"Wichtiger als ethnische und konfessionelle Unterschiede sind die gemeinsamen Werte"
Bukarest - Der rumänische Präsident Traian Basescu und der ungarische
Premier Victor Orban haben am Wochenende im siebenbürgischen Baile Tusnad
(Tusnádfürdö/Bad Tuschnad) im Rahmen der Sommeruniversität "Tusvanyos 21"
Ansprachen zum Thema "Zentraleuropa - Das Zentrum Europas?" gehalten. Es ist das
erste Treffen zwischen Basescu und Orban seit dem Amtsantritt des ungarischen
Regierungschefs. Mit der Aussage, dass es ein Fehler wäre, zu glauben, dass man
eine Region auf Basis der Geografie, auf "unangenehmen historischen
Ereignissen", auf einer Ethnie und auf konfessionellen Unterschieden aufbauen
könnte, ließ der rumänische Präsident aufhorchen. "Es ist nicht die Religion,
nicht die Ethnie, nicht die Geografie, nicht die Geschichte, die die Wichtigkeit
einer Region konsolidieren, sondern die Werte", fügte Basescu hinzu.
Damit reagierte der rumänische Staatspräsident auf die gestrigen Aussagen des
Europaparlaments-Vizepräsidenten Laszlo Tökes, der im Rahmen der gleichen
Veranstaltung seine Unterstützung für das Anliegen der Autonomie für die
mehrheitlich von Ungarn bewohnten Regionen in Zentralrumänien ausgedrückt hatte:
"Wenn der Kosovo seine Unabhängigkeit erreichte, kann auch das Szeklerland seine
Autonomie erreichen", so Tökes. Am Samstag erklärte Tökes, dass "die rumänischen
Nationalisten einen Fehler begehen, wenn sie behaupten, dass wir ihnen
Siebenbürgen wegnehmen wollen".
"Pfeiler der Konsolidierung
Zentraleuropas"
Während Orban erklärte, dass "zwischen mir und Präsident Basescu ein
freundschaftliches Verhältnis herrscht" und "die Beziehungen zwischen Rumänien
und Ungarn besser sind als bisher", betonte Basescu, dass "die
rumänisch-ungarische Aussöhnung einen der Pfeiler der Konsolidierung
Zentraleuropas" darstelle. Basescu sagte zudem, dass die Wirtschaftskrise die
Schwächen der ökonomischen Systeme der europäischen Länder aufgezeigt habe. Laut
Orban sei der Kapitalismus "spekulativ" geworden. "Der westliche Kapitalismus
befindet sich in einer Krise, auch wenn Politiker und Geschäftsleute dies nicht
gerne zugeben". "Jetzt wissen wir nicht mehr, wie wir dem Staat eine größere
Rolle zuschreiben sollen", sagte Orban und betonte, dass "die westliche
Wirtschaft gerade von den Regierungen vor der Katastrophe gerettet wurde".
Basescu dankte den rumänischen Ungarn für die "außerordentliche
Unterstützung", die sie ihm bei der letzten Präsidentschaftswahl
entgegengebracht hatten - im zweiten Wahlgang hatten 75 Prozent der ungarischen
Minderheit für Basescu gestimmt. (APA)