Während der Herrschaft des Pol-Pot-Regimes von 1975 bis 1979 starben rund 1,7 Millionen Menschen
In Kambodscha ist am 26. Juli 2010 der Folterchef des früheren Regimes der Roten Khmer
zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Es ist das erste Urteil des eigens
eingerichteten Kriegsverbrechertribunals seit dem Sturz des Pol-Pot-Regimes im
Jahr 1979. Benannt nach dem kambodschanischen Politiker und Diktator Pol Pot,
der 1998 starb, war es vier Jahre an der Macht und wird für mindestens 1,7
Millionen Tote verantwortlich gemacht. Im Folgenden einige Fakten zur Roten
Khmer und dazu, wie das vom Krieg gezeichnete Kambodscha 31 Jahre später mit dem
Erbe der Diktatur umgeht:
Pol Pots ultra-maoistische Untergrundkämpfer der Roten Khmer begannen 1975
eine blutige Bauernrevolution; fünf Jahre zuvor war König Norodom Sihanouk vom
rechten Lager vom Thron geputscht worden. Etwa 21 Prozent der Bevölkerung des
Landes mussten während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 ihr
Leben lassen: Rund 1,7 Millionen Menschen wurden hingerichtet oder zu Tode
gefoltert. Viele verhungerten aufgrund der ökonomischen Experimente, die auf die
Rückkehr zu einer geldfreien Agrarwirtschaft zielten. Städtische Intellektuelle
und buddhistische Priester wurden unter erbärmlichen Bedingungen zur Feldarbeit
auf den sogenannten Killing Fields gezwungen.
Das Regime wurde 1979 durch den Einmarsch vietnamesischer Truppen gestürzt.
Diese installierten eine kommunistische Regierung, in der vor allem ehemalige
Rote-Khmer-Kader saßen. Die Kämpfe zwischen der Regierung und verbliebenen
Kämpfern der Roten Khmer dauerten von 1979 bis 1991 an. Millionen Kambodschaner
harrten während dieser Zeit in Flüchtlingslagern aus.
- Der steinige Weg zur Justiz:
1993 kam es nach einem von den Vereinten Nationen (UN) mitentworfenen
Friedensplan zu Wahlen. Sihanouk wurde verfassungsgemäß wieder als König
installiert. 1997 bat Kambodscha die UN und die internationale Gemeinschaft um
Hilfe bei der Einrichtung eines Völkermord-Tribunals für die Roten Khmer. 1998
kündigte die Regierung aber an, sie wolle die volle Kontrolle über das Gericht
behalten. Der Plan dümpelte jahrelang vor sich hin. Zahlreiche Entwürfe wurden
zwischen Kambodscha und den UN hin und hergereicht. Die Rechtmäßigkeit des
Gerichts wurde von Kambodscha infrage gestellt. Der erste Prozess, in dem am
Montag das Urteil erging, begann im Februar 2009.
Fünf ehemalige Rote-Khmer-Kader wurden festgenommen und wegen verschiedener
Punkte angeklagt: Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und
Völkermord. Es handelt sich um den ehemaligen Präsidenten Khieu Samphan, den
früheren Außenminister Ieng Sary und seine Frau Khieu Thirith, Nuon Chea, Pol
Pots Stellvertreter, und Duch, der nun zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde. Pol
Pot wurde 1997 festgenommen und starb 1998. Der einbeinige Militärchef Ta Mok
starb 2006.
31 Jahre nach dem Sturz des Regimes sollen sich noch mehr als 20.000
ehemalige Kämpfer und Arbeiter der Roten Khmer auf freiem Fuß befinden. Der
amtierende Ministerpräsident Hun Sen kritisierte den Gerichtshof scharf für den
Vorschlag, Untersuchungen gegen weitere fünf Verdächtige einzuleiten. Hun Sen
sagte, weitere Festnahmen könnten einen Bürgerkrieg auslösen. Zwar gibt es keine
Beweise dafür, dass der Politiker für Gräueltaten der Roten Khmer
mitverantwortlich ist. Seine Regierung umfasst aber viele ehemalige Kader der
Organisation. (Reuters)