Margareten: Zwischen Grätzelidylle und Gemeindebauten

Marie-Theres Egyed, 26. Juli 2010, 10:10
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    foto: derstandard.at/ped

    Der Siebenbrunnenplatz zählt zu den idyllischen Plätzen in Margareten.

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    foto: apa/wurscher

    Der Theodor-Körner-Hof steht für die sozialdemokratische Tradition des Bezirks. Die Lärmschutzwand mit Photovoltaikanlage ist ein Aushängeschild des modernen Margareten.

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    foto: der standard/newald

    Der Rüdigerhof in der Hamburger Straße ist ein heimliches Wahrzeichen des Fünften Bezirks. Im Jugendstil-Bau befindet sich ein traditonelles Wiener Kaffeehaus mit Gastgarten zum Wien- Fluss.

Der traditionelle Arbeiterbezirk bietet viele Widersprüche und einen Hang zur Sozialdemokratie

Am Margaretenplatz ist die Nähe zur Wieden spürbar: Bioladen, Boutiquen und ein Nobel-Fitnesscenter finden sich hier. Es überrascht daher kaum, dass ORF-Moderator Christoph Feurstein nicht weit entfernt wohnt. Ein paar Straßen weiter ist vom Boboflair wenig zu spüren, aus Grätzelidylle wird ein traditioneller Arbeiterbezirk mit hohem Ausländeranteil. 

Kleiner und durchschnittlich junger Bezirk

Margareten zählt zu den kleinsten Bezirken Wiens. Auf nur 2 km² sind rund 52 600 Einwohner gemeldet. Das Durchschnittsalter liegt mit 39,9 Jahren knapp unter dem Wiener Durchschnitt von 41,0 Jahren.
Der Migrantenanteil ist hoch, 27,4 Prozent der Bevölkerung haben Migrationshintergrund. Was von manchen Parteien als Chance für einen multikulterellen Bezirk gesehen wird, interpretieren andere wieder als größtes Problem von Margareten.

„Kulturen machen Schule"
Die Bevölkerungsstruktur wirkt sich auch auf die Zusammensetzung der Schulen aus. Nur die Schulen in der Leopoldstadt und in der Brigittenau haben mehr Schüler mit Migrationshintergrund. Aus der Not eine Tugend zu machen, beschloss der Direktor des Joseph Haydn Gymnasiums. „Kulturen machen Schule" lautet das Motto der Schule, denn 95 Prozent haben hier eben nicht Deutsch als Muttersprache. Für die Deutschförderungen werden zusätzliche Ressourcen aufgewendet. Spätestens nach der Unterstufe beherrschen die Schüler die deutsche Sprache so gut, dass sie dem Unterricht folgen können.

Roter Arbeiterbezirk im roten Wien
Politisch ist Margareten ein heiß umkämpftes Pflaster: Seit 1945 ist der Bezirk sozialdemokratisch, Bezirksvorsteher Kurt Wimmer (SPÖ) ist elf Jahre im Amt. Bei den Wahlen 2005 hat sich das Kräfteverhältnis im Bezirksrat deutlich verschoben - außer für die stimmenstärkste Partei. Die Grünen wurden erstmals zweitstärkste Fraktion in Margareten und haben ehrgeizige Ziele für die kommenden Wahlen. Der fünfte Bezirk soll Teil der grünen Insel werden (Anm.: nach Josefstadt und Neubau sollen auch Wieden, Margareten und Mariahilf grün werden.). Peter Dvorsky ist ihr Spitzenkandidat. Ob sich die parteiinternen Quereleien aus dem 6. und 8. Bezirk über die Bezirksgrenzen hinaus auswirken, wird sich am 10. Oktober zeigen.
Aber auch die ÖVP will in Margareten wieder mehr mitreden und wandelt das Thema der Stadtpartei ab: „Mehr Margareten ist möglich". Marie-Luise Mojzis vertritt mit sechs weiteren Personen die Partei im Gemeinderat. Derzeit ist das zentrale Thema der Partei die Erhaltung des Hartmannspitals.
Die Bezirksvertretung der Freiheitlichen setzt auf sicherheitspolitische Themen und kritisiert den hohen Migrantenanteil im Bezirk (Integrationszwang, Videoüberwachung, Parkraumoffensive mit Volksgaragen). Bei den Wahlen 2005 fiel die FPÖ auf den vierten Platz zurück.

Verkehrsknotenpunkte und USTRABA
Dass das starke Verkehrsaufkommen ein Problem darstellt, ist klar ersichtlich. So wird Margareten vom Gürtel und von der Schönbrunner Straße eingegrenzt und stark befahrene Straßen wie die Reinprechtsdorfer Straße kreuzen den Bezirk. Verkehrspolitik ist seit den 1950er Jahren zentraler Bestandteil der Bezirkspolitik. Lautete zuerst das Credo „Platz schaffen für den Autoverkehr", steht heute die Frage im Raum: „Wohin mit den Autos?". In den 1950er Jahren mussten die Straßenbahnen dem Autoverkehr weichen. Die Unterpflasterstraßenbahn (USTRABA) war eine willkommene Idee, um einen Teil der Streckenführung in Margareten in den Untergrund zu verlegen. Die Strecke beginnt am Margareten Gürtel und führt unter dem Gürtel zu den beiden Kreuzungsstationen am Matzleinsdorfer Platz und von der Kliebergasse bis zum Wiedner Gürtel. Das Vernichten wertvoller Bausubstanz wurde dabei in Kauf genommen. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen wurde in Margareten 1965 die barocke Florianikirche abgetragen - trotz massiver Proteste der Bevölkerung. Seither gehört die USTRABA zum Stadtbild von Margareten dazu, mit dem Neubau der Kirche konnten sich die Anwohner weniger anfreunden.

Facettenreiches Stadtbild
Städtebaulich bietet der fünfte Bezirk kein einheitliches Bild. Architektonische Highlights wie die U-Bahn-Station von Otto Wagner oder der Jugendstilbau des Rüdigerhofs wechseln sich mit Gemeindebauten der 1950er Jahre ab. Die Glaslärmschutzwand mit Photovoltaikanlage beim Theodor-Körner-Hof hat in diesem Bereich nicht nur die Lebensqualität gesteigert, sondern auch zum ästhetischen Erscheinungsbild am Margareten Gürtel beigetragen. (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 26.7.2010)

Wahlberechtigte: 33.458
Bezirksvertretung (Mandate): SPÖ 18, Grüne 10, ÖVP 7, FPÖ 5
Bezirksvorsteher: Kurt Wimmer (SPÖ)

Kommentar posten
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Lionel Hampton
00
12.8.2010, 07:36
Eine Bürgerinitiative des Liberalen Forums

www.buergerstadtwien.at

'Pro Straßenbahn / Pro Tramway' Wien

Mit der Forderung der 13er Linie statt dem 13 A!

Strawberryfrog
 
00
15.8.2010, 18:42

wie ist das dann gemeint? ich muss häufig mit dem 13a fahren, und dass das ein disaster ist, muss ich wohl niemanden sagen. aber wäre eine bim flotter? kann ich mir kaum vorstellen..

The Dude
00
8.10.2010, 09:08

Ein Bim hat eine größere Kapazität, da passen ca. doppelt so viele Leute rein. Die Idee dazu ist allerdings nicht vom LIF. (Warum eine politische Partei eine Bürgerinitiative gründen will erschließt sich mir ebenfalls nicht)

www.tramway.at

Strawberryfrog
 
00
8.10.2010, 10:06

stimmt natürlich. glaube trotzdem nicht dass sich so bedeutend viel ändert, so wie ich die wr linien kenn schicken sie dann statt alle 5 min einen bus alle 10 min eine bim.
immer wenn ich auf eine bim warte kommt sie zu spät, immer wenn ich mit einer bim fahre, komme ich zu spät. vielleicht liegts auch nur an mir ;) aber bims können halt nicht ausweichen etc.

die idee ist doch von den grünen?!

danke für deine antwort!

The Dude
00
8.10.2010, 12:07

Gerne :-)

Von wem die Idee ursprünglich kommt weiß ich auch nicht, aber die Grünen sind jedenfalls auch dafür. Ich denke es wissen auch die Wiener Linien, dass da was passieren muss, aber die dürfen da keine Straßenbahn wollen.
Könnte ja die Autos einschränken, und das hört man im Rathaus garnicht gerne.

Strawberryfrog
 
00
8.10.2010, 13:15

nein, gott bewahre die lieben autos! stell dir vor man müsste auf luftverschmutzung, lärm, der konstanten gefahr, zusammengefahren zu werden, und dauerndes hupen verzichten! das wär schon schlimm!

blickwinkel101
 
00
30.7.2010, 13:43
klein aber abwechlsungsreich

Der 5. ist trotz seiner geringen Größe einer der abwechslungsreichsten Bezirke Wiens. Man vergleiche das Viertel um das Schloßquadrat mit dem um dem Hundsturm, Pilgramgasse und Matzleinsdorferplatz.

Man wird wirklich oft überrascht in Margarten. Das Stadtbild wechselt fast alle paar Strassenzüge.

WEnns nur ein Naherholungsgebiet gäbe, wäre es mein bevorzugter Bezirk.

Ausführliche Fotos: http://www.wohneninwien.at/fotos/ind... .php?cat=7

Oligarchenimitat
00
30.7.2010, 07:46

Der Siebenbrunnenplatz ist leider sehr "idealisiert" fotografiert... Im dominanten Gebäude am Platz "residiert" seit ca 2 Jahren leider ein Wettanbieter mit verklebten Scheiben... vorher war s ein recht gemütliches Café, wo man im Sommer draußen sitzen konnte... leider nicht ganz untypisch für die Entwicklung in diesem Teil von Margareten... Reinprechtsdorferstraße wurde ja unten grad angesprochen...

Mag. Garnicht
00
27.7.2010, 18:00
Das langsame Sterben der Reinprechtsdorferstraße.

Die seinerzeit belebte Strasse wird immer mehr zu einer Geschäfts-Wüste zwischen Matratzen-Concorde, chinesischen Billigläden und Sportwetten-Lokalen. Gibt es kein Konzept um sinnvolle Handels- und Gastronomie- Investoren in eine so extrem Bevölkerungsdichte Gegend zu holen? Kunden gäbe es ja genug.

fds r
00
28.7.2010, 10:26
Keine Kunden

Arme Immigranten und arme Gemeindebaufrühpensionisten sind schon auch Kunden. Spezielle halt.

PERLENQWIEN
 
00
28.7.2010, 07:33
In der Tat...

Ein Jammer!

Shootingstar
03
27.7.2010, 14:41
5te - Lokalangebot

Wohne am Bacherplatz und finde die Gegend eigentlich recht nett ... (zumindest hab ich das letzte Grün des 5ten Bezirks vorm Fenster)... irgendwie hat man alles was man braucht gleich mal ums Eck...die Lokalszene hat für alle was zu bieten...vom chilligen Werkzeug H bis hin zum kulinarischen Toplokalen "Woracizcky"... (in diesem Zusammenhang das Chinarestaurant am Bacherplatz "TienTsin" kann ich nur jedem wärmstens empfehlen. Super frische Qualität - kein Glutamat - und immer freundliche Gastgeber!!!)
Eine weitere Belebung der Gegend zwischen Pilgramgasse und Reinprechtsdorferstrasse würde den Bezirk bestimmt aufwerten.

St. Augustine
01
28.7.2010, 11:34
und bitte

nicht den sensationellen Portugiesen in der Schwarzhorngasse vergessen!

babysnake
00
27.7.2010, 16:04

Dem kann ich nur zustimmen, kenne den Chinesen (und damit auch die Gastgeber) schon seit Jahren und war immer begeistert...Leider kommt in dieser Ecke wohl nicht so viel Laufkundschaft vorbei, im Gegensatz zu den viel besuchten Lokalen am Margaretenplatz.

byron sully
13
27.7.2010, 14:01

interessant, die vielen negativen kommentare. ich nämlich finde, der 5. hat sich in den letzten jahren eher positiv entwickelt (wenn man mal von der reinprechtsdorfer straße absieht). finde auch vor allem die bevölkerungsstruktur recht nett, weil da wirklich alles dabei ist. was aber nach wie vor fehlt, sind lokale, in die man sich abends reinsetzen kann, da gibt es praktisch nur das schlossquadrat (eher für die "oberschicht") und ein paar lokale im grenzbereich zum 4. (gegend margaretenstraße).

Best of Alpenrock
01
28.7.2010, 10:24
Völlig Gergely-frei:

La Vita e Bella - Super Wein (Lokal rauchfrei, aber der nette Wirt raucht selbst, als Italiener aber nur vor dem eigenen Lokal)! Oder ums Eck in der Schönbrunnerstraße auf einen Café Potuguese oder Vinho Verde mit Oliven und Tromocoes im Café Atlantico samt Plausch mit dem netten portugiesisch-österr. Wirtenehepaar. Auch das Sale e Pepe in der Pilgramgasse strotzt voll des süditalienischen Lebens.

byron sully
00
28.7.2010, 14:16
ja gut,

also sagen wir mal, der ganze nordöstliche fünfte geht in dieser hinsicht eh.

junjunjun
00
27.7.2010, 13:33
Der Matzleinsdorferplatz

ist einer der schiarchsten Plätze in Wien. Trotz Behübschungsversuche.

Margareten hat Potential. Aber wie stellt mans an, ohne dass die Mieten auch dort in die Höhe schnellen?

St. Augustine
00
27.7.2010, 16:44
ein bissl

was gibts schon, das Little Stage, oder Rudi's Beisl auf der Wiedner. Was ich am 5ten sehr schätze, dass ich fast alles zu Fuss oder mit dem Rad erledigen kann ( denn die Öffi-Anbindung ist mittelmäßig )

PERLENQWIEN
 
03
28.7.2010, 07:35
Unsinn!

Auch 12A, 59A fahren kreuz und quer durch den 5.)

Kinkidra
01
27.7.2010, 19:53

Mittlemäßig? Also ich persönlich finde U4 und 13a schon nicht so schlecht muss ich sagen, aber ich weiß ja nicht, was sie gewohnt sind...

St. Augustine
01
28.7.2010, 13:45
der 12A

ja, wenn er fährt, schon. Ich wohn in der Spengergasse, da gibts nur den 14A ( und wenn man Glück hat, den 12A ) in der Nähe, zur USTRABA hatscht man auch ganz schön. Hab vorher 20 Jahre im 9ten gewohnt, dort sind die Öffis super.

/. nerd
 
10
28.7.2010, 09:31

Der 13A fährt nur an der Bezirksgrenze, ebenso wie U4, 6 und 18. Die U4 hat zwischen Pilgramgasse und Margaretengürtel einen der längsten Stationsabstände und fährt an der Reinprechtsdorferstraße ohne Umsteigmöglichkeit vorbei.

Der 5. wurde vom Autowahn der 1960er voll getroffen und der gesamte öffentliche Verkehr zerstört oder zumindest stark verschlechtert.

potemtweller
01
27.7.2010, 11:32

und mit der fendigasse besitzt margareten eine der schoensten gassen von wien.

St. Augustine
10
29.7.2010, 11:09
und mit

der Zentagasse eine der schiachsten

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