"Arcana"

Musiklaboratorium zwischen Berggipfeln

26. Juli 2010, 18:31
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    foto: felix oswald

    Neue Erkenntnisse aus neuer Musik: Peter Oswald.

Das neue Festival für zeitgenössische Musik im Gesäuse

St. Gallen / Gesäuse - Arcana, so heißt eines der beiden Orchesterwerke von Edgar Varèse, des großen, noch immer zu wenig bekannten Visionärs neuer Klänge. Auf seine Weise ein Visionär ist auch Peter Oswald, der ehemalige Intendant des Klangforum Wien, des Grazer Musikprotokolls und des Steirischen Herbsts, der mit Kairos Music auch eines der wichtigsten Neue-Musik-Labels (gemeinsam mit seiner Gattin Barbara Fränzen) betreibt.

Das neueste Projekt des umtriebigen Musikmanagers, das im Rahmen der Regionale10 stattfindende Arcana-Festival, entführt in "eine der magischsten Regionen Europas" (Oswald).

Das steirische Gesäuse ist für den gebürtigen Vorarlberger, wie er dem Standard erzählte, "ein Ort, der in seiner Abgeschiedenheit noch nicht vom Tourismus zu Tode ruiniert wurde. Es ist traumhaft, dort einfach die Ruhe zu genießen, zu wandern oder bergzusteigen - es ermöglicht ein einmaliges Ferienprogramm abseits der fernen Destinationen."

Hier wandert das Festival zwischen fünf Veranstaltungsorten und wirbt um Hörer von Nah und Fern. Oswald:"Wir treten an, um in einer ländlichen Gegend eine Mischung aus regionalem, überregionalem und internationalem Publikum zu packen. Es ist ein wichtiges Zeichen, den Menschen neue Musik nahezubringen, um daraus neue Erkenntnisse gewinnen zu können."

Wichtiger als die Jagd nach Novitäten - Arcana möchte dezidiert kein Uraufführungsfestival sein - ist es Oswald, "Fäden von einem Konzert zum nächsten zu spannen, sodass jemand, der mehrere Veranstaltungen miterlebt, die Kontexte zwischen ihnen erkennen kann". In diesem Zusammenhang ist Peter Oswald auch die Vermittlung ein Herzensanliegen:Vor sämtlichen Konzerten, in denen Musik von Peter Ablinger bis Hans Zender zu hören sein wird, gibt es eine Einführungsveranstaltung.

Sterne, Nebel und Galaxien

Vermittlung geschieht aber auch noch in anderer Hinsicht: "Ein fundamentaler Bestandteil des Konzepts ist unser Education-Project, an dem Mitarbeiter des Autozulieferers Georg Fischer, mit 600 Arbeitsplätzen der größte Arbeitsgeber der Region, teilnehmen. Die Firma war auch in Zeiten der Krise sehr kooperativ und ist mit 20 Mitarbeitern dabei."

Von Sternen, Nebeln und Galaxien ... heißt das "kreative Musikprojekt", wo ausgehend von Iannis Xenakis' Pléïades über mehrere Wochen hinweg eine neue Komposition erarbeitet wird - "vom Stapelfahrer bis zu drei Popmusikern". Alle einzubinden könnte auch das Motto insgesamt lauten, wenn Oswald lebhaft schildert, wie er "von der Volksschule bis zur Feuerwehr immer wieder offene Menschen kennengelernt" habe. Um "Erforschen und Entdecken" geht es aber nicht nur beim Vermittlungsprogramm, sondern auch bei einem begleitenden Symposion, das wieder nach eigenen, im Wissenschaftsbetrieb nicht gerade üblichen Spielregeln ablaufen wird, wie Oswald erklärt:

"Es soll nicht so sein, dass jeder mit dem fertigen Vortrag kommt, sondern es soll Begegnungen zwischen Wissenschaftern und Künstlern ermöglichen, die miteinander und mit dem Publikum ins Gespräch kommen können." Im "Arcana Laboratorium" wird die Frage aufgeworfen, wie zeitgenössische Musik vom Gehirn verarbeitet wird - und jene, wie Künstler innovativ werden. (Daniel Ender, DER STANDARD/Printausgabe, 27.07.2010)

28. 7. bis 8. 8.

Die Gezeichneten
00
27.7.2010, 13:05

Edgar Varèse ist bei uns tatsächlich noch sehr unbekannt. Sein Orchesterwerk "Amériques" für sehr großes Orchester ist ein Meilenstein und gefällt mir z.B. sehr gut. Ebenso das Werk "Jonchaies" von Xenakis.

living reef
00
27.7.2010, 09:47
"ein Ort, der in seiner Abgeschiedenheit noch nicht vom Tourismus zu Tode ruiniert wurde. Es ist traumhaft, dort einfach die Ruhe zu genießen, zu wandern oder bergzusteigen..."

und darum machen wir dort auch ein festival, damit der tourismus angekurbelt wird....?

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