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Die vertrauensbildenden Maßnahmen reichen nicht aus, um eine dauerhafte Beziehung zu ergeben: Annette Dasch (als Elsa) und Jonas Kaufmann (als Lohengrin).
Wer - womöglich werden es vier Regisseure sein - den nächsten Ring des Nibelungen in Bayreuth (2013) inszenieren wird, sagen die Wagner-Schwestern Eva und Katharina nicht. Sicher ist nur, dass alle Teile von Siemens live ins Freie übertragen werden. Neuerung in Bayreuth bedeutet unter dem frischen Leitungsduo zunächst wohl den Versuch, eine Nachfrage populär und symbolisch zu bedienen, der man eigentlich nicht gerecht werden kann.
So helfen Podcasts, Kinderoper auf der Probebühne und heuer eine Walküre-Vorstellung für die geneigten Public-Viewing-Massen unter freiem Himmel (21. August), Öffnung und Auffrischung zu signalisieren. Man ist ja jedes Jahr so an die achtfach überbucht, für Karteninteressenten auf Jahre hin also eine uneinnehmbare Burg. Man könnte locker auf Saisonbetrieb umschalten und wäre immer noch voll. Aber nicht mehr Bayreuth. Es ist ja alles sehr kompliziert und vor allem teuer hier.
So wundert es nicht, dass Katharina Wagner (quasi die Außenministerin der Festspiele, während Eva Wagner-Pasquier eher im Bayreuther Inneren wirken soll) jede vorgeschlagene Idee an den Wunsch knüpft, Sponsoren zu finden. Auch beim Vorhaben, 2013 selbst die Frühwerke Wagners aufführen zu lassen.
Komödiantischer Aspekt
Immerhin: Für putzig-lustige Ratten ist in Bayreuth noch ausreichend Geld. Hans Neuenfels hat sich solche ja gewünscht; er denkt sich Wagners Lohengrin in ein Labor hinein, in dem ein Experiment um Vertrauen, Macht und neue Ordnung stattfindet. Da sind Laborratten nicht mehr fern. Mit ihnen bringt Neuenfels zunächst einen auch kindlich-komödiantischen Aspekt in seine abseits der Mäuse die Beziehungen der Menschenfiguren überwiegend genau gestaltende Inszenierung, der Reinhard von der Thannen helle geometrische Räume gebaut hat.
Zum anderen bieten sie Neuenfels Schutz gegen jegliches Überpathos. Und sie geben dem Chor jenen gestischen Freiraum, um als brabantische Mäusevolkmassen einen schillernden Unruheherd zu bilden. So werden die Tierchen, die schließlich langsam zu Menschen mutieren, bevor sie allesamt umfallen, zum szenischen Dauergag, der gleichermaßen Wut provoziert wie sympathieerfüllte Publikumsheiterkeit.
Neuenfels hat also seine Freude daran, Rezeptionsklischees zu unterlaufen (hilfreich auch das Ordnung schaffende Laborpersonal in Schutzanzügen). Und obwohl dies ganze Mäuseballett etwas von einer allzu verspielten Gedankenkonstruktion hat, umgeht der Regisseur keinesfalls den schmerzvollen Teil der Geschichte. Elsa (hohe Präsenz plus ein paar vokale Unsicherheiten: Annette Dasch) ist hier gleich zu Beginn eine von Pfeilen durchbohrte Angeklagte, die schließlich ihrem Retter die Identitätsfrage nicht erspart und am Ende wie eine Witwe schwarze Resignation trägt.
Dazwischen wird sie in einer Vitrine ins Labor geschoben, oder sie trägt ein Kleid aus Schwanenfedern. Oder sie trifft Lohengrin im Schlafgemach zum Vertrauensdisput. Neuenfels hat ihn zum modernen, coolen Jüngling stilisiert, der seine Ziele verfehlt und die Konsequenzen zieht. Wobei: Der in allen Ausdruckslagen kultiviert klingende Jonas Kaufmann wirkt bisweilen etwas unterinszeniert und damit als Kontrast zu dem genau ausgestalteten Rest (etwa der souveräne Georg Zappenfeld als Heinrich oder der nicht immer sichere Hans-Joachim Ketelsen als Friedrich).
Dem Schwan hat man reichlich Aufmerksamkeit geschenkt. Er kommt ausgestopft im Sarg daher, er ist eine Keramikskulptur, die Ortrud (im Dramatischen extrem derb: Evelyn Herlitzius) besteigen kann. Er kommt auch vom Himmel, dann aber gerupft und federnlos. Und es kommen am Ende seine Federn wieder im Sarg, der noch was bringt - ein Ei, in dem der neue Führer von Brabant sitzt. Er ist ein schlecht gelauntes Neugeborenes, das Teile der Nabelschnur herumwirft. Ist das der Überbringer von Hoffnung?
Dirigent Andris Nelsons hat sich da schon eher als Zukunftshoffnung präsentiert. Das Orchester klingt kompakt, Nelsons verfügt über hohe Innenspannung, sorgt für Transparenz und hat Sinn für die zart schimmernden Feinheiten der Partitur. Bei manchem hatte er vielleicht zu viel Strukturbewusstsein. Den Hauptzorn bekommt aber Neuenfels ab, wobei: Da war auch viel Sympathie. Er würde übrigens gerne wiederkommen, wenn ihn die Schwestern rufen. Zum Ring 2013. Ob's seine Opernmäuse dann noch gibt? (Ljubiša Tošić aus Bayreuth, DER STANDARD/Printausgabe, 27.07.2010)
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freue mich schon auf diesen Lohengrin nächsten Sommer. Die Kritiken klingen vielversprechend.
Dieses Jahr hab ich leider nur Karten für den Parsifal bekommen (der ist aber glücklicherweise so gut, dass man sich die Aufführung getrost ein 2. Mal anschauen kann).
ob einige Regisseure (Musik- uns Sprechtheater)Teilnehmer an der offenen Wiener Psychiatrie sind. Manisch versuchen sie durch unmögliche Inszenierungen aufzufallen, denn lieber eine miese Kritik als gar nicht wahrgenommen zu werden. Gewaltsame Umdeutungen und Neuinterpretationen scheinen das alleinige Ziel zu sein (nicht etwa durch eine gelungene Regiearbeit das Stück bestmöglich über die Rampe zum Publikum zu bringen). In den letzten Jahren hat man sich auch oft fragen nüssenb, was die Regisseure täten, hätte es nicht das Dritte Reich gegeben (SA-Uniformen etc. als Regiemittel). Was denken sich die Intendanten und Direktoren, wenn sie solche komplexbeladene Regisseure engagieren??? Besser ein Skandal als gar keine Reaktion?!!!!
Er lebt teilweise in einer der schönsten Ecken der Steiermark und ist ein unglaublich lieber und intensiver Mensch.
Ich fürchte, einen wie ihn werden wir am deutschsprachigen Theater nicht mehr sehen. Der konnte und kann so viel. Ich erinnere mich an eine grandiose Produktion von "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" an der Burg mit Brandauer und Trissenaar, oder an das traumhafte "Käthchen von Heilbronn" mit Anne Bennent.
Ich kann nicht alles deuten, was er sich ausdenkt - aber schaue gebannt zu, weil er ästhetisch grandios ist. Man spürt, dass ein Künstler sein Herzblut vergießt. Eine andere Spielklasse als die vielen kalt kalkulierenden Regie-Karrieristen.
Ich hoffe sehr, dass er 2013 wenigstens einen Teil des neuen Bayreuth-"Rings" macht!
Er, der Schwan, kann als Skulptur Elsa besteigen, denn auch die Skulptur steht als erweitertes Subjekt im Nominativ... und warum sollte, noch dazu beim Herrn N, nicht auch eine Skulptur Besteigungsabsichten haben?
In solcher Satz-Gestaltung (sie kommt nicht oft vor) sind beide Versionen möglich - nur darauf wollte ich hinweisen!
lässt sich 'Lohengrin' aufführen.- Wieland Wagner in Wien oder Karajan in Salzburg. Superbesetzungen (Ludwig, Tomowa-Sintow, Varnay) neben einem Top-Orchester waren da noch 'Zugaben'. Daß das Werk sosehr Nebensache werden kann, die 'Show' ist wichtiger wie die 'Story'.
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