Keine Amnestie für Diktatur-Verbrechen

26. Juli 2010, 08:08

Nach Protesten von Angehörigen von Opfern der Pinochet-Ära - Präsident Pinera: Generalamnestie wäre "weder klug noch angemessen"

Santiago - Der chilenische Präsident Sebastian Pinera hat eine Amnestie von Militärs und Polizisten abgelehnt, die wegen Menschenrechtsverbrechen während der Pinochet-Diktatur (1973 bis 1990) verurteilt wurden. Dies hatten die katholische und die evangelische Kirche Chiles aus Anlass des 200. Jahrestages des Beginns der Unabhängigkeit des südamerikanischen Landes von Spanien vorgeschlagen. "Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass es derzeit weder klug noch angemessen wäre, eine Generalamnestie vorzuschlagen", sagte Pinera in einer Fernsehansprache am Sonntag. Einzelfälle sollten aber wohlwollend geprüft werden.

Die Kirchen hatten vorgeschlagen, alle Militärs und Polizisten zu begnadigen, die ihre Taten bereuten. Dies war auf heftige Ablehnung bei Angehörigen der Opfer der Diktatur von Augusto Pinochet sowie von Menschenrechtsorganisationen und linken politischen Kräften gestoßen. Sie begrüßten nun die Entscheidung des Präsidenten. Zugleich äußerten sie die Sorge, dass nun Einzelfälle konstruiert würden, um doch noch verurteilte Täter vorzeitig freilassen zu können, sagte Lorena Pizarro, die Präsidentin der Vereinigung der Angehörigen von Verschleppten und Verschwundenen (AFDD).

Späte Strafverfolgung

Die Strafverfolgung von Tätern war in Chile erst relativ spät nach dem Ende der Diktatur angelaufen, und viele der Verurteilten sitzen noch nicht lange hinter Gittern. Derzeit wird gegen etwa 700 Militärs wegen Menschenrechtsverbrechen ermittelt. Rund 60 sind bereits in Haft.

Pinochet war 2006 gestorben, ohne dass es zu einer Verurteilung gekommen ist. Auch ein Zeichen der Reue oder eine Entschuldigung wurden nicht bekannt. Während seiner Herrschaft wurden nach offiziellen Angaben etwa 3000 Regimegegner umgebracht und 50.000 gefoltert. (APA/apn)

Robert Fien
00
27.7.2010, 07:15
naja

"Die Strafverfolgung von Tätern war in Chile erst relativ spät nach dem Ende der Diktatur angelaufen"

Also für meinen Geschmack war es zwar zu spät aber im internationalen Vergleich (z.B. mit Österreich ab dem Abzug der Alliierten) war es ziemlich früh. In Südamerika gibt es viele Länder wo es bis heute überhaupt keine Anklage gegen die Schergen der Diktatur gibt und die Amnestie die sich jene ausgehandelt haben bevor sie die Macht abgaben weiterhin uneingeschränkt gilt. Brasilien ist ein solches Beispiel!

With Fear I Kiss The Burning Darkness
00
26.7.2010, 21:54
die Kirchen sollten besser ruhig sein

und sich nicht um die Politik kümmern!!

*esofan*
01
26.7.2010, 19:18

keine amnes(t)ie, gott sei dank.

groebben
01
26.7.2010, 13:37
Pinera überzeugt mich in seinen ersten Wochen

Auch wenn ich politisch eher alternativ/links stehe muss ich sagen, das Pinera einen guten Job macht in seinen ersten Wochen. Er hat Bolivien angeboten über einen Meereszugang zu sprechen und nun das. Innen- und Aussenpolitisch also 2 sehr vielversprechende Signale. Hoffen wir, das dies so weiter geht und er weiterhin positiv auffällt.

GG22
10
26.7.2010, 12:19
Die Katholische Kirche bleibt sich wieder treu.

Zur Einrichtung einer "Rattenlinie" haben sie es immerhin nicht geschafft.
http://de.wikipedia.org/wiki/Rattenlinie

Anscheinend waren sie sich zu sicher.

Die Verfassung aus der Pinochet-Zeit ist immer noch in Kraft.
http://de.wikipedia.org/wiki/Verf... ung_Chiles
"Das Militär [...]
Der nationale Sicherheitsrat von Chile ist ein Instrument, mit dem die Militärführung aktiv in die Politik eingreifen kann."

Unser Vorzeigemodell für Südamerika.

Ernst Guevara
05
26.7.2010, 08:55
die APA lügt wieder wie gedruckt

es ist unrichtig, dass die katholische kirche - so wie hier suggeriert wird - eine amnestie aus sozialen erwägungen fordert (alter, krankheit). richtig ist, dass die kirche sich ganz konkret auf die täter der militärdiktatur bezieht, die verbrechen gegen die menschenrechte verübt haben. es wird in der erklärung der kirche laut taz de facto zwischen mehr- und minderbelasteten unterschieden und eine amnestie gefordert. man kennt diese salamitaktik ja vom umgang mit NS-tätern in österreich.

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