Kein Fremdwährungsrisiko und keine Staatspleiten

23. Juli 2010, 18:44
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Analysten bezweifeln nachhaltige Aussagekraft von Stresstests - Unsicherheitsfaktor Osteuropa

Wien - Der europäische Bankenstresstest war eine große Geheimoperation. Notenbanken, Kreditinstitute und der Europäische Ausschuss für Bankenaufsicht (CEBS) haben ihre Vorgehensweise bis zuletzt unter Verschluss gehalten. Selbst am Freitag blieb vieles vertraulich, einige Infos darüber, wie die Banken durchleuchtet wurden, gibt es nun aber.

Angenommen wurde bei den Tests ein zweijähriger Abschwung: Die Wirtschaft der EU wächst in dem Szenario 2010 nicht, 2011 kommt ein BIP-Rückgang von 0,4 Prozent dazu. Jede Notenbank konnte verschärfte Annahmen treffen - so wurde in Österreich ein härterer Abschwung für Osteuropa angenommen, um dem Ostrisiko der Banken gerecht zu werden. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse wird dadurch freilich schwerer. Hinzu kommen weitere Probleme:

Nicht explizit gestresst wurden Banken auf das Fremdwährungsrisiko. Die österreichischen Kreditinstitute haben in Osteuropa Fremdwährungskredite in Höhe von 120 Milliarden Euro liegen. Das sind knapp 50 Prozent des gesamten Kreditobligos, das die Osttöchter der heimischen Institute in der Region aushaftend haben.

Ein Verfall von Forint und Co wurde nicht simuliert, in Ländern mit hohem Fremdwährungsanteil sei generell eine höhere Ausfallsrate bei den Kreditrückzahlungen angenommen worden, heißt es.

Kritik gibt es aber auch wegen der Annahmen über die Probleme von Staaten. Bei von Banken gehaltenen Staatsanleihen wurde ein Kursverfall simuliert, bei griechischen Papieren ein Verlust von 23,1 Prozent angenommen.

Allerdings mussten Banken Abschläge nur auf Staatspapiere vornehmen, die sie im Handelsbuch halten. Im Handelsbuch hält eine Bank Papiere, die sie irgendwann verkaufen will. Die meisten Staatsanleihen liegen aber im Bankbuch. Dort sind sie nicht zum Verkauf bestimmt sind und werden bis zur Fälligkeit gehalten. Dass Verluste im Bankbuch nicht simuliert wurden heißt, dass im Stresstest keine Staatspleiten angenommen wurden.

Hinzu kommen methodische Unwägbarkeiten. Stresstests werden häufig von Notenbanken und Kreditinstituten durchgeführt, die größte Schwierigkeit ist dabei, wie akkurat die Umrechnungen sind. Zum Beispiel: Was bedeutet es für die Zahlungsfähigkeit von Bankkunden, wenn die Wirtschaft um 0,4 Prozent schrumpft? Großbanken durften diese Berechnungen alleine vornehmen, die Notenbanken prüften nach.

Für Österreich verknüpft die Notenbank dabei Daten über Kreditausfälle der letzten 30 Jahre in einzelnen Branchen mit der Entwicklung der Gesamtwirtschaft. Auf Basis dieser Zeitreihen können Bankportfolios durchgesehen werden. Angewendet auf einzelne Banken sind diese Daten mit Unsicherheitsfaktoren verbunden, weil die Umrechnung nur "sehr grob" funktioniert, sagt WU-Professor Stefan Pichler. Hinzu kommt, dass gerade für Osteuropa lange Zeitreihen fehlen.(András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24/25.7.2010)

 

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