Thomas Trenkler

Man muss ruhig darüber reden

25. Juli 2010, 18:32

Diethard Leopold scheint ernsthaft interessiert, das Problem "Raubkunst" zu lösen

Wie wahr: "Man kann nicht ruhig darüber reden." Diese Erkenntnis des jüdisch-österreichischen Schriftstellers Hans Weigel in einem Buch über Antisemitismus galt bisher auch, wenn das Gespräch auf das Museum Leopold und seinen Umgang mit geraubter Kunst kam.

Schon vor etlichen Jahren war die Debatte in einen Stellungskrieg übergegangen. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) forderte die Aufarbeitung der Provenienzen und die Rückgabe von Kunstwerken, die in der NS-Zeit gestohlen worden waren. Rudolf Leopold und sein Stiftungsvorstand hingegen pochten auf das Recht: Man sei kein Bundesmuseum - und daher nicht zur Restitution verpflichtet. Zudem stritt man ab, dass es, abgesehen von Häuser am Meer, so etwas wie Raubkunst überhaupt gäbe: Die IKG und die Medien würden einfach nur Verdächtigungen in den Raum stellen.

Selbst in eindeutigen Fällen - wie im Fall Oskar Reichel - gestand man keinen Handlungsbedarf ein: Rudolf Leopold habe, so die unentwegte Beteuerung, alle Kunstwerke im guten Glauben erworben. Die Weigerung der Stiftung, sich "proaktiv" mit dem Problem auseinanderzusetzen, provozierte wiederum die Gegenseite: Im November 2008 riegelte die IKG das Museum Leopold, zum "Raubkunstmuseum" erklärt, in einer überfallartigen Aktion mit Absperrbändern ab.

Doch nun, nach der Einigung mit den Erben nach Lea Bondi-Jaray über das Bildnis Wally, scheint man in der Stiftung etwas anders zu denken. Dass es dazu kommen konnte, ist Leopold selbst zu verdanken: Wenige Tage vor seinem Tod berief er seinen Sohn in den Vorstand - als Ersatz für den Anwalt Martin Eder, der das Bagatellisieren zum Maxime erhoben hatte.

In mehreren Interviews vermittelte Diethard Leopold glaubhaft, dass er an einer raschen wie auch vernünftigen Lösung interessiert ist. Er schlug daher vor, das Gemälde Häuser am Meer, das einst der Seidenfabrikantin Jenny Steiner gehört hatte, zu versteigern und den Erlös zwischen den Erben und der Stiftung aufzuteilen. Als Vorbild dient ihm die gütliche Einigung im Zusammenhang mit Gustav Klimts Kirche in Cassone: Der Eigentümer, wiewohl Privatperson ohne Restitutionsverpflichtung, gab das Bild an die Erben nach Amalie Redlich zurück und diese teilten mit ihm den Gewinn.

Doch die Antwort der IKG auf Leopold fiel hart aus: Der Vorschlag sei "geschmacklos" und abzulehnen. Die Kultusgemeinde hat starke moralische Argumente auf ihrer Seite. In der Causa Jenny Steiner ist sie aber, was sie nicht gerne eingesteht, Partei. Denn sie vertritt drei Viertel der Erben (das Technion Institute in Haifa, die Gallaudet University in Washington und das Foundling Hospital in New York).

Theoretisch könnten die Erben das Bild in ferner Zukunft zurückbekommen: dann, wenn die Sammlung nach Auflösung der Stiftung in Bundesbesitz übergegangen ist. Doch in Wien lebt eine betagte, von Alfred Noll vertretene Dame, die ebenfalls erbberechtigt ist. Ihr wäre eine Einigung zu Lebzeiten durchaus recht.

Diethard Leopold, von Beruf Psychotherapeut, würde wohl gerne vermitteln. Doch er ist, wie die IKG, Partei. Sich eines Mediators zu bedienen, scheint aber nicht die schlechteste Idee sein - im Sinne der Republik, die viele Schritte zur Wiedergutmachung gesetzt hat. Dass die Stiftung einen fairen Preis zu zahlen bereit ist, hat sie mit den 14,8 Millionen Euro für das Bildnis Wally bewiesen. Man muss ganz ruhig darüber reden. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 26.07.2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
Michael Seeber
02
26.7.2010, 16:46

liebe IKG,

dass mit der teilung scheint mir doch vernünftig. die erben bekommen wiedergutmachung, und die hälfte git man dem museum weil ohne dieses wäre "häuser am meer" ein butterbrot wert.

p-hammer
02
26.7.2010, 13:20
Historische Versäumnisse und (zu) viele Erben

Der Artikel zeigt ein Hauptproblem der Restitutionsdebatte auf:
Ursächlich ist die Nichtauseinandersetzung mit den Arisierungen und Abpressungen, weil Österreich doch Opfer war. Dadurch wurden hinsichtlich der Restitution Jahrzehnte verloren. Nun müssen Erben "fingiert" werden ("Erben nach xy"), weil niemand sagen kann, wer der möglichen Erben, das Bild tatsächlich bekommen hätte. Dabei ist sicher, dass niemand ein Kunstwerk mehreren Erben (noch dazu wie hier drei juristischen Personen und einer natürlichen in 4 Städten/2-3 Kontinenten) vermachen würde.
Daher wollen die jP einfach nur Geld sehen und daher das Bild versteigern.

Die drei hier genannten jurist. Personen sind im Übrigen keinesfalls "Opfer" und verdienen auch kein Mitleid.

tellerrand1
04
26.7.2010, 12:38
Wie oft noch?

In mehreren Berichten steht, daß das Gemälde seitens der Republik bereits einmal restituiert und wieder zurückgekauft wurde (allerdings an die falschen). M. E. müsste die jetzige Restitution von den damaligen Begünstigten beglichen werden!

adele.x
00
26.7.2010, 20:04

können Sie das auch für alle anderen belegen?

tellerrand1
00
27.7.2010, 14:28

wurde nur über diesen Fall berichtet, was bei den anderen "gedreht" wurde entzieht sich meiner Kenntnis.

shiny.b
01
26.7.2010, 10:33
ich habe nichs gewusst

und ich würde es für sehr schön finden wenn in museum (würscht ob leopold oder albertina), gleich am eingang eine kurze gedenktafeln an allen geraubten, ungebrachten und vegasten gebe. Eventuell mit einer kleinen sammlebuchse für die kosten von so ein prozess.

Elfmeter
011
26.7.2010, 08:31
Was immer das Ergebnis dieser "Provinienzthemen" ist......

es bleibt der Geschmack von Gier, Neid und juristischem Gezänke, um zu viel Geld noch mehr dazuzutun. Ist es auf Leopolds Seite vielleicht die "Gutgläubigkeit", die in so manchem Fall im Zweifel steht, ist's auf der anderen Seite eine kaltschnäuzige Professionalität, um aus der "Wiedergutmachung" ein einträgliches Geschäft zu machen.

me phisto
02
26.7.2010, 12:29
provokant formuliert ...

könnte man mittlerweile von einem sehr professionell organisierten "restitutionsplünderzug" mit ordentlich emotionalen "begleitgetöse" von historischer schuld und dgl. sprechen. in dieser atmosphäre "ruhig zu reden" wird nicht leicht möglich sein, denn da könnten ja evtl. pragmatische lösungen herauskommen, die den mehrwert mindern.

es geht auch darum den angelsächsischen eigentumsbegriff der hiesigen rechtsordnung des römischen rechts, das auch einen gutgläubigen erwerb unter bestimmten voraussetzungen kennt, überzuordnen. daran verdienen heerscharen von kanzleien und wenn es zur restitution kommt, danach weitere heerscharen an institutionen, die ihre "aufwände" entsprechend entschädigt sehen wollen. es ist "nur" ein geschäft, leider!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
27.7.2010, 13:45
siehe auch der Artikel (im Spiegel voriges Jahr)

eines Erbens der seinerzeit Geschädigten, der heute in London Ausstellungskurator etc. ist, und der dafür plädiert, im Interesse vollständiger und didaktisch wertvoller Museen die ganzen Restitutionsfragen für beendet zu erklären.

Erisian Liberation Front
11
26.7.2010, 11:17
Auch wenn es hier unbeliebt ist

Das Thema wird bislweilen auch anders gesehen:
http://www.andreas-unterberger.at/2010/07/f... -heimkehr/
Da gibt es ein paar lesenswerte Posts.

miriam7
31
26.7.2010, 12:10
Das Thema wird bislweilen auch anders gesehen . . .

Ja - unterbergerisch eben.
Und dementsprechend sind auch die Kommentare.
Lesenswert daran ist gar nichts - die Dummheit der Menschen kann als bekannt vorausgesetzt werden.

Miststierler
24
26.7.2010, 07:50
Wurden die Kunstwerke von den "Beraubten" redlich erworben oder unter Ausnutzung einer Notlage des Vorbesitzers?

Hat der Ludwig geraubt?

Wird im Krieg geraubtes Gut immer zurückgegeben, auch von den Israelis?

Fragen die überflüssig wären, wenn Kriegsbeute wie früher behandelt wird. Als Beute wir Österreicher als Untertanen der Grokonellen;-)

Wer gibt uns etwas zurück?

walter kogler
12
26.7.2010, 11:58

es geht bei all diesen fällen nicht um so genannte "beutekunst" während des krieges, sondern um enteignungen und erpressungen vor kriegsbeginn. und nicht um ludwig, sondern leopold. und überhaupt haben sie glaub ich gar nichts verstanden

Weltenbürger Demosthenes
19
25.7.2010, 21:23
Information

Als Information wäre es wichtig zu wissen, was Egon Schiele für seine Bilder als Honorare erhalten hat, was die damaligen Käufer für die Bilder gezahlt haben.

Dann könnte man beurteilen, welche Wertsteigerungen die Bilder durch die fantische Arbeit Rudolf Leopolds erfahren haben, was wohl der Hintergrund des Teilungsvorschlags des Sohnes ist.

Nach 1945, das weiss man und ich selbst durch Kleinkäufer einiger Blätter, die sich nach dem Erfolg von Leopold bei/mit Schiele ab 1970 herum zu Tod geärgert haben, weil sie nicht mehr gekauft hatten, sie hatten dafür Preise von Butterbroten gezahlt, so billg war der damals Schiele.

Ich wär auch dafür, die Erben Schieles an der Wertsteigerung zu beteiligen, wie die Erben von Musikern/Autoren.

miriam7
40
26.7.2010, 12:24
was die damaligen Käufer für die Bilder gezahlt haben.

Es ist völlig irrelevant, was die damaligen Käufer für die Bilder gezahlt haben. Sie haben sie gekauft, zum damaligen Marktpreis, und haben damit dem Künstler Leben und Arbeit ermöglicht. Wenn niemand Nitsch (oder einen Anderen der Zeitgenossen) gekauft hätte, als er noch leistbar war, würde Nitsch heute nicht gehandelt und die Bilder hätten nicht den Wert, den sie haben.

"welche Wertsteigerungen die Bilder durch die fantische Arbeit Rudolf Leopolds erfahren haben"
Wertsteigerung erfahren Kunstwerke - so wie alles andere auch - durch Angebot und Nachfrage. Und die Nachfrage eines Herrn Leopold alleine hätte am Wert der Bilder absolut nichts geändert.

hed
01
28.7.2010, 13:25
bloß wird die nachfrage nach kunstwerken von sammlern wie leopold bestimmt

Erisian Liberation Front
03
26.7.2010, 15:44
Dann

ist ja völlig OK, wenn man den damaligen Kaufpreis als Zahlung restitutiert.

miriam7
30
26.7.2010, 16:06
ist ja völlig OK, wenn man den damaligen Kaufpreis als Zahlung restitutiert

Keine Ahnung wo in meinem Posting Sie das lesen!

Es ist völlig OK, wenn man den ehemaligen Besitzern den heutigen Wert zahlt. Wenn sie heute noch in deren Besitz wären, hätten sie die gleiche Wertsteigerung erfahren oder sie hätten die Bilder irgenwann in der Zwischenzeit zu einem ordentlichen Preis an Herrn Leopold oder andere verkauft.

Oder sie würden sie ganz einfach zu Hause an der Wand haben, als Erinnerung daran, daß sie einmal eine Familie und vielleicht auch ein bisschen "Vermögen" hatten.

Weltenbürger Demosthenes
01
28.7.2010, 14:00
Unwahr

Das der Wert Schieles ohne Leoplod analog gestiegen wäre ist eine unwahr-unsachliche und lächerlich-polemische Tirade.

Ich hasse die verbrecherische Nazibande wie Sie, nur den Blick auf Sachverhalte darf das nicht verstellen.

weltfremder
03
26.7.2010, 12:52

Diese naive Sicht von Angebot unt Nachfrage kann man so sicher nicht gelten lassen. Hr. Leopold hat durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit die Bekanntheit der Künstler und damit auch die Nachfrage massiv beeinflusst! War schon eine geniale Leistung, einen relativ unbekannten, guten aber unterbewerteten Künstler zu finden und in schwindelerregende (Preis) Höhen zu katapultieren.

Prof. Alois
 
03
25.7.2010, 19:24
Was so dringend fehlt

Was in diesen Beiträgen so dringend fehlt, ist eine Gegenüberstellung wie die diversen Rechtssyteme mit dem gutgläubigen Erwerb von zuvor unrechtmäßig erworbenem umgehen. In Österreich scheint es ja durchaus so zu sein, dass man unter Umständen Eigentum erwerben kann, selbst wenn der, von dem man es erworben hat, nicht ganz koscher agiert hat.

hcl
22
26.7.2010, 11:19

Normalerweise erfüllt das den Tatbestand der Hehlerei. Das Problematische ist eher, daß man nicht sofort nach dem Krieg diese Fälle untersucht hat. Hätte viel Ärger erspart.

hed
00
28.7.2010, 13:25
nix hehlerei

und in österreich gilt immer noch österreichisches recht

Erisian Liberation Front
01
26.7.2010, 11:16
Ganz einfach

es gilt österreichisches Recht und kein anderes.
Und daher gilt der §367 des ABGB.

Cronos
01
26.7.2010, 11:15

Interessant wird es dann, wenn der Verkäufer der Staat ist, wie es bei einigen Bildern von Leopold der Falls ist.

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