Aber verlieren sie ihren Schlaf angesichts der wirklich entscheidenden Probleme?
Universitätspräsidenten wissen um die Herausforderungen, die sich ihren Institutionen stellen. Das Interesse an besseren Abschlussraten ist hoch, entsprechend ist die Liste an Forschungspapieren zu den Ursachen von Studienabbrüchen lang. Hier sind einige der Dinge, die Akademie-Insider nachts wach halten.
Unis gehen davon aus, dass Studenten sich zu jeder Zeit um ihre Ausbildung kümmern. Das entspricht oft nicht der Realität. Ein Drittel der Studenten in den USA ist älter als 24 Jahre und zwei Drittel arbeiten neben dem Studium. Viele entscheiden sich daher für Online-Programme, die flexibler sind und kein tägliches Pendeln zu und von der Lehranstalt erfordern. Doch trotz der vergleichbaren Abschlussergebnisse von Online-Programmen und traditionellen Uni-Programmen, erkennen viele Fakultäten Online-Abschlüsse nicht als gleichwertig an. Diese neuen Arten des Lernens sind nicht Teil der akademischen Kultur.
Hinzu kommt, dass trotz der vielen verschiedenen Studienrichtungen viele Studenten nicht wissen, welche für sie die richtigen sind. Sie wählen Fächer nach Kriterien, die von Familie und Lehrern erwartet werden, und versuchen sich bestmöglich durchzuschlagen. Oder sie belegen Kurse, die günstiger und schneller zu absolvieren sind, anstatt auf ihre eigentlichen Talente und Interessen zu hören. Universitäten sehen dabei untätig zu, wobei sie wissen, dass Studenten, die das Falsche studieren, die Ersten sind, die ihr Studium abbrechen.
Die Industrie arbeitet dabei gegen sich selbst. Ein lehranstalten-übergreifender Dialog zur Orientierung von Studenten findet nicht statt. Auch gibt es kein standardisiertes System für Kurse, was es schwierig macht, zwischen verschiedenen Universitäten zu wechseln und das individuell beste Lernumfeld zu finden. Und die wenigen erfolgreichen Ansätze zur Verbesserung des Systems werden von den Unis meist geheim gehalten.
Das bisherige Anreizsystem funktioniert nicht mehr. Der Großteil der Studenten benötigt vier bis sechs Jahre für den großen Lohn am Ende: den Abschluss. Aber sogar dieser ist kurzfristig nicht mehr genug, da er nicht in Rechnung stellt, was einen Studenten einzigartig macht. Heutzutage sind individuelle Anreize und Feedback den Studenten deutlich wichtiger, speziell wenn es darum geht, einen Job zu finden.
Und letztendlich geben sogar die Lerninstitutionen zu, dass die Studenten diejenigen sind, die zahlen, und die Universitäten wenig investierten Anteil am Erfolg der Studenten haben. Sie zahlen, ob sie das Studium bestehen oder nicht. Eine gescheiterte Ausbildung kann nicht zurückgegeben werden wie ein ungewolltes Produkt. Wenn ein Student einen Kurs aufgrund eines schlechten Lehrers nicht erfolgreich absolviert, muss er zahlen, um den Kurs erneut zu belegen. (Katherine von Jan, DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.7.2010)
Zur Person
Katherine von Jan ist Trendforscherin, Innovationsberaterin und
Creative Director ihrer Consulting-Firma KvJ & Company.