Traumfälschung mit Verschwiegenheitsklausel

23. Juli 2010, 18:30
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    foto: warner

    Einiger Erklärungsbedarf: Christopher Nolan (re.) gibt seinem Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio am Set seines Blockbuster-Filmrätsels "Inception" Instruktionen.

Christopher Nolan gilt seit seinem Thrillerrätsel "Memento" als der Illusionskünstler unter den Filmregisseuren

Kommenden Freitag läuft seine jüngste Arbeit "Inception" in den heimischen Kinos an.

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Wien - Für Christopher Nolan ist sein jüngster Blockbuster auch ganz einfach ein "Film übers Filmemachen" : Es geht in Inception um ein Team von Spezialisten, das über die Möglichkeit verfügt, ins Unbewusste seiner Opfer einzudringen und deren Träume zu manipulieren. Und das sei doch gar nicht unähnlich zu einem Filmteam, das gerade eine alternative Realität für seine Zuschauer erschafft.

Aussagen wie diese geben wiederum Einblick in das Verständnis von Kino, welches der demnächst vierzigjährige Brite pflegt: Alles andere als ein Vertreter einer realistischen Schule, experimentiert Nolan lieber mit formalen Mitteln und Erzählstrukturen. Er spielt mit Zuschauererwartungen und werkt an einem überlebensgroßen Kino, das die Grenzen der Illusionskunst kontinuierlich verschiebt und ausweitet.

Dabei ist Nolan, wie kürzlich bei einer Pressekonferenz in London zu erfahren war, gleichzeitig Tüftler und Traditionalist: "Inception wurde auf Film gedreht - und zwar, weil das immer noch die beste Möglichkeit ist, für das wenigste Geld in der kürzesten Zeit die höchste Qualität zu bekommen. Und je weniger Leute so arbeiten, desto aufmerksamer widmen sich dann zum Beispiel die Leute im Labor unserem Material - wenn ich früher mit meinen 16-mm-Filmen gekommen bin, war das keineswegs so."

Nolan, geboren am 30. Juli 1970 in London, machte bereits als Kind erste Super-8-Filme. Er studierte Englische Literatur - und lernte dabei seine jetzige Frau und Produzentin Emma Thomas kennen, die auch bei Inception die riesige Produktion, die an Schauplätzen in insgesamt sechs Ländern realisiert wurde, zusammenhielt.

Nach mehreren Kurzfilmen entsteht 1998 mit Following der erste Spielfilm, eine im Freundeskreis realisierte Low-Budget-Produktion. Bereits das nächste Projekt, das sich Nolan gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan ausdenkt, verschafft ihm 2000 international Aufmerksamkeit und den Nimbus eines Filmwunderkinds:

Memento heißt der ungewöhnliche Thriller. Sein Held (Guy Pearce) ist ein Mann mit Gedächtnisstörung, der sich mithilfe von Polaroids, Notizen und Tätowierungen durch eine verwickelte Geschichte um Schuld und Sühne arbeitet. Zugleich funktioniert der Film auch als eine Art Test fürs Zuschauerhirn: Die Geschichte wird alternierend auf zwei Ebenen erzählt, von denen eine Schwarz-Weiß und chronologisch verläuft, die andere, in Farbe, folgt der Zeitlinie in gegenläufiger Richtung.

Rätselfreunde, Comic-Helden

Memento brachte den Nolan-Brüdern für ihr Originaldrehbuch Nominierungen bei den Oscars und den Golden Globes ein - der Film legte auch den Grundstein für Nolans treue, fürs Rätsellösen empfängliche (männliche) Fangemeinde. Der Regisseur verantwortete als Nächstes das Hollywood-Remake des skandinavischen Psychothrillers Insomnia mit Al Pacino und Robin Williams.

Mit Batman Begins machte er sich anschließend an die Wiederbelebung der Batman-Franchise, die er nach dem Magierduell The Prestige mit The Dark Knight erfolgreich weiterführte - 2012 steht als Starttermin für einen dritten Batman-Film bereits fest.

Vorher aber kommt das mit Leonardo DiCaprio, Cillian Murphy, Ellen Page, Marion Cotillard und anderen Stars besetzte Traumfälschungsspektakel Inception ins Kino. Die Idee für den Film, der sich am vergangenen Start-Wochenende in den USA mit Einnahmen von über 60 Millionen Dollar an die Spitze der Kinokassencharts setzte, begleitet den Regisseur und Autor schon lange Zeit. Vor zehn Jahren, so Nolan, habe sich die Idee entwickelt, ein "heist movie" , ein Gaunerstück als Genrefolie zu verwenden.

Alle Aspekte der Handlung wurden gut unter Verschluss gehalten - über kaum einen Film der letzten Jahre war im Vorfeld so wenig bekannt gewesen und (deshalb) so viel spekuliert worden: "Es ist schwierig geworden, irgendetwas fürs Publikum unverbraucht zu halten. Man hat oft den Eindruck, die Leute wissen schon alles über einen Film, bevor er noch gedreht wurde. Als Kinogänger möchte ich persönlich nicht im Voraus wissen, was ich gleich sehen werde. Wir versuchen unter uns zu bleiben, während wir an einem Projekt arbeiten. Das Publikum kriegt den Film, wenn er fertig ist - dann kann es sich dazu überlegen, was es will." (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 24./25.07.2010)

Kommentar posten
25 Postings
Raptor Jesus
00
12.8.2010, 03:56
PinkFish
00
Offtopic:

Warum kann man nicht zu jedem Film was posten?

lg

HAL9011
 
12

Ich habe einen anspruchsvollen Film erwartet und einen extrem seichten Aktionfilm gesehen: Durchsichtig, langweilig und nur PR-mäßig genial vermarktet.
Reine Zeitverschwendung!!!!!!!!!!!!!!!!

Pi der Grieche
00
26.8.2010, 13:06

Als Zeitverschwendung sehe ich den Film nicht gerade, sondern als Unterhaltung. Ich erwarte mir von einem amerikanischen Blockbuster doch keine philosophischen Antworten.
Aber trotzdem: Die Idee wurde nicht richtig ausgebreitet. Leider müssen die Amis immer raufen und schießen und sich Verfolgungsjagden liefern. Dabei wäre ein Tiefgang ins Unbewusste noch viel interessanter zu gestalten. Tief hinunter zur Anima, die uns mit Haut und Haar verschlingt.

Bösmensch
 
00
Sehr guter Film...

Der Film erinnert in vieler Hinsicht an Matrix, jedoch bringt er auch neue Ideen mit. Jedenfalls ist es ein sehr gelungener Film, bei dem einem nicht langweilig wird.

al phaion
00
hmm

der film hat ne intelligente idee, die nach meinem geschack durch viel zu viele actionelemente verwässert wird. verzicht auf unnötige schiessereien und mehr erzählerische elemente hätten den streifen das zeug zum kultfilm geben können. so ists ne melange aus matrix und james bond (was soll eigentlich dieses geballer um eine verschneite bergstation ? hatte den eindruck gleich kommen george lazenby und telly savalas ins bild)

mychicksarechic
00
27.8.2010, 12:40

so etwas nennt man zitat...

Raptor Jesus
01
12.8.2010, 03:41
Action und gute Story müssen sich nicht ausschließen

Ich kenne Menschen die dieses Kombi nicht mögen.
Doch es gibt Actionfans mit hohen Ansprüchen an die Story, Wie ich und ich liebe diesen Film.

ugo tognazzi
00

ein traum der film. auf jeden fall in originalton anschauen !

Bösmensch
 
01

Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass man der Handlung dieses Films so leicht folgen kann, wenn man nicht sehr gut Englisch versteht.
Ich denke, dass man sich viel kaputt macht, wenn man von diesem gelungenen Streifen nur die Hälfte versteht.

mistvieh666
 
00
19.8.2010, 01:26

wenn man den film unbedingt verstehen will, kann man ihn sich dann ja ein zweites mal auf deutsch anschaun.
es ist ein schoener film, und ich bereue es, mich um das vergnuegen gebracht zu haben, in ein labyrinth einzutauchen ohne zu verstehen, was das ungefaehr ist.

Tristan Rex
00

nicht nur diesen film sollte man sich tunlichst im original ansehen; ausser man legt gesteigerten wert auf bundesdeutsche syncro-verwässerung

ricko
83
25.7.2010, 15:57

nolan, oje oje

Martin in Australien
06
26.7.2010, 02:14

nolan oh yea, oh yea...

Olivio Tasso
01
25.7.2010, 10:50
Uff

jetzt hätt' ich den Regisseur Nolan mit dem Schauspieler DiCaprio verwechselt - ist mir gar nicht aufgefallen, dass die beiden sich - auf dem Foto - so ähneln

Linus Tintifax
00
24.7.2010, 14:10
komisch

hab mir eine kurze rezension erwartet und kein porträt...

dradiwaberl5693
02
24.7.2010, 15:50

Naja, genau das will ja der Regisseur nicht. Er will, dass Leute ins Kino gehen und sich überraschen lassen :-)

Jo eh, aber...
13
24.7.2010, 09:06
"Alle Aspekte der Handlung wurden gut unter Verschluss gehalten"

(gaaanz leichter Spoiler am Ende des Postings!)

Darf ich daraus schliessen, daß Fr. Reicher den Film nicht gesehen hat? Weil Filmkritik war das keine, eher ein Aufsatz über Chris Nolan ;)

Jedenfalls: hab Inception vorgestern in Amsterdam gesehen - ein toller Film, und wirklich schwer zu empfehlen. Aber wahrlich keine einfache Kost ("makes my brain hurt", war der Kommentar meiner Freundin ;)

Den Plot werd ich jetzt auch nicht verraten, nur soviel: Inception ist sehr vordergründig gesehen ein Heist Movie, aber eigentlich geht's um einen Mann, der zurück zu seiner Familie will.

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Und: Nolan schafft es, daß ganz am Ende des Films ein ganzer Kinosaal gebannt auf einen Kreisel starrt.

complex threat
00

also ich hab nur kurz hingeschaut am schluss,
weil es ist wurst .... für ihn.

Um mal was ganz triviales zu zitieren:
"Life is a dream" Reamonn :)

Lang lebe Gilles Peterson
00
24.7.2010, 02:13
Der Film

hat jedenfalls großartige Kritiken bekommen-ich freu mich drauf.

Advaita0
02
24.7.2010, 01:33
Hingehen - ansehen

DiCaprio macht keine schlechten Filme

girls in the cage
70
24.7.2010, 10:52

das liegt aber eher an den Regiseuren...als am durchschnittlichen Herrn Dicaprio!

til eulenspiegel
06
24.7.2010, 17:37

ich finde, der Dicaprio ist ein sehr guter schauspieler.

What tha ... ?
00
Dito

Das wichtigste Posting das Sie je lesen werden
27
24.7.2010, 06:53

Nolan macht keine schlechten Filme

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