Quersubventionen

Verzerrter Wettbewerb: EU prüft Wifi

Verena Kainrath, 26. Juli 2010 18:30

Brüssel klopft das Bildungsinstitut der Wirtschaftskammer auf Quersubventionen ab - Der Vorwurf: ungleiche Wettbewerbsbedingungen

Wien - Die Bildungsbranche gerät in das Visier der EU-Wettbewerbshüter: Nicht erlaubte Quersubvention soll den Wettbewerb in Ös-terreich verzerren. Vor der Kommission in Brüssel läuft ein Verfahren gegen das Wirtschaftsförderungsinstitut. Eine Entscheidung soll bis Jahresende vorliegen. Das Wifi habe seine finale Stellungnahme bereits abgegeben, sagt Michael Landertshammer dem Standard, "wir legten darin dar: Es gibt keine Wettbewerbsverzerrung" .

Für den Wifi-Chef sind diese Vorwürfe nicht neu. Alle drei bis vier Jahre komme ein derartiger Vorstoß, meist vor den Kammerwahlen, erzählt er. Sie alle verebbten, auch jener vor acht Jahren. Damals sah das Liberale Forum Bildungsinstitute der Wirtschafts- und Arbeiterkammer zu gleichem Anteil verbotene Förderungen genießen - für den Bau von Schulungszentren in Linz.

Die Beschwerde ließ Politiker auf höchster Ebene über Österreich hinaus auch in Deutschland nervös werden, weiß Volker Kier, Unternehmensberater und einst Politiker des Liberalen Forums. Der Kleinpartei habe damals, da sie nicht im Nationalrat vertreten war, die Finanzkraft gefehlt, um das alles weiter voran zu treiben. Die Bildungsbranche gelobte hinter den Kulissen Besserung, der Fall landete nicht vor dem Europäischen Gerichtshof.

Geändert hat sich seither einiges. Nicht zuletzt durch das neue Vergabegesetz von 2002. Das Arbeitsmarktservice muss Aufträge für Weiterbildung seither öffentlich ausschreiben, was viele private Anbieter und harten Wettbewerb hervorbrachte. Doch verstummt ist Kritik über Proporz in der Erwachsenenbildung nie.

Das Wifi steht im Besitz - und unter dem Dach der Wirtschaftskammer. Gut 12.000 Trainer sorgen für knapp 150 Mio. Euro Umsatz. Das Berufsförderungsinstitut Bfi macht den Großteil seiner nicht minder großen Geschäfte im Auftrag des AMS - geführt als GesmbH bzw. Verein unter Patronanz der Arbeiterkammer und Gewerkschaft. In der Steiermark hält man hierbei geschätzt 70 Prozent des Marktes.

Es sei eine Mär, dass das Bfi von den Sozialpartnern stark finanziert werde, sagt sein Chef Michael Sturm. Die Subvention mache weniger als ein Prozent des Umsatzes aus. "Wir bilanzieren ausgeglichen und sind kein Zuschussbetrieb." Von nur minimalen Zuschüssen spricht auch Wifi-Leiter Landertshammer.

Was private Mitbewerber wie Ibis Acam-Chef Rafael Montibeller ärgert: Einstige investive Millionenförderungen für Bildungszentren seien für andere Institute nach wie vor ein Wettbewerbsnachteil. Der Einfluss der Sozialpartner bei der Auftragsvergabe sei trotz öffentlicher Ausschreibung indirekt gegeben - da sie die AMS-Landesgremien besetzen. Sein Betrieb biete etwa in Kärnten nicht mehr mit. "Wir verstehen den Markt nicht." Die Sozialpartner mischten heute mehr denn je mit, damit Private ihre Machtstellung nicht zu sehr anknabberten, ergänzt Bit-Chef Stephan Sticher.

Bfi und Wifi verweisen auf flächendeckende Versorgung, auch in für Konkurrenten unrentablen Nischen. Für Kier fahren beide jedoch einen Parallelslalom, der die Qualität am Markt drücke.(Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2010)

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Keyser
01.08.2010 10:04

Für ein wenig mehr Transparenz.

http://www.esf.at/?page_id=618

In diesem Katalog sind alle Unternehmen, Anbieter von Schulungsmassnahmen und sonstige Betriebe aufgeführt, die vom ESF (Europäischer Sozial Fonds) regelmässig Geld abkassieren. Darunter auch die Caritas - mit Summen die zum Teil 400.000€ Grenze ankratzen.

Das Arbeitsmarktservice ist ebenso mehrfach vertreten, wie auch das WIFI. Lest, und staunt, liebe Standardianer -

Gobi Todic
29.07.2010 09:15
besonders in graz fällt auf

die campus02 (wifi-wk-iv FH) hebt als einzige FH noch studiengebühren ein.

leistungsträger halt

ÖVP und Banken sind eine Seuche !
28.07.2010 22:13
was das wifi kann

kann das bfi schon lange mit all seine dubiosen konstrukten, wie fab, proba und all die anderen komischen vereinkonstruktionen, die mit ams-geldern, eu-förderungen dubiose gewinne machen....
ABER KEINE STEUERN ZAHLEN MÜSSEN weil vereine...
schweinerei das ganze

sie schöpfen von der allgemeinheit, geben aber nichts für die gmeienschaft zurück.
keine sozialleistungen und und und.
oberösterreich ist der größte schnorrer mit schwarzer landesführung.

andi ebner
28.07.2010 13:41
bfi

vor kurzem der kaufm. leiter des bfi im orf 2 (salzburg heute):

im verlgeich zu heuer muss das bfi im jahr 2011 mit NUR 6 mio € auskommen. 2010 wurde bfi mit 8 mio gefördert. wer hier in anbetracht des salzburger marktes von geringfügigen subventionen spricht hat entweder keine ahnung oder ein schlechtes gewissen.

mikromalist
 
28.07.2010 13:11
Es wurde in unglaublicher

Weise geschafft, die Zwangsmitgliedschaft in den Kirchen abzuschaffen (das ging erst, als die Bischöfe aus den Parlamenten vertrieben wurden).
Wie schaffen wir es uns von den Zwangsmitgliedschaften in den Kammern zu befreien? Richtig, ....

imperatorrex
28.07.2010 14:01
aha

und das Concordat besteht weiter, der Steuerzahler brennt die Kirchenerhaltung, den Religionsunterricht, fettet die Spenden an die Caritas auf, refinanziert Ordensspitäler, subventioniert sonstige Kirchengüter aufgrund kultureller Notwendigkeit u. Denkmalschutz, lässt die Kirche in familien- und gesellschaftspolitischen Fragen wesentlich Einfluss nehmen und da reden Sie vom Kirchenbeitrag ?
Wollen Sie diese Diskussion wirklich führen ? - Fragen Sie beim ORF nach, dort sind die Experten.
Im Übrigen - es gäbe ggf. viele andere Themen bzgl. Zwang oder besser Enteignung. Kennen Sie unsere Steuer- u. Abgabenordnung ? In diesem Zusammenhang spricht man von "Solidarität", denken Sie da nicht nach? Wer bekommt in Ö Transferleistungen ?

mikromalist
 
28.07.2010 14:49
Solidarität ist unverzichtbar, aber

sie darf nicht heissen dass Gesellschaftsteilnehmer am erwachsen-werden gehindert werden?

p.s. ich zahle zumindest keine Kirchensteuer un über die vielen unsinnigen Staatsausgaben könnte ich stundenlang ... (zB unser rückständiges und völlig desolates Bildungssystem)

cuibono
28.07.2010 10:52
Minimale Zuschüsse...

Es bleibt abzuwarten, wie genau in Brüssel geprüft werden wird. Interessant wären z. B. Themen wie die Finanzierung des neuen Bildungscampus am Währinger Gürtel oder die budgetäre Dotierung für die österreichweiten Projekte des Wifi Österreich. Und ein Blick nach SO-Europa (WIFI Hungaria etc.) betreffend die damit verbundene Wifi-Expansion wäre vielleicht auch zielführend.

egon edi ohne strachwitz
27.07.2010 18:23
SWOT

gehört auf einen missthaufen.
damit fangt keiner was an.

egon edi ohne strachwitz
27.07.2010 17:49
musterschüler wifi in Ö

vergleich musterschüler von cadiz bis sparta,von der bretange bis warschau,von oslo bis palermo

PaterPäderasty
27.07.2010 17:00
man könnte meinen, dass auch die Kurse am Papier höher dotiert sind,

als diese denn wirklich Kosten verursachen.

DAS wäre interessant wieviel Geld hier wirklilch auf welche Kostenstellen zugeordnet sind, und was unter Strich - wirklcih - überbleibt.

Das Geldgeschiebe ist hier auch zu hinterfragen.

lesendenkenbeitragen
27.07.2010 16:49
seit dem ich die Branche kenne

machen geförderte Bildungseinrichtungen privaten Anbietern Konkurrenz und das mit öffentlichen Subventionen bzw. dem Geld ihrer eigenen Zwangsmitgliedschaftsvertretung. Das hat bis jetzt noch niemand interessiert - warum sollte sich das ändern?

Miriam Kofler1
27.07.2010 16:56
LIF kämpft seit 1993 gegen diese Wettbewerbsverzerrung

1999 hat das LIF dann eine EU-Beschwerde gegen die wettbewerbsverzerrenden Subventionen an WIFI und BFI und weitere Punkte eingebracht.

egon edi ohne strachwitz
27.07.2010 16:12
kleines wifi im kleinen Ö

brüssel piesackt anscheinend nur die kleinen,wo leicht ein erfolg zu verbuchen ist

wo haut brüssel in süd- südost-und osteuropa rein?

werden dort alle eu-rl 1:1 umgesetzt?
im osten steht noch immer der grosse bruder ,deswegen pfeifen die auf eu-kontrollen.

net-diver
 
28.07.2010 10:56
Sie...

... meinen Ihnen genügen Verfahren gegen Microsoft, IBM, Siemens, Intel, RWE etc. noch nicht? Erkundigen Sie sich bevor Sie hier beleidigt schwadronieren.

Typisch österreichisch.

Vom Förderungsstopp für Rumänien und Bulgarien gar nicht zu sprechen.

imperatorrex
27.07.2010 18:20
entschuldigen Sie

meine rüde Ausdrucksweise. Sind Sie so doof oder tun Sie nur so. Der Kier hat doch nur geklagt, weil er selbst beim AMS nicht zum Zug gekommen ist. Der freie Wettbewerb (wissen Sie was das ist ?) bringt die privaten Bildungsinstitute und Trainer an den Rand des Ruins - da wollen Sie Qualität aufrecht erhalten ? Nocheinmal: WIFI u. BFI haben sich einige Jahre gegen die Senkung der Honorare gestemmt um Trainerqualität zu halten - Private haben mit dem Dumpingangeboten den Markt und die Preise ruiniert.
Gerade diejenigen, denen jetzt die Sozialvers. im Genick hängt!! Fragen Sie einmal Venetia-Trainer wie das läuft - hirnlos Ihre Argumentation.

Miriam Kofler1
28.07.2010 08:52

noch einmal: kein Mensch müßte die Trainerhonorare senken, wenn das AMS diese in seiner Ausschreibung als Mindeststandard vorgibt.
Das ist eine Ausrede von WIFI und BFI, auf die viele Trainer hineingefallen sind.

imperatorrex
28.07.2010 10:29
abschließend - es ist Ihnen nicht zu helfen

Selbst das Bundesvergabeamt kann keine "preispolitischen Verfahren" nach BVerG bewerten, lediglich anregen, plausibel gestaltete Preise vom potentiellen Auftragnehmer einzufordern (sog. Plausibilisierung d. PersKosten). Das AMS kann nur die Einhaltung arbeits- u. soz.versich. rechtl. Normen in Verfahren einfordern - was es auch tut - und angestellte Trainer über KV bewerten. Im Rahmen der Erwerbsfreiheit können Trainer aber auch über frei vereinbarte Honorare beschäftigt werden (per Werkvertrag) - und dies führt - in Verbindung mit low-level costs der Infrastruktur - wie bekannt zu Dumpingpreisen. Da brauchen WIFI und BFI keine Ausreden - schauen Sie sich den Markt an bevor Sie diesen Schwachsinn von sich geben !

zeit_lupe
27.07.2010 17:39
na wenigstens

statt über die EU zu jammern könnten sie ja auch froh sein dass wenigstens brüssel den roten und schwarzen auf die finger klopft wenn sie es zu frech treiben. der bildungsmarkt ist ein wahnsinn, wifi und bfi zapfen öffentliche gelder an wo immer es geht, und das AMS ist ein nützlicher helfer. denn anders als in anderen eu-ländern können wir in Ö auch EU-mittel für arbeitsmarktpolitik nur über das AMS beantragen. und das AMS verfügt über ca. 70% des gesamten budgets im bereich erwachsenenbildung in schnitzelland.

ich freu mich dass die EU was tut.

egon edi ohne strachwitz
27.07.2010 17:56
na danke

das gefällt sehr-nettozahler
bin ich froh,dass ich netto zahlen darf

bin ich nicht am laufenden,dann sagen sie es mir

Clemens Hafner
27.07.2010 18:57

Sie sind nicht am laufenden.
Bitte, gerne,

Medienkonsument
27.07.2010 13:46
Zwangsmitgliedschaften abschaffen!

imperatorrex
27.07.2010 18:03
kleines update

Sollten Sie es nicht wissen - Sie sind seit Ihrer Geburt (sofern Sie Ö-Bürger sind) Zwangsmitglied. Zwangsmitglied in einem sozialen Gemeinwesen mit definierten Normen u. Regeln. Eine dieser Normen ist die Sozialpartnerschaft (demokratisch bestimmt und in der Verfassung verankert). Wenn Ihnen dies nicht passt, können Sie gerne anderwertig leben oder z.B. unternehmerisch tätig sein, diese Freiheit haben Sie ! Ich würde vorschlagen, Sie leben und arbeiten - so wie ich - ein paar Jahre in den USA - ich könnte Philadelphia South vorschlagen - dann reden wir nochmals über unsere dramatische Zwangsgesellschaft - vergessen Sie bitte aber nicht, in den USA gleich den Lobbyisten und Syndikus zu bezahlen - damit es wenigstens 1 Woche Urlaub gibt.

egon edi ohne strachwitz
27.07.2010 16:29
richtig

mit zwang muss schluss sein

freiwilligkeit muss attraktiver beworben werden

Klaus13
27.07.2010 14:37
Genau,

Wirtschaftskammer & Co. bitte abschaffen!

Die Kämmerer leben nur davon, daß ANDERE etwas leisten!

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