Lost in Beilage, Teil 2: Schönes Spanferkel in Rust im Tullnerfeld, ausgesprochen wohlfeil - und wo Harald Fidler fast Herrn Brenners Leber verspeist hätte
So schnell geht das mit der Schmecks-Sommerserie: Gerade waren noch in Hamburg bei Tim Mälzer die Erdäpfel abgezählt, da geht dem Fidler auch im kaum weniger weltstädtischen Rust, und zwar dem im Tullnerfeld, ein Knödel gänzlich ab. Ich mein: Schwein gebraten, oder gar jung und vom Span ohne Knödel, geht das überhaupt?
Zu heiß für Knödel?
Knödel haben wir keine, beschied man mir beim Hiesinger, als ich völlig zufällig, aber termingenau ins Spanferkelessen platzte. Ich vermute: Bei der gerade zu Ende gehenden Sommerhitze wollten die Hiesingers ihre Gäste nicht völlig mit nicht gerade leichten Bällen plätten. Wobei: Spanferkel ist auch nicht gerade Lightküche, oder? Wobei - mich hält Hitze ja weder von Fleisch noch sonstigen Beschwerlichkeiten ab. Aber, wie gesagt, Hiesingers wussten ja nicht, wer da auf sie zukommt.
Durchzogen mit Fleisch
Vermutlich daher auch die freundliche Frage, ob das Schwein lieber ganz mager oder durchzogen wolle. Durchzogen, selbstverständlich. Und zwar am besten das Fett mit mit einer merkbaren Menge Fleisch. Cholesterinspiegel sollen schließlich nicht zu ruckartig absinken. Aber Schmecks-Leserinnen und -Leser kennen das Prinzip ja längst, zum Beispiel von Johanns fetten Brüsten oder auch vom Genialen Würfel Fett. Hiesingers haben das gespürt. Die Portion Spanferkel sehr groß, sehr fein, sehr cremig - und geht auch mit Krautsalat und Petersilkartoffeln (definitiv nicht abgezählt) sehr gut.
Frei von Fleisch
Für Vegetarierinnen bietet die Karte keine Vorspeise - aber das Zucchini-Tsatziki gibts ja auch ohne Garnelen. Unter drei fleisch-und fischfreien Optionen für den Hauptgang wählt sie Grillgemüse mit Erdäpfeln und Eierschwammerln. Die hatte ich mariniert zur Vorspeise, mit geräucherter Entenbrust, die mir ein bisschen lauwärmer lieber wäre, aber auch so schon sehr sympathisch war.
46 Euro
Damit mich die Profi-Koster als Preis-Leistungs-Esser beschimpfen können: Zweimal zwei Gänge mit Apfelsaft, Wein, Wasser, Kaffee für 46 Euro finde ich sehr sympathisch. Das erinnert mich daran, dass ich endlich wieder einmal zum Nährer nach Kapellen muss, praktisch gleich ums Eck von hier, endlich auf ein größeres Menü.
Dort, beim Nährer, hängen deutlich weniger Bilder von Lepold Figl (ebenso von Wolfgang Schüssel) als beim Hiesinger, aber der Bundeskanzler und Außenminister (Figl nämlich) stammte ja auch aus Rust im Tullnerfeld. Wobei mir ein Zeitzeuge erzählte, wenn ich mich da recht erinnere, dass Figl stets von der Westautobahn zum Nährer nach Kapelln abbiegen wollte. Gut, den Hiesinger hatte er da ja schon öfter gehabt.
Kaiserlich blunzen
PS: Vor lauter Spanferkelei kam ich nicht auf eine der Spezialitäten des Hauses Hiesinger: Tullnerfelder Kaiserblunze aus Königstetten, die mir grundsätzlich ans Herz gewachsen ist (siehe Cholesterinspiegel). Bei Hiesinger steht zum Beispiel eine gegrillte Beiried mit Blunze überbacken auf der Karte. Klingt so rich, dass ich mir die schon noch näher ansehen sollte.
Brenners Leber
PPS: Von der Blutwurst ist es natürlich nicht weit zur Leber. Demnächst bei Schmecks: Wie ich beinahe Herrn Brenners Leber im Pfarrwirt verspeist hätte. Vorerst nur soviel: Ich bestellte mir eine eigene, vom Kalb, geröstet, und es war vermutlich die beste meines Lebens. Oder jedenfalls eine der allerbesten. Das Tatar auch nicht von schlechten Kühen. Bleiben Sie dran!
Gasthaus Hiesinger im Web: http://www.hiesinger-rust.at/
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als
Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um
ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer
gelingt.