Chinas Protest erzwang Verlegung von "Invincible Spirit" ins Japanische Meer
Peking - Das amerikanisch-südkoreanische Seemanöver "Invincible
Spirit" (Unbezwingbarer Geist), das Nordkorea die militärische Übermacht und
Geschlossenheit der USA und Südkoreas vor Augen führen soll, hat in Peking
offenkundig großen Ärger hervorgerufen. Auch dürfte der Protest Chinas, des
wichtigsten Verbündeten der Führung in Pjöngjang, die Amerikaner und Südkoreaner
dazu veranlasst haben, das Großmanöver nicht vor der Westküste der geteilten
Halbinsel, sondern im Osten, im Japanischen Meer, durchzuführen.
Im UNO-Sicherheitsrat hatte die Vetomacht China jede Schuldzuweisung an
Nordkorea wegen des Untergangs des südkoreanischen Kriegsschiffs "Cheonan"
verhindert. Dafür hatte Pjöngjang umgehend seine grundsätzliche Bereitschaft zu
neuen Sechsergesprächen erklären müssen. Pekings Diplomatie hofft, die Krise
durch Wiederaufnahme der blockierten sechsseitigen Gespräche (Nord- und
Südkorea, USA, China, Japan, Russland) entschärfen zu können. Südkorea und die
USA erklärten jedoch, zuvor müsse Nordkorea die Verantwortung für die
"Cheonan"-Versenkung übernehmen. Der chinesischen Regierung missfällt, dass
Südkorea und die USA darauf setzen, ohne Mitwirkung Chinas den Druck auf
Pjöngjang erhöhen zu können.
20
Kriegsschiffe, mehr
als 200 Flugzeuge und 8000 Soldaten
Gänzlich unbeeindruckt von Pjöngjangs Drohgebärden haben die US-Streitkräfte
zusammen mit Einheiten Südkoreas am Sonntag das Großmanöver auf See begonnen. An
den Marine- und Luftwaffenübungen im Japanischen Meer nehmen nach US-Angaben 20
Kriegsschiffe, darunter der Flugzeugträger "USS George Washington", sowie mehr
als 200 Flugzeuge und 8000 Soldaten beider Länder teil. Nordkorea hatte am
Vorabend des Manövers mit dem Einsatz von Atomwaffen und einem "heiligen Krieg
der Vergeltung" gedroht. Armee und Bevölkerung würden den Militärübungen
"legitimerweise ihre mächtige atomare Abschreckung entgegensetzen", hieß es in
einer Erklärung der Nationalen Verteidigungskommission in Pjöngjang. Bereits
früher, wie im Februar 2010 vor Beginn eines anderen Manövers, hatte Pjöngjang
mit dem Einsatz von Nuklearwaffen gedroht.
In Wien hat der chinesische Außenminister Yang Jiechi am Sonntag alle
Beteiligten zur Zurückhaltung aufgerufen. Er verwies auf eine entsprechende
Erklärung des Vorsitzenden des UNO-Sicherheitsrates, Frieden und Stabilität in
der Region zu wahren und zu den Sechs-Staaten-Gesprächen zurückzukehren. Gefragt
nach Chinas Verhältnis zu Nordkorea sagte Yang, Peking unterhalte mit seinem
Nachbarn normale Beziehungen. Man sei an einer Verbesserung der
Lebensbedingungen der Menschen in dem Land interessiert und an der Einhaltung
des Regimes der Nichtverbreitung von Atomwaffen. Zugleich unterstrich der
Außenminister, dass China es jedem Land zugestehe, den Entwicklungsweg zu
finden, der ihm entspreche. (APA)