Assange im "Guardian": Missbrauch der Mächtigen aufdecken
Washington - Der Gründer der auf Enthüllungsgeschichten
spezialisierten Internetseite WikiLeaks, Julian Assange, hat die
Veröffentlichung zehntausender teils geheimer US-Dokumente zum Afghanistan-Krieg
verteidigt. Guter Journalismus sei "von Natur aus" kontrovers, sagte Assange der
britischen Tageszeitung "The Guardian" vom Montag. Zugleich begrüßte er die
Debatte, die die Veröffentlichung der Dokumente auslöste.
Guter Journalismus müsse den Missbrauch der Mächtigen aufdecken. Wenn dies
geschehe, gebe es immer Gegenreaktionen. Diese "Kontroverse" sei gut, sagte der
39 Jahre alte Australier. Das Weiße Haus hatte die Enthüllungen scharf
kritisiert. Der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama,
James Jones, war empört: "Die USA verurteilen auf Schärfste die Veröffentlichung
von Geheiminformationen durch Einzelne oder Organisationen, durch die das Leben
von Amerikanern und deren Verbündeten gefährdet und die nationale Sicherheit
bedroht wird".
Von unbekannter Seite zugespielt
Die brisanten Unterlagen waren WikiLeaks von bisher unbekannter Seite
zugespielt worden. WikiLeaks wiederum gab das Material vor wenigen Wochen an das
Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel" sowie die "New York Times" und "The
Guardian" weiter. Die drei Medien kamen laut "Spiegel" nach eingehender Prüfung
zu dem Schluss, dass die Dokumente authentisch seien, und berichteten am Sonntag
auf ihren Internetseiten zeitgleich über die Enthüllungen. Die rund 92.000
Unterlagen von 2004 bis 2010 zeichnen dem "Spiegel" zufolge ein "düsteres Bild"
von der Lage in Afghanistan.
Die im Dezember 2006 gegründete Internetplattform WikiLeaks will mit der
Veröffentlichung von geheimen Dokumenten aus anonymen Quellen Missstände
öffentlich machen. Im April hatte ein von WikiLeaks veröffentlichtes
armeeinternes Video der US-Streitkräfte weltweit für Bestürzung gesorgt, das den
tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten durch einen US-Kampfhubschrauber
zeigte. Anfang Juni wurde ein US-Soldat festgenommen, der das Video an WikiLeaks
weitergereicht haben soll.
Die Sicherheitslage für die internationale ISAF-Schutztruppe ist nach den
Informationen aus mehr als 90.000 zumeist geheimen Dokumenten prekär. Nach dem
Willen der internationalen Gemeinschaft soll die Führung Afghanistans ab Ende
2014 selbst für die Sicherheit des Landes sorgen. (APA)