Zum dritten Mal in Gelb über den Champs Elysees - Cavendish gewinnt Schlussetappe vor Grüntrikot-Gewinner Petacchi
Paris/Wien - Mit dem allgemein erwarteten insgesamt dritten Gesamterfolg des Spaniers Alberto Contador endete am Sonntag auf den Champs-Élysées zu Paris die 97. Tour de France. Der Titelverteidiger, der die "Große Schleife" 2007 erstmals für sich entscheiden konnte, setzte sich schlussendlich unerwartet knapp gegen Andy Schleck durch, der im Gegensatz zu seinem Bezwinger auch Tagessiege feierte, nämlich zwei. Den letzten Tagessieg des Jahres genoss Mark Cavendish, der damit auch noch Platz zwei in der Sprinter-Wertung einheimste.
Contador konnte dem Luxemburger im Zeitfahren über 52 Kilometer von Bordeaux nach Pauillac am Samstag nur genau jene 39 Sekunden abnehmen, die er am vergangenen Montag während der ersten Pyrenäen-Etappe, einen Defekt Schlecks nutzend, nach Meinung einiger Beobachter unsportlich herausgeholt hatte. Im Nachhinein gesehen war das eine kluge Entscheidung des 27-jährigen Madriders gewesen. Wären Contador und Schleck am Samstag auf die Sekunde genau gleichauf gelegen, wären die exakten Ergebnisse - bis auf die Tausendstel - aus den beiden Zeitfahren genommen worden. Da hatte Schleck um 640 Tausendstel die Nase vorne.
Contador gestand "Momente, in denen ich schwächelte. Am Ende ist es doch gut gelaufen. Es hing alles an einem seidenen Faden."
Im Vorjahr hatte noch Lance Armstrong mit dem Sieger und dessen Vize Schleck das Abschlusspodium geschmückt. Bei seiner 13. und letzten Tour enttäuschte der Texaner, am Ende reichte es nur zu Rang 23 mit fast 40 Minuten Rückstand auf Contador. Immerhin, mit Radio Shack gewann Armstrong noch einmal die Mannschaftswertung.
Die letzte tour d'honneur, also Abschlussetappe, genoss der bald 39-jährige Texaner am Sonntag in vollen Zügen. Danach reiste der siebenmalige Toursieger in die USA. "Ab jetzt wartet das Privatleben auf mich. Wenn mich einer sucht, findet er mich am Strand." Und wohl bald vor Gericht. Chefermittler Jeff Novitzky sehnte das Ende der Tour herbei. Da Doping in den USA nicht strafbar ist, will er Armstrong wegen Betrugs und Verschwörung im früheren Team US Postal auf der Anklagebank sehen. Der gab sich in Paris noch gelassen. "Es sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann jemanden nicht für etwas bestrafen, was er nicht getan hat."
Dennoch hat Armstrong Staranwalt Brian Daly engagiert. Respekt vor Novtizky ist schließlich angebracht. Der kahlköpfige Zwei-Meter-Mann hat schon Sportstars wie Sprinterin Marion Jones oder Baseball-Ikone Barry Bonds zur Strecke gebracht. Am Freitag sollen erste Zeugen in San Francisco zum "Fall Armstrong" aussagen. Ins Rollen hatte die Sache Floyd Landis gebracht.
Anti-Weihnachtsmann
Der 34-Jährige, dem der Toursieg 2006 wegen Dopings aberkannt worden war, bekräftigte seine Anschuldigungen erstmals in einem TV-Interview. "Irgendwann ist es an der Zeit, den Kindern zu sagen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Ich hasse es, der Typ zu sein, aber es ist einfach nicht wahr" , sagte der 34-Jährige dem Sender ABC. Landis gab an, dass er gesehen habe, wie Armstrong Bluttransfusion erhielt und leistungssteigernde Mittel nahm. Auf die Frage, ob Armstrong ein Betrüger sei, antwortete er allerdings eher ausweichend: "Wenn er die Tour nicht gewonnen hätte, hätte es eben ein anderer Gedopter getan." (sid, lü, DER STANDARD Printausgabe, 26.7.2010)