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Die Roten Khmer in Kambodscha

26. Juli 2010, 12:09
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    foto: ap/david longstreath

    Archivaufnahme aus dem Jahr 1998: Ein junger Soldat der Roten Khmer bewacht Pol Pot auf seinem Totenbett in dessen Jungelcamp an der kambodschanisch-thailändischen Grenze.

Während der Herrschaft des Pol-Pot-Regimes von 1975 bis 1979 starben rund 1,7 Millionen Menschen

In Kambodscha ist am 26. Juli 2010 der Folterchef des früheren Regimes der Roten Khmer zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Es ist das erste Urteil des eigens eingerichteten Kriegsverbrechertribunals seit dem Sturz des Pol-Pot-Regimes im Jahr 1979. Benannt nach dem kambodschanischen Politiker und Diktator Pol Pot, der 1998 starb, war es vier Jahre an der Macht und wird für mindestens 1,7 Millionen Tote verantwortlich gemacht. Im Folgenden einige Fakten zur Roten Khmer und dazu, wie das vom Krieg gezeichnete Kambodscha 31 Jahre später mit dem Erbe der Diktatur umgeht:

  • Die "Killing Fields":

Pol Pots ultra-maoistische Untergrundkämpfer der Roten Khmer begannen 1975 eine blutige Bauernrevolution; fünf Jahre zuvor war König Norodom Sihanouk vom rechten Lager vom Thron geputscht worden. Etwa 21 Prozent der Bevölkerung des Landes mussten während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 ihr Leben lassen: Rund 1,7 Millionen Menschen wurden hingerichtet oder zu Tode gefoltert. Viele verhungerten aufgrund der ökonomischen Experimente, die auf die Rückkehr zu einer geldfreien Agrarwirtschaft zielten. Städtische Intellektuelle und buddhistische Priester wurden unter erbärmlichen Bedingungen zur Feldarbeit auf den sogenannten Killing Fields gezwungen.

  • Der Sturz des Regimes:

Das Regime wurde 1979 durch den Einmarsch vietnamesischer Truppen gestürzt. Diese installierten eine kommunistische Regierung, in der vor allem ehemalige Rote-Khmer-Kader saßen. Die Kämpfe zwischen der Regierung und verbliebenen Kämpfern der Roten Khmer dauerten von 1979 bis 1991 an. Millionen Kambodschaner harrten während dieser Zeit in Flüchtlingslagern aus.

  • Der steinige Weg zur Justiz:

1993 kam es nach einem von den Vereinten Nationen (UN) mitentworfenen Friedensplan zu Wahlen. Sihanouk wurde verfassungsgemäß wieder als König installiert. 1997 bat Kambodscha die UN und die internationale Gemeinschaft um Hilfe bei der Einrichtung eines Völkermord-Tribunals für die Roten Khmer. 1998 kündigte die Regierung aber an, sie wolle die volle Kontrolle über das Gericht behalten. Der Plan dümpelte jahrelang vor sich hin. Zahlreiche Entwürfe wurden zwischen Kambodscha und den UN hin und hergereicht. Die Rechtmäßigkeit des Gerichts wurde von Kambodscha infrage gestellt. Der erste Prozess, in dem am Montag das Urteil erging, begann im Februar 2009.

  • Angeklagt:

Fünf ehemalige Rote-Khmer-Kader wurden festgenommen und wegen verschiedener Punkte angeklagt: Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Völkermord. Es handelt sich um den ehemaligen Präsidenten Khieu Samphan, den früheren Außenminister Ieng Sary und seine Frau Khieu Thirith, Nuon Chea, Pol Pots Stellvertreter, und Duch, der nun zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde. Pol Pot wurde 1997 festgenommen und starb 1998. Der einbeinige Militärchef Ta Mok starb 2006.

  • Auf freiem Fuß:

31 Jahre nach dem Sturz des Regimes sollen sich noch mehr als 20.000 ehemalige Kämpfer und Arbeiter der Roten Khmer auf freiem Fuß befinden. Der amtierende Ministerpräsident Hun Sen kritisierte den Gerichtshof scharf für den Vorschlag, Untersuchungen gegen weitere fünf Verdächtige einzuleiten. Hun Sen sagte, weitere Festnahmen könnten einen Bürgerkrieg auslösen. Zwar gibt es keine Beweise dafür, dass der Politiker für Gräueltaten der Roten Khmer mitverantwortlich ist. Seine Regierung umfasst aber viele ehemalige Kader der Organisation. (Reuters)

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