Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abgebrochen
Er reagiert damit auf kolumbianische Vorwürfe, Caracas unterstütze weiterhin kolumbianische Rebellen.
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Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat die Guerilla-Bewegungen im
benachbarten Kolumbien aufgerufen, ihre Strategie des bewaffneten Kampfes zu
überdenken. Den wichtigsten Vorwand für die USA, um in Kolumbien "einzudringen"
und dessen "Nachbarländer anzugreifen", bildeten bewaffnete Bewegungen, erklärte
Chavez bei einer vom Fernsehen übertragenen Gewerkschaftsveranstaltung in
Caracas, wie die venezolanische Zeitung "El Universal" am Samstag in ihrer
Internetausgabe berichtete.
Die Aufforderung des linksnationalistischen Präsidenten erfolgte vor dem
Hintergrund schwerer Spannungen mit Kolumbien. "Die Würde zwingt mich, die Beziehungen zu Kolumbien abzubrechen." Mit diesen Worten hatte Chávez am Donnerstag zum wiederholten Male die Beziehung zum Nachbarland Kolumbien aufgekündigt. Er ordnete höchste Alarmbereitschaft an der gemeinsamen Grenze an und gab den kolumbianischen Diplomaten in Caracas 72 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. Chávez: "Verantwortlich dafür ist Präsident Uribe, der hasserfüllte Handlanger des US-Imperiums, der auf dem Mülleimer der Geschichte landen wird."
Es ist die fünfte schwere Krise zwischen den beiden Präsidenten. Auslöser dafür war diesmal der Vorstoß des scheidenden kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe. Der wirft Venezuela vor, die linke Guerilla Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) zu unterstützen und rund 1500 Guerilleros Unterschlupf zu bieten. Chávez bezeichnete die Vorwürfe als "Lügen". Uribe, der in den acht Jahren seiner Regierungszeit die Bekämpfung der Guerilla zum obersten Ziel gemacht hatte, will das Nachbarland als "Unterstützer des Terrorismus" international an den Pranger stellen.
Opposition: Ablenkung
Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit 2009 auf Sparflamme aufgrund des Ausbaus der US-Militärbasen in Kolumbien. Chávez hatte deshalb die Grenzen geschlossen und die Beziehungen eingefroren. Er steht selbst vor schwierigen Parlamentswahlen im September, die seine Sozialistische Einheitspartei (PSUV) Umfragen zufolge verlieren könnte. Die Wirtschaftskrise in Venezuela, grassierende Korruption und Kriminalität haben den Rückhalt des Präsidenten sinken lassen; in den vergangenen Tagen ging der ehemalige Oberstleutnant daher zum Angriff über. Der Abbruch der Beziehungen zu Kolumbien dient nach Ansicht von Oppositionellen daher nur als Ablenkungsmanöver von internen Problemen.
Die bilaterale Krise dürfte die erste große Herausforderung für Uribes Nachfolger im kolumbianischen Präsidentenamt Juan Manuel Santos sein, der sein Amt am 7. August antritt. Chávez ließ die Tür immerhin ein Stückchen offen: "Ich hoffe, der neue Präsident führt Kolumbien wieder auf den Weg des Verstandes zurück, dass wir uns irgendwann einmal hinsetzen und miteinander reden können." (DER STANDARD, Printausgabe 24./25.7.2010)