Nirgendwo sollen so viele Banken gefährdet sein wie in Spanien, aber trotzdem wertet man die Ergebnisse des Bankenstresstests als Erfolg
Madrid - Wenn die europäischen Börsen am Montagmorgen öffnen, kommt für Spanien die Stunde der Wahrheit. Zwar haben die meisten spanischen Banken den Stresstest der europäischen Bankenaufsichtsbehörde CEBS mit Bravour bestanden, doch sind unter den sieben durchgefallenen Finanzinstituten vier Sparkassenverbände und eine Sparkasse aus Spanien. Doch zumindest in Spanien blieb die Aufregung aus.
Denn der Stresstest wird als Erfolg für das spanische Finanzsystem gefeiert. "Der Test war hier transparenter und umfangreicher als im restlichen Europa", sagte der Vorsitzende des spanischen Bankenverbandes Miguel Martín. Er verweist darauf, dass in Spanien 95 Prozent der Banken getestet wurden, während sich viele andere Ländern mit den vorgeschrieben 50 Prozent zufriedengaben.
"Außerdem war der Test hier härter", fügt Martín hinzu. Die Prüfer des CEBS gingen im Falle Spaniens von einem erhöhten Risiko durch die geplatzte Immobilienblase aus. So legte das CEBS einen Verfall der Wohnungspreise von 28 Prozent und bei Grundstücken von 61 Prozent zugrunde. Dies würde die Sparkassen stark dekapitalisieren.
Durch hohe Investitionen im Immobiliensektor sind die Kassen der fallenden Zahlungsmoral der Kreditkunden stärker ausgesetzt als die Banken. Grundstücke und Immobilien, die die Sparkassen von Gläubigern einbehalten haben, sind nur schlecht zu verkaufen. Daher sind beim Test die fünf spanischen Institute auch durchgeflogen.
Insgesamt bräuchten die durchgefallenen vier Kassenverbände und eine Sparkasse zwei Milliarden Euro, um selbst im getesteten Fall auf eine Eigenkapitalquote von sechs Prozent zu kommen. Für den 2008 im Rahmen der Finanzkrise gegründeten Sicherheitsfond mit seinen neun Milliarden Euro ist dies machbar, zumal zwei Problemfälle bereits versorgt sind.
Blaues Auge für die Großen
Die durchgefallene Caja Sur aus Córdoba wurde mittlerweile von der solventen baskischen BBK übernommen. Und die ebenfalls durchgefallene Banca Cívica hat am Freitag 450 Millionen Euro beim amerikanischen Fonds J.C. Flowers aufgenommen. Die Amerikaner könne die Schulden jederzeit in Aktien der Banca Cívica umwandeln.
Solche privaten Teilhaber sind bei den öffentlichen Sparkassen erst seit wenigen Monaten möglich. Die Regierung des Sozialisten José Luis Rodríguez Zapatero hat die Gesetzgebung für die 45 Sparkassen des Landes geändert, um den Sektor zu konzentrieren. Entstehen sollen 15 große Verbände, der Einstieg privater Anleger ist ausdrücklich erwünscht.
Die beiden größten Sparkassen Spaniens, Caixa aus Barcelona und Caja Madrid, kamen beim Stresstest mit einem blauen Auge davon. Caixa erreichte eine Eigenkapitalquote von 7,7 Prozent, Caja Madrid liegt nur bei 6,3 Prozent.
Kritiker des neuen Kassensystems sehen sich durch diese Zahlen bestätigt: Sie warnen vor der Konzentration der Sparkassen. Da die meisten Institute ähnlich stark von der Immobilienkrise betroffen seien, könnte ein Zusammenschluss die Probleme erst recht verstärken. (Reiner Wandler aus Madrid, DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2010)