Ex-Folterchef der Roten Khmer zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt

26. Juli 2010, 06:40
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    foto: reuters/eccc/handout

    Dem ehemaligen Folterchef der Roten Khmer, Kaing Guek, wird fast die Hälfte der Haftstrafe erlassen.

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UNO-Sondertribunal erlässt fast die Hälfte der Haftstrafe - Opfer kritisieren Strafe für Duch als zu milde - mit Video

Phnom Penh - Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha ist Folterchef Kaing Guek Eav, genannt "Duch", als erste Schlüsselfigur des von China unterstützten und durch eine vietnamesische Militärintervention entmachteten Terrorregimes zur Rechenschaft gezogen worden. Der frühere Gefängnisleiter wurde am Montag von dem Völkermordtribunal in Phnom Penh zu 35 Jahren Haft verurteilt. Die Anklage hatte 40 Jahre Haft gefordert. Absitzen muss der 67-jährige vormalige Mathematiklehrer davon noch 19 Jahre. Seit elf Jahren ist er bereits im Gefängnis, sie wurden auf die Strafe angerechnet. Weitere fünf Jahre zog das Gericht ab, weil der Angeklagte nach Auffassung der Richter zu Unrecht in einem Militärgefängnis festgehalten wurde.

"Duch" war wegen Kriegsverbrechen, Folter und vorsätzlichen Mordes angeklagt. In dem achtmonatigen Prozess hatte er sich als kleines Rädchen im Getriebe darzustellen versucht. Hinter einer kugelsicheren Spezialwand verfolgte er regungslos die Verlesung des Urteils, die im kambodschanischen Fernsehen live übertragen wurde. Duch leitete in den 1970er Jahren das berüchtigte Foltergefängnis Tuol Sleng, in dem bis zu 16.000 Männer, Frauen und Kinder zu Tode gequält wurden. Überlebende zeigten sich in ersten Reaktionen enttäuscht von dem als zu milde empfundenen Urteil.

Angehörige von Opfern empört

"Die Vorstellung, dass er irgendwann als freier Mann wieder in der Öffentlichkeit auftaucht, ist inakzeptabel", meinte Theary Seng, die unter der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 Familienangehörige verloren hat. Anwälte der zivilen Nebenkläger äußerten sich ähnlich. Staatsanwältin Chea Leang sprach dagegen von einem historischen Tag. "Nichts kann den Schmerz und das Leiden der Menschen wettmachen", sagte sie, "aber dieses Urteil ist endlich die juristische Anerkennung der verbrecherischen Natur des damaligen Regimes."

Die Botschaft sei klar: Wer Gräueltaten begehe oder Macht missbrauche, könne nicht mehr mit Straffreiheit rechnen. "Dies ist auch ein Tag der Hoffnung", fügte sie hinzu. Die österreichische Richterin Claudia Fenz sagte, das Tribunal bedeute der Bevölkerung viel. "Für jene, die diese Zeit erlebt haben, ist es wichtig, dass die mutmaßlichen Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden", betonte sie gegenüber dem Wiener "Kurier".

Sondertribunal mit engen Grenzen

Das aus 17 kambodschanischen und 13 von den Vereinten Nationen gestellten ausländischen Juristen bestehende Sondertribunal, das großteils von Japan finanziert wird, hatte erst 2006 nach fast zehnjährigen Verhandlungen die Arbeit aufnehmen können. Ihm sind enge Grenzen gesteckt, andernfalls wäre die UNO-Unterstützung am Veto Chinas im Weltsicherheitsrat gescheitert. Auf ihren Prozess warten noch Nuon Chea, der einstige Chefideologe, Ex-Präsident Khieu Samphan, der ehemalige Außenminister Ieng Sary und dessen Frau Ieng Tirith, die als Sozialministerin fungierte. Gegen sie wurde Anklage wegen Völkermordes erhoben.

Dem von China unterstützten Regime, das mit brutaler Gewalt das südostasiatische Land in eine kollektivistische Agrargesellschaft umgestalten wollte, waren zwischen eineinhalb und zwei Millionen Menschen zum Opfer gefallen. 1979 hatte eine vietnamesische Militärintervention die Gewaltherrschaft beendet. Nach ihrem Sturz zogen sich die Roten Khmer in den Dschungel zurück und erhielten auch vom Westen Hilfe. Sie behielten den UNO-Sitz und führten einen verlustreichen Untergrundkrieg gegen die Vietnamesen und das mit deren Hilfe installierte Regime. Erst 1991 kam es zur Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens, das die Voraussetzung für eine große UNO-Friedensoperation und demokratische Wahlen schuf. Ex-Diktator Pol Pot starb 1998 in einem Dschungelversteck an der thailändischen Grenze.

Noch drei führende Rote Khmer warten auf Prozess

Nach der Verurteilung von Duch warten noch drei uneinsichtige greise Männer und eine Frau auf ihren Prozess: Nuon Chea, der einstige Chefideologe, Ex-Präsident Khieu Samphan, der ehemalige Außenminister Ieng Sary und dessen Frau Ieng Tirith, die als Sozialministerin fungierte. Gegen sie wurde Anklage wegen Völkermordes erhoben.

Die vier studierten in Frankreich und gehören als enge Vertraute von Saloth Sar (Pol Pot), dem "Bruder Nr. 1", zu den Gründern der kambodschanischen KP - die unter der Bezeichnung Angkar (Revolutionäre Organisation) agierte. Der Ex-Diktator verstarb 1998 in einem Dschungelversteck an der thailändischen Grenze. Sein gefürchteter Militärbefehlshaber Ta Mok starb 2006 im Gefängnis. Erst Ende der 1990er-Jahre begannen international die Anstrengungen, die letzten noch lebenden Schergen des Regimes zur Verantwortung zu ziehen. Das südostasiatische Land blieb jahrelang im Bürgerkrieg verstrickt und wurde zum Spielball der Weltmächte. Die Einrichtung des Tribunals war eine schwere Geburt.

Schwer belastet wurde "Bruder Nr. 2" Nun Chea von "Duch". Dieser bezeichnete seinen einstigen Vorgesetzten als Kommandanten der Mordmaschine: "Nuon Chea war die Hauptperson bei den Ermordungen". Die Verteidigung von Khieu Samphan hat der französische Staranwalt Jacques Vergès übernommen. Den Eurasier Vergès (dessen Mutter Vietnamesin war) kennt der Angeklagte seit dem gemeinsamen Studium an der Pariser Sorbonne. Verges hatte unter anderen den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie (Altmann), und den Top-Terroristen Illich Ramirez Sanchez, genannt Carlos, verteidigt. Er gilt als Spezialist für "aussichtslose" Fälle.

Ausrottung der muslimischen Minderheit

Khieu Samphan und Nuon Chea wird auch vorgeworfen, die Ausrottung der muslimischen Minderheit der Cham beabsichtigt zu haben. Laut Schätzungen wurden zwischen 100.000 und 400.000 Cham umgebracht. Außerdem hätten die Roten Khmer unzählige Vietnamesen ermordet.

Die kambodschanische Regierung unter Ministerpräsident Hun Sen wendet sich dagegen, noch weitere Verantwortliche zu verfolgen - mit dem Argument, die Verfahren könnten für Unruhe im Land sorgen. Tausende Schergen des Regimes, die bei der Ausführung der grausamen Verbrechen halfen, werden von dem Gericht niemals belangt werden können. (red/APA/Reuters)

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Träume sind Schäume.
51
27.7.2010, 11:44
Pol Pot und seine Lakaien waren nicht mal soooo kompliziert gestrickt

Seine grundsätzlichen Gedankengänge hat er schon in seiner Doktorarbeit auf der Sorbonne in Frankreich dargelegt.
Dort hing er übrigens vorwiegend mit linken Studentenkreisen herum, konnte sich auch "gebildet" und gepflegt ausdrücken.

Prinzipiell sollte Kambodscha zuerst radikal als Agrarstaat unter Ausnützung aller Menschenressourcen (Produktionskräfte) autark werden.
Durch exportierte Agrarüberschüsse könnte man später die Industrialisierung einleiten.

Die Unabhängigkeit wird durch gnadenlose Ausmerzung der "Klassenfeinde" im Inneren und eine "Volksarmee" aus der Gesellschaft verteidigt.

In den Wurzeln ein klassisch marxistisches Denken:
a) Kampf/Säuberung
b) Mobilisierung der Massen
c) Einleitung der Produktionsprozesse ;)

margit stangl
00
24.8.2010, 12:39
welche doktorarbeit??????

es gibt keine von ihm,der ist ja in kambodscha mit ach und krach durch diese radiotechnische ausbildung gekommen,in frankreich hat er erst kein leiberl gerissen.

Ernst Guevara
02
27.7.2010, 14:14
ich kenne zwar seine doktorarbeit nicht,

aber wenn ich Ihren ausführungen folge: "Die Unabhängigkeit wird durch gnadenlose Ausmerzung der "Klassenfeinde" im Inneren und eine "Volksarmee" aus der Gesellschaft verteidigt." - Sie schreiben: "unabhängigkeit", somit also ein klassisch nationalistisches (im vorliegenden fall wohl in seiner antiimperialistischen form) motiv für den massenmord, wie es scheint. wie ich mir gedacht habe: kollektivismus (unterordnung des individuums unter ein kollektiv, in der regel das "volk") in kombination mit nationalismus (kampf gegen innere und äussere feindbilder und konstitution des "volkes" durch ausschluss bis hin zur eliminierung all derjenigen, die nicht zum "volk" gezählt werden) und herrschaftsausübung - ein klassisches rezept für massenmord.

tante kommunismus
04
27.7.2010, 10:55

In 1981, President Carter's national security adviser, Zbigniew Brzezinski, said, "I encouraged the Chinese to support Pol Pot."
http://is.gd/dLOkd

„There are amongst the Khmer Rouge some very reasonable people and they will have to take part in a future government in Cambodia“. - Thatcher

insertnamehere
 
00
28.7.2010, 01:18
Tja, schon kompliziert, die Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Kommunisten unterstützt die Thatcher, gegen Faschisten führt sie Krieg (und drohte ihnen angeblich sogar A-Bombenj über Buenos Aires an).

tante kommunismus
00
29.7.2010, 16:47

kompliziert für leute, die meinen, der westen sei doch stets im namen der freiheit unterwegs. gegen pinochet hat sie sicher keinen krieg geführt, by the way. das war einer ihrer freunde.

Träume sind Schäume.
42
27.7.2010, 13:23
Sehen sie's positiv

Die Konservativen wären auf einer Wellenlänge mit linken Lichtgestalten wie Noam Chomsky.
Der war von den Khmer Rouge fasziniert.

Im übrigen hatte das durchaus rationale geopolitische Gründe.
Nach der Niederlage in Vietnam fürchteten die USA den Fall von Thailand, Malaysia und Burma.

Zerfleischende kommunistische Mächte sind besser als ein agressiver expansionistischer vereinter Block.
Zu der Zeit krepierten auch Millionen an vietnamesischen "boat people" im Meer und in Dschungel "Umerziehungslagern".

China bekämpfte die UDSSR als "revisionistisch" bzw. wollte sich von dieser emanzipieren und Vietnam war Verbündeter Moskaus.

Die globale Spaltung des kommunistischen Lagers war durchaus im Interesse des Westens ;)

*space
01

Na wenn es rationale Gründe hatte, dass der Westen ein Pol Pot-Regime fördert, dann danke ich Ihnen für dieses Statement. Es sind also im Namen des Auftraggebers, im Namen des Antikommunismus Millionen Menschen abgeschlachtet worden. Und völlig zu Recht, weil man ein Domino-Effekt befürchtete. Und Sie finden das gut so!

spekulant_in, realwirtschaftlich
03
27.7.2010, 13:29

"Im übrigen hatte das durchaus rationale geopolitische Gründe."

Das Unterstützen von diesen Mördern zwischen 1975 bis 1986 durch den Westen ist "rational". Natürlich. Was auch sonst?

Und nun kehren wir zurück zu den Untaten der Gegner, die natürlich nicht "rational" waren, sondern barbarisch-kommunistisch.

Es kommt eben immer darauf an, wo man steht. Das eine mal stellt sich Mord dar als vernünftig, das andere mal als barbarisch.

Träume sind Schäume, das Ideologieopfer Nr. 1 im Forum, weiß da Bescheid.

Girgl Galgenstein
20
27.7.2010, 13:03
Und das entschuldigt jetzt genau was?

Nur weil jemand anderes große Stücke auf mich hält, nicht ahnend, dass ich ein Riesenschurke bin, bin nicht ich sondern der andere für meine Untaten verantwortlich?

spekulant_in, realwirtschaftlich
02
27.7.2010, 13:14
Armes Opfer der West-Propaganda.

tante kommunismus
00
27.7.2010, 13:11
lächerlich

ab 1975 unterstützte der westen pol pot. die unterschützung wurde erst 1986 eingestellt. was die "angestellt" hatten, war schon lange davor bekannt.

Girgl Galgenstein
10
28.7.2010, 10:28
So einfach ist die Sache nicht

Als die ersten Berichte über die Killing Fields 1977 über den Ticker liefern, war erst einmal der Unglaube groß und innerhalb der linken Szene so groß, dass man gar nicht darüber reden wollte. Mit Wonnen hätte man doch die Gräuel hergenommen, wenn diese sich gegen die USA hätten verwenden lassen.

*space
01
So einfach ist die Sache nicht

Der Westen hat das Pol-Pot-Regime bis 1989 als legitime Regierung auch in der UNo anerkannt.

tante kommunismus
00
29.7.2010, 16:46
war erst einmal der Unglaube groß

und dann hat der westen die roten khmer trotzdem weiter unterstützt, massenmord hin, massenmord her. was man nicht alles für friede, freude, eierkuchen macht ...

tante kommunismus
00
27.7.2010, 13:09
nicht ahnend? die wussten das in den 1980ern noch nicht?!

http://is.gd/dM03c

willst mich veräppeln? ne, ich sag dir, wie es ist: die roten khmer waren brutale massenmörder; aber das war den USA und maggie wurscht!

Chris Quast
10
31.7.2010, 20:23

die usa wird von euch imperalistisch, brutal, ja manche würde ihnen auch massenmorde unterstellen, aber dass ist mir eigentlich wurscht :-)

über diesen großen "guten" weltstabilisator lasse ich ncihts kommen :-)

da ja der relative einfluß der usa abnimmt, übernimmt, übernehmen vielleicht mal andere diese funktionen, dann haben wir den vergleich obs die besser machen.

so ises
00
27.7.2010, 09:57
Würde gerne wissen

was man machen muss um vom UNO-Sondertribunal zu "Lebenslanger Haft" verurteilt zu werden ...

Kra Wuzikabuzi
00
27.7.2010, 09:37
Im Endeffekt kriegt ein zigtausendfacher Massenmörder

genausoviel, wie wenn der Bauer Franz seine keifende Zenzi umbringt.

so ises
00
27.7.2010, 09:59
Der Bauer Franz

der seine Zenzi brutal zu Tode foltert muss mit einer Lebenslangen Haft rechnen ...

Zensurierter Beitrag
00
27.7.2010, 09:01
Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

35 Jahre Strafe für das langsame zu Tode Foltern von 16000 Menschen? Nach Adam Riese macht das etwa 19 Stunden (nicht einmal einen Gefängnistag) pro Opfer!

Wenn man dann noch berücksichtigt, das die "Haft" als luxuriöser Hausarrest in einer Villa stattfindet, dann heißt das Signal hier anscheinend "Foltert ruhig weiter, denn ihr habt wenig Konsequenzen zu fürchten!"

Chris Quast
00
31.7.2010, 20:28

naja da bleibt aber nicht mehr viel für einen fast 70jährigen.

todesstrafe vielleicht? die ich mir aber in solchen kontexten vorstellen kann, zwar auch ein bissal unlogisch, da ich auf normaler strafsrechtsebene strikt dagegen bin.

Herbert Novak1
00
27.7.2010, 08:02
Duch gehört zu lebenslänglich verurteilt

mit bisschen Glück könnte er noch lebend aus dem Krast rauskommen. Die ehemaligen Granden hatten und haben weit überdurchschnittliche Lebensdauer. Siehe VN General Wo Nguy Gap, über 100 noch kein bisschen Anzeichen von Tod.

Georg Plankenbüchler
00
13.1.2011, 12:33
general giap mit den roten khmer zu vergleichen

ist schon stark. giap wird im august 100 und die vietnamesen verdanken ihn die befreiung von den franzosen und den usa. ein grosser mann und held.

Hurra, die Schwiegermutter kommt
24
27.7.2010, 05:39
Es ist gut, daß Folterknechte ihre Strafe erhalten.

Aber es wäre auch gut, daß ALLE Folterknechte und Folterchefs ihre Strafe erhalten.
Ich beziehe mich hier auf Leute wie Rumsfeld, Bush,
Steinmeier, Blair etc.

Wenn die alle vor Gericht stehen würden, würden uns Leute aus islamischen Ländern eher Glauben schenken als bisher, wo diese Kanaillen alle ihren Pensionen am Schwimming-Pool bei Champagner und Schnittchen frönen.

Das wäre ein echter Schritt für Frieden auf der Welt.
Schöner Traum.

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