden offiziell gelobt wird, dann aber bekannt wird, dass der pakistanische Geheimdienst der "vermutlich wichtigste außerafghanische Helfer der Taliban" ist?

Die Öffentlichkeit ist über die tatsächliche Lage nicht umfassend informiert worden. Deutschland stellt das drittgrößte Truppenkontingent in Afghanistan, und in Berlin traut man sich erst seit kurzem, offiziell von einem Kriegseinsatz zu sprechen. Bisher hieß es, dies sei ein friedensschaffender Einsatz, die Soldaten zur Sicherung des zivilen Aufbaus abkommandiert. In den Niederlanden ist jüngst die Koalition am Streit über den Afghanistan-Einsatz zerbrochen.

Die Kritik an dem riskanten Einsatz wird in allen beteiligten Ländern zunehmen. Für die Nato, die nach dem Ende des Kalten Krieges ihre Rolle in einer Art Weltpolizei sah, stellt sich damit auch die Legitimitätsfrage. Selbst wenn offiziell Durchhalteparolen verbreitet werden, so ist doch längst klar: Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen. Es werden Parallelen zum Vietnamkrieg deutlich: 1971 hat ein US-Gericht die Veröffentlichung geheimer Dokumente über die Lage in Vietnam erzwungen, inzwischen sorgt das Internet für Transparenz.

Doch auch nach einem Rückzug der Militärallianz bleibt die Frage, welche Hoffnungen es für die Menschen in Afghanistan überhaupt noch gibt. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2010)

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Donald Kerabatsos
01
30.7.2010, 16:42
Das Versagen des Journalismus.

lettermann
 
00
27.7.2010, 20:50
Die ganze Welt ein KrisenherdGewalt löst keine Probleme sondern schafft nur neue

Es ist traurig das die Menschen aus ihrer Geschichte
nichts lernen.Es ist leicht einen Streit(Krieg)zu beginnen
aber unverhältnismäßig schwerer in zu beenden.Wir haben immer noch nicht gelernt unsere Konflikte gewaltfrei auszutragen und werden es wohl nie lernen.
Jeder Angriff zieht Vergeltung nach sich und jede Vergeltung wiederum einen Angriff.
Hass und Misstrauen ziehen sich über Generationen und sind ewiger Zündstoff für neue Auseinandersetzungen.
Anspruch auf Rechtmäßigkeit hängt von der Sichtweise der Beteiligten ab und steht zueinander
im Gegensatz Der tatsächliche Beginn eines Konfliktes liegt meist lange vor Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzung
und dort wäre die Lösung möglicherweise einfacher.
Hoffnung stirbt zuletzt

RaptorCry
21
27.7.2010, 18:20
Ich möchte ja nicht zynisch klingen,

aber das Problem das die NATO Staaten heute in ihren Kriegen haben, ist, dass sie diese nicht als solche sehen wollen, der Realität aus dem Weg gehen, der Öffentlichkeit einen "sauberen" militärischen Einsatz präsentieren wollen. Aber das ist leider nicht möglich, Kriege sind etwas furchtbares, leidvolles und vor allem blutiges. Aber sie sind nunmal immer wieder eine zwingende Notwendigkeit, und dann müssen wir eben mit Zivilopfern und toten Soldaten leben können. Man kann sie, im Falle dieses Gegners sowieso, nicht gewinnen wenn man versucht sie sauber zu führen.

R. M.
00
27.7.2010, 17:43
Sollten wir jetzt überrascht sein?

Sunzi sagt: Jede Kriegsführung beruht auf Täuschung.

ma-cher
 
02
27.7.2010, 17:37
Krieg IST das endgültige Symptom von Versagen.

Nataraja
00
27.7.2010, 17:27

ist Krieg nicht immer Blendwerk?

Begriff
Das Wort „Krieg“ bedeutet ursprünglich „Hartnäckigkeit“, „Anstrengung“, „Streit“. Das Verb „kriegen“ heißt einerseits „Krieg führen“, andererseits „bekommen, erhalten“: Dies kann Herkunft und Charakter dieser kollektiven Gewaltanwendung anzeigen. Auch wo andere Kriegsanlässe im Vordergrund stehen, fehlt selten ein ökonomischer Hintergrund.

In Sanskrit bedeutet "Krieg" ich will mehr Kühe

Saddams Onkel
 
40
27.7.2010, 17:25
Das hat doch überhaupt nichts damit zu tun, dass der "Krieg versagt"!!!

Es liegt einfach daran, dass die internationale Gemeinschaft VIEL ZU WENIG Anstrengungen unternimmt! Es gibt viel zu wenig Soldaten, viel zu wenig Aufbauhelfer, viel zu wenig Geld und außerdem viel zu wenig Druck auf die Regierung in Kabul das richtige zu tun und viel zu wenig Druck auf Pakistan und Iran, sich dort einfach nicht mehr einzumischen!!!

Mit dem Krieg selber hat die desolate Lage sicher nichts zu tun!

tarte tatin
00
27.7.2010, 22:41
"Mit dem Krieg selber hat die desolate Lage sicher nichts zu tun!"

sagenhaft, sie meinen sowas wohl auch noch ernst.

aber was soll ich noch sagen, für sinnlose kriege sind sie eh der experte...

Saddams Onkel
 
00
28.7.2010, 11:57
"sinnlose" Kriege! Der Witz ist gut! Anscheinend gehören Sie zu jener Spezies, die gerne schnell vergisst

1) möchte ich Sie daran erinnern, dass der Krieg in Afghanistan von der Sowjetunion vor 30 Jahren losgetreten wurde und sich in den 90ern kein Mensch um das Land weiter gekümmert nachdem die Sowjets wieder abgezogen waren. Es geht also in Afghanistan um den längst nötigen Wiederaufbau des Landes. Und der ist viel zu schwach, weil sich die Staatengemeinschaft überhaupt nicht einig ist!

2) Und??? Schon 11/9 vergessen? Wollen Sie warten bis die Islamisten eine halbe Stadt in Schutt und Asche legen, weil sie den Westen mit seiner Freiheit und den Nachtklubs nicht ertragen können????

Ich bin froh, dass diese Islamisten "bei ihnen zu Hause bekämpft" werden damit sie nicht (mehr) zu uns kommen und U-Bahnen sprengen!

einen Schritt vorwärts zur Hintertüre hinaus
10
27.7.2010, 16:41
Gegenflieger
00
27.7.2010, 16:15
Jedem

Nur die Dummen ließen sich täuschen,jedem mit verstand wurde klar das sich dort ein Desaster abzeichnet und nichts vorwärts ging.

litera:a
30
27.7.2010, 16:04

inwiefern ist die öffentlichkeit getäuscht worden?

krieg ist täuschung pur, also net soviel palavern ... machen

johann potakowskyj
 
29
27.7.2010, 14:25
Sehr geehrte Frau Alexandra Föderl-Schmid

Sie sind vielleicht getäuscht worden, ich aber niemals.
Haltens mich nicht für so deppert!

Queen of Sheba
 
09
27.7.2010, 14:13
Dass über einen Krieg gelogen wird - damit konnte ja wirklich niemand rechnen !

Linus Tintifax
02
27.7.2010, 13:29
frau föderl-schmid hat da was übersehen

usa und eu wollen dort nicht weg. zu wichtig ist die strategische bedeutung, zu reich das land an erzen...außerdem gilt für krieg - selbst wenn er tatsächlich gut gemeint und sogar uneigennützig sein sollte - folgender bekannte spruch ganz besonders: es wird immer schlimmer bevor es besser werden kann.

GOTT (himself)
15
27.7.2010, 13:24
Es wird prinzipiell einmal Zeit, dass die USA und Europa anerkennen, das

es Gemeinschaften auf diesem Planeten gibt, die keine westlichen Werte haben wollen.
Punkt. Aus. Basta.

Und die Clangesellschaften in Afghanistan oder auch auf der arabischen Halbinsel gehören definitiv dazu.

Dort gibt es exakt zwei Möglichkeiten: Alles, inkl. der Zivilbevölkerung, niederbomben oder Finger weg.

Und Bomben waren immer schon der schlechtere Weg...

litera:a
01
27.7.2010, 16:06

es geht doch net um's missioniern, ROHSTOFFE heisst der slogan

GOTT (himself)
01
27.7.2010, 16:46
Sind aber teure Rohstoffe, auf dauer.

Denn nicht jeder Krieg wird so billig und voller Beute sein, wie der gegen den Irak.
So gesehen kam Afghanistan vielleicht zur rechten Zeit um weiteren Allmachtsplänen einen Riegel vor zu schieben.

litera:a
00
27.7.2010, 17:14

deswegen ächzt der westen ja schon. nix in sichtweite und die kohle brennt schon.

black jack
55
27.7.2010, 15:27

GB und USA hätten anerkennen sollen, dass Deutschland 1933 sich für ein nationalsozialistisches und antidemokratisches System entschieden hat und diese Entscheidung respektieren sollen!

Wie würden wir heute leben? In den 1930ern war es ua Mehrheitsmeinung in Deutschland, dass die Deutschen nicht demokratisch regiert werden könnten, weil dies Chaos bedeutet.

Aber gut: brechen wir den Stab über die Menschenrechte der Menschen, die nicht zu unserer Kultur gehören. Überlassen wir sie den Taliban. Diese "anderen" Kulturen sollen in ihrem veralteten Unrechtsregime verharren und die Menschen aus diesen Kulturen, die dieses System ändern wollen, sollen von ihren Führern umgebracht werden. Das geht uns nichts an ...

Unzensuriert
02
27.7.2010, 17:18

wie kann man sich fuer ein antidemokratisches system "entscheiden". da liegt ja ein widerspruch in sich. GB und USA traten auch nicht aus systemerhaltenden oder bekaempfenden gruenden in den krieg ein, sonder weil deutschland ueber seine grenzen hinaus (wie hierzulande "demokratisch" sanktioniert) aggressionspolitik, auch u. v.a. mit kriegerischen mitteln betrieb. zwischen der machtergreifung 33 und der kriegserklaerung 39 vergingen im falle von GB und F sechs jahre. und die USA haben nazideutschland den krieg NIE erklaert. deutschland war es, die den USA den krieg erklaerten. USA hat ueber jahre zugesehen, wie (neben den greueln der nazis) halb europa unterging und england mit dem messer an der kehle ums nackte ueberleben kaempfte.

ricko
21
27.7.2010, 17:49

und diesmal sehen sie nicht mehr zu

ricko
20
27.7.2010, 16:36

ich gebe ihnen recht und ich garantiere ihnen, die merhheit in AUT auch. aber heir sind sie im austro-taliban forum, ein kollektiv aus halbstarken anti-imps. lassen sie sich nicht aergern!

Igor Gassner
01
27.7.2010, 16:35
Darüber könnte man viel sagen

das es den II WK so und so gegeben hätte weil er ins wirtschaftliche Konzept passte wäre das Andere.

Igor Gassner
01
27.7.2010, 16:34
Darüber könnte man viel sagen

unter anderem dass der deutsche Wiederstand dann vieleicht erfolgreich gewesen wäre wenn derWesten ein wenig mehr Rückgrad gezeigt hätte.

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