Immer neue Vorwürfe: Zu viele Menschen, zu wenig Fluchtwege

26. Juli 2010, 15:44

500.000 Menschen angemeldet, aber nur 250.000 zugelassen - Berufsfeuerwehr soll Stadt gewarnt haben - Bürgermeister schließt Rücktritt nicht aus

Duisburg - Nach der Tragödie auf der Duisburger Loveparade mit 19 Toten und mehr als 500 Verletzten geraten die Veranstalter unter dem Vorwurf massiver Sicherheitslücken zunehmend in Bedrängnis. Ein Dokument belegt offenbar die Schwachstellen des Sicherheitskonzepts bei der Großveranstaltung mit insgesamt bis zu 1,4 Millionen Besuchern. So habe der Veranstalter nicht die sonst vorgeschriebene Breite der Fluchtwege einhalten müssen.

Die Ermittlungsbehörden erwarten indessen keine rasche Aufklärung der Ursache. "Das wird Wochen, wenn nicht Monate dauern", sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp am Montag. Es müssten viele Zeugen befragt werden, die auch erst ausfindig zu machen sind. "Wir werten auch Fotos und Videos aus." Zudem würden zahlreiche Unterlagen überprüft. Die Staatsanwaltschaft hatte am Sonntag das Sicherheitskonzept der Veranstalter und der Stadt beschlagnahmt. Der wegen der Katastrophe in die Kritik geratene Duisburger Bürgermeister Adolf Sauerland schloss unterdessen seinen Rücktritt nicht aus. Von den Verletzten befand sich am Montag laut Haferkamp niemand mehr in Lebensgefahr. 

Versicherung

Der Veranstalter der Loveparade hatte sich bei der französischen AXA mit 7,5 Millionen Euro gegen Personen- und Sachschäden versichert. Ein Sprecher des Versicherungskonzerns bestätigte am Montag, wonach Rainer Schaller eine Veranstalter-Haftpflichtversicherung in dieser Höhe abgeschlossen hatte.

Fehleinschätzung der Teilnehmerzahl

Das Sicherheitsproblem bei der Loveparade hat nach Einschätzung der Deutschen Polizeigewerkschaft möglicherweise schon mit der Fehleinschätzung der Teilnehmerzahl begonnen. Der Veranstalter habe 500.000 Menschen angemeldet, sagte Erich Rettinghaus, NRW-Landesvorsitzender der Gewerkschaft, am Sonntagabend im ZDF. Die Stadt habe seiner Kenntnis nach aber nur 250.000 Teilnehmer für das Gelände genehmigt.

Man sei davon ausgegangen, dass sich die restlichen Partygänger an anderen Orten der Stadt verteilten, erläuterte Rettinghaus. Bei der Loveparade in Duisburg starben am Samstagabend 19 Menschen im extremen Gedränge an einer Unterführung vor dem Eingang zu der großen Party.

Bei der Lenkung der Menschenmassen auf das abgeschlossene Gelände des alten Güterbahnhofes hätten die Veranstalter nicht auf das sonst übliche "Entzerren des Ströme" gesetzt, sagte der Polizist. In Duisburg habe man die Teilnehmer stattdessen durch "lückenlose Information durch Beschallung" lenken wollen. Das sollte unter anderem durch Lautsprecherdurchsagen geschehen. Sie wurden aber laut Rettinghaus in dem lauten Umfeld und von den teils alkoholisierten Menschen nicht gehört und nicht beachtet. 

Berufsfeuerwehr soll Stadt gewarnt haben

Die Berufsfeuerwehr Duisburg soll Sicherheitsbedenken gegen das Abhalten der Loveparade gehabt und die Stadt auch entsprechend gewarnt haben. Das berichtete die "Kölner Rundschau" (Montagausgabe). In einem internen Vermerk der Feuerwehr an Verantwortliche der Stadt sollen die Retter demnach bereits im Oktober 2009 klargestellt haben, dass es zu gefährlich sei, die Besucher des Spektakels durch die Tunnel zu schicken. "Es wurde nicht reagiert", sagte ein Beamter der Zeitung.

Auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland soll von diesem internen Vermerk gewusst haben. Die Polizei soll dem Bericht zufolge ebenfalls Bedenken deutlich gemacht haben. In den Tagen vor dem Musikspektakel habe es eine Begehung des Festgeländes gegeben, wobei Polizisten gesagt haben sollen, dass das Areal des alten Güterbahnhofs zu klein für die Veranstaltung sei. "Wir haben unsere Bedenken ausgesprochen. Als ich am Samstagabend von den Toten gehört hatte, hatte ich Tränen in den Augen", sagte ein namentlich nicht genannter Beamter der Zeitung.

Deutscher Konzertveranstalter spricht von "Verbrechen"

Deutschlands führender Konzertveranstalter Marek Lieberberg hat den Organisatoren der Loveparade in Duisburg indessen Profitgier und Unvermögen vorgeworfen. "Das ist kein tragisches Unglück, sondern ein Verbrechen", sagte Lieberberg der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). Die Veranstalter seien der Technoparty mit hunderttausenden Teilnehmern nicht gewachsen gewesen. "Befruchtet haben sich die Geltungssucht der Lokalpolitik, die Profitsucht der Veranstalter, auf beiden Seiten gut gedüngt durch totalen Amateurismus."

Überprüfung aller Großveranstaltungen gefordert

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat nach dem Unglück bei der Loveparade gefordert, die Sicherheitskonzepte aller Großveranstaltungen deutschlandweit zu prüfen. Es könne immer zu einer Massenpanik der Besucher kommen, dies müsse vom Veranstalter einkalkuliert werden, sagte Herrmann am Montag im Deutschlandradio Kultur. Beim Münchner Oktoberfest beispielsweise gebe es für einen solchen Fall ausgereifte Konzepte.

Behörden dürften sich von Veranstaltern niemals mit dem Argument unter Druck setzen lassen, wie bedeutend eine Veranstaltung sei und wie viele Menschen diese anziehe, betonte Herrmann. "Die Sicherheit muss immer Vorrang haben." Besonders gefährdet seien Veranstaltungen, die nur ein Mal stattfänden, so der Innenminister. Beim Bau von Fußballstadien etwa werde die Sicherheit von vornherein einkalkuliert. Auf einem Gelände, auf dem einmalig eine Veranstaltung stattfinde, könne dies nicht in dieser Perfektion geschehen.

Bürgermeister schließt Rücktritt nicht aus

Der wegen der Katastrophe in die Kritik geratene Duisburger Bürgermeister Adolf Sauerland schloss unterdessen seinen Rücktritt nicht aus. "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht außer Frage", sagte Sauerland am Montag im Radio. Doch zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. "Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich", betonte Sauerland.

Sauerland sagte, er sei nach wie vor zutiefst betroffen und bestürzt. Gleichzeitig zeigte er Verständnis dafür, dass er bei einem Besuch des Unglücksorts am Sonntag von Trauernden körperlich attackiert wurde. "Da waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben. Das verstehe ich." Dennoch verteidigte Sauerland auch die Verantwortlichen der Stadt Duisburg. "Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein, dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft."

Die Stadt Duisburg plant indessen eine Trauerfeier für die 19 Todesopfer. Außerdem sollte an diesem Montag ein Kondolenzbuch ausgelegt werden, sagte Sauerland. (APA/Reuters/red)

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Wolkig
01
27.7.2010, 23:13
einfach nur furchtbar...

ich bin keine expertin, aber wenn ich mir überlege, dass nur ein enger begrenzter tunnel zu einem solchen megaevent führt, macht das sogar mich stutzig. und dann gibt es noch experten bzw. politiker welche das erlauben und dann angesichts der Katastrophe ihre Schuld nicht eingestehen können oder wollen. Andererseits verstehe ich aber auch nicht, wie man so in Panik geraten kann, dass man andere Leute zertrampelt, immerhin ist ja kein Feuer ausgebrochen oder Ähnliches. Mit etwas mehr Geduld der Raver wäre vielleicht weniger passiert.

Marvin Stiefel
01
27.7.2010, 15:30
Bei Spiegel - Online

läuft ein sehr erhellender Bericht über die chaotischen Zustände bei der LP.

http://www.spiegel.de/flash/fla... 23952.html

Andreas N
01
27.7.2010, 06:54
Also das beste ist

Massenveranstaltungen ab 100.000 Leuten nicht mehr zuzulassen. Weil schuld sind nur die Veranstalter und behörden und nie die Leut die sich da ins getümmel drängen

a z
01
27.7.2010, 12:19

Schauen sie sich bei jeder Veranstaltung die Gegebenheiten und zur Verfügung gestellten Flächen immer genau an? Absperrgitter sind im Vorhinein eh nicht zu sehen. Und wenn ein Veranstalter einen Event ausruft bei dem bisher immer über eine Mill Menschen kamen, dann geh ich davon aus, dass die Gegebenheiten dahingehend gewählt werden. Und ich denke mir nicht im Vorfeld, dass der Platz nur für 1/5 der Menschen reicht und der Rest nach Stundenlangem hinweg einfach vor verschlossenen Türen steht.

Andreas N
00
27.7.2010, 12:37
Ich gehe nir......

.... zu solchen Veranstaltungen und ich meide generell Menschenmassen , 2 mal Donauinselfest in den 90igern hat mir gelangt....

High Hopes
00
27.7.2010, 14:28
Und was für Sie gut ist,

muß natürlich für den Rest der Menschheit auch reichen, nicht?

a z
01
27.7.2010, 13:36

Und weil sie nicht hingehen entbinden sie die Veranstalter und Planer der Verantwortung?
Ich fliege nie also wozu Flugzeuge warten.

Dieses Desaster war Hausgemacht und ein Verbrechen gegenüber einer Subkultur.
Wie beim Stillleben gesehen. Wenn das eigene Klientel unterhalten werden soll, dann werden keine Kosten und mühen gescheut.

a z
02
27.7.2010, 12:01

Solange man sie nicht einpfercht ist alles im Grünen bereich. Aber da stehen halt wirtschaftliche Interessen gegen den willen des freien Feierns und Party machen. Und ja noch mal: 1,4 mill auf ein Gelände für 250k zuströmen zu lassen ist Sache der Veranstalter und Planer (es hätte genug weitläufige alternativen gegeben).

Robert Paladin
02
27.7.2010, 01:39
Diese Video sollte man sehen!

unglaublich welchen Pfusch die Veranstalter und Einsatzleitung hier geleistet hat. 1 Ein- und Ausgang!!! Eine Menschenfalle sozusagen.

http://www.youtube.com/watch?v=8aTXT3ht8VU
http://www.youtube.com/watch?v=xxd_KlaCiNY
http://www.youtube.com/watch?v=XKo3rb5R_Dc

DeKa
20
26.7.2010, 23:24
Wie war das mit den Verantwortlichen in Brüssel o.ä. Fällen?

Wurden die Verantwortlichen gefunden und verknackt oder waren das auch so Farce-Fälle wie Kaprun, wo bis heute noch nicht der Mörder zur Verantwortung gezogen wurde - dank der Vetternwirtschaft in der Justiz und Wirtschaft!?

Nicht schon wieder
06
26.7.2010, 21:44
Eine Verrücktheit

sondergleichen ist es, eine Massenveranstaltung faktisch in einer Betongrube mit einem einzigen winzigen Ausgang durchzuführen.
Die örtlichen Politiker und der Veranstalter sind hirnlose Volltrotteln.

Rudi Lechner
80
26.7.2010, 22:44

Es fehlt den Deutschen einfach die österreichische Verschnarchtheit. Wer nix macht, macht auch nix falsch.

galiontariaho
05
27.7.2010, 10:25
also... höflich ausgedrückt..

sie sind einer der größten k*ffer in diesem forum.

werden sie doch endlich europäer, hier gehts nicht um deutschland-bashing sondern das fehlverhalten beteiligter personen wird beobachtet und kommentiert. ob dieses problem in deutschland, frankreich oder österreich passiert ist interessiert nicht.

sie peinlicher parade-piefke (ich kenne sonst niemanden, der dem lächerlichen klischee entspricht, sie aber schon) bringen mich nicht dazu wegen ihrer lächerlichkeit jetzt alle deutschen als lächerlich zu bezeichnen.
ich halte sie hier für die negative ausnahme.

ansonsten wieder zurück ins fußballforum, da interessiert sich vielleicht jemand für ihre peinlichkeitne, das thema ist zu seriös für sowas wie sie.

Eliaine
03
27.7.2010, 01:14
Was für eine Paranoia

leben Sie hier eigentlich aus? Das ist nicht das erste Mal, dass ich ein Österreicher -Bashing von Ihnen lese, ohne dass Ihnen irgendwer was getan hat.
Noch dazu ohne jeden thematischen Zusammenhang.

Christina Alba
00
26.7.2010, 20:54
Noch mehr Tote.

Gerade vor ein paar Minuten ist die 20te Person gestorben. :(
Eine weitere Person liegt auch noch in Lebensgefahr.

the hag o'hags (aka Esme Weatherwax)
00
26.7.2010, 21:03
:-(

Und es ist zu befürchten, dass von den Überlebenden noch eine ganze Reihe nie mehr aus dem Koma erwachen wird und mit schwersten Gehirnschäden den Rest des Lebens dahinvegetieren wird.

Aracni Santini
31
26.7.2010, 20:51
Hirnlose scheinen auch dabei gewesen zu sein

die vielleicht andere unnötig angestachelt haben, ohne Rücksicht auf Verluste, wie man in manchen Interviews klar bemerkt. Von der Polizei aufgefordert ruihig zu sein und abzuwarten, nur Party gröhlend, den Vorzaun stürmen, wahrscheinlich noch stolz darauf, Vorkontrolleure, die selbst Panik bekamen wegen dem Druck der sich schon an den Vorbremsen aufbaute und die Leute noch schneller durchließ auf Grund mangelnder Information.

Nicht schon wieder
11
26.7.2010, 21:48
Die Hirnlosen

sind allerdings in erster Linie die örtlichen Politiker und die Veranstalter:
Bei einer Massenveranstaltung nur ein einziger winziger Ausgang!

Malamute-Power
00
26.7.2010, 20:16
Statement des Duisburger Bürgermeisters auf seiner HP

http://www.adolf-sauerland.de/

Seine komplette HP ist praktisch außer Funktion, kann sich denken warum.

Hier z.B. geht es heftig zur Sache, was Wunder wenn der Bürgermeister da abtaucht:
http://www.derwesten.de/staedte/d... 86140.html

Jürgen Rembremerding
10
26.7.2010, 22:22
Ich finde an dem Statement wenig auszusetzen

Malamute-Power
03
26.7.2010, 23:30
Da gehen unsere Meinungen wieder weit auseinander

Dieses Statement: Leere Phrasen, Worthülsen und Allgemeinplätze. Garantiert von einem Pressesprecher aufgesetzt.

Drei Sätze hätten schon genügt!

Ich entschuldige mich bei allen für das große Leid, das ich mitverursacht habe.

Ich versuche alles mir mögliche, um schonungslos aufzuklären wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte.

Ich trete danach von meinem Amt als Bürgermeister der Stadt Duisburg zurück!

Ich bin wohl zu naiv um so etwas von einem Politiker, nach dazu von einem Christlichen, dies zu erwarten.

Wie in D üblich wird nichts passieren, er und alle anderen bleiben auf ihren Sesseln kleben.

Wie beim Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall vor über vier Jahren. Niemand hatte Schuld.........

Schland oh Schand.....

a z
00
27.7.2010, 02:42

Deutschland ist in der Quote zurückgetretener Politiker aber schon meilenweit vor den Sesselklebern in Wien (nicht nur seit 2000). Aber auch egal ist ein anderes Thema.
Sauerland steht mächtig unter Druck (und das ist gut so). Zeitweilig wurden am Montag schon mit sicherem Rücktritt gerechnet. Mal sehen. Für diese Veranstaltung ist m.E ein Rücktritt noch viel zu wenig.

Christina Alba
02
26.7.2010, 21:46

Gestern als ich bei dem Tunnel war, um dort eine Kerze hin zustellen kam der Herr Sauerland dazu.
Er wurde von den Menschen beschimpft und mit sachen beworfen.
Er wird sein Amt hoffentlich bald zurück ziehen, denn auch er hat Teilschuld.

aereo
02
26.7.2010, 20:08

Dass der Oberbürgermeister von Duisburg in der Vorbereitungszeit kein Gespräch mit den Sicherheitsbeauftragten der Feuerwehr u.a. geführt hat (Artikel Süddeutsche) sondern alles delegiert hat ist schon seltsam.
Nicht daß er himself alles besser gemacht hätte aber zum Ordenstragen und füt seine Pensionsansprüche reicht das Selbstverständnis bzgl. Verantwortung ja auch, also hat er auch die Abwicklung der weitaus größten Veranstaltung des Jahres zu verantworten.

Die Verantwortung der Veranstaltungsfirma ist zudem natürlich auch gegeben.

Jürgen Rembremerding
10
26.7.2010, 22:24
"sondern alles delegiert hat ist schon seltsam"

Ist eher normales Vorgehen großer kommunaler Verwaltungen.

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