Langzeit-Test

Braucht man ein iPad?

Helmut Spudich, 25. Juli 2010, 16:56

Helmut Spudich verbrachte dreieinhalb Monate mit dem "magischen Gerät" - ein Testbericht über seine Erfahrungen mit dem iPad

Dreieinhalb Monate ist es her, seit dieser iPad im Apple Store an der Fifth Avenue gekauft wurde, etwa eine Dreiviertelstunde nachdem die Menge am 3. April Einlass gefunden hatte. Etwas mehr als 3,3 Millionen Stück hat Apple seither von seinem "magischen" Tablet verkauft (Definition Steve Jobs), das macht rein rechnerisch bis Jahresende rund neun Millionen Stück. Weil sich bei erfolgreichen Produkten der Verkauf üblicherweise exponentiell entwickelt und der internationale Launch erst jetzt erfolgte ist anzunehmen, dass Apple bis Jahresende mehr als zehn Millionen seiner neuen Produktlinie verkauft und unterm Strich mehr als fünf Milliarden Dollar Umsatz seiner Bilanz hinzufügt. Das ist Magie.

In diesen dreieinhalb Monaten ist die europäische Schuldenkrise hochgekocht und der Euro hat zwischenzeitlich rund 20 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar verloren. Ein Ölmulti hat im Golf von Mexiko die größte Umweltkatastrophe seit dem 2. Weltkrieg verursacht, und bei einer israelischen Militäraktion zur Durchsetzung einer fragwürdigen Blockade wurden neun Menschen getötet.

Querformat

Das iPad hat an all dem nichts geändert und wir sollten daher auf dem Boden bleiben, wenn wir die Vorzüge und Nachteile dieses "magischen" Geräts erörtern. Fangen wir bei einer oft beklagten, angeblichen Schwachstelle an, und das ist seine Tastatur. Diese erscheint, nach iPhone-Art, im unteren Bildschirmteil und ist, wenn man das iPad im Querformat benutzt, so groß wie die übliche Tastatur eines Notebooks, sieht man davon ab, dass Umlaute, Satzzeichen oder Ziffern nur mittels Umschalttasten geschrieben werden können.

Schneller

Mit dieser Tastatur ist dieser Text geschrieben und ich kann berichten, mit einer "richtigen" würde es schneller und etwas fehlerfreier gehen. Man kann eine solche anschließen, als Zubehör über ein Dock, mit dem sich das iPad in einen Hochformat-Schirm wandelt, oder einfach mittels Bluetooth, und für längere Texte empfiehlt sich das auch.

Aber was heißt schon Schwachstelle? Die allermeisten Texte, die auf dem iPad geschrieben werden, haben die Länge von Tweets, Mails, Google-Suchen oder Facebook-Updates und dafür ist dieses Keyboard nicht schlechter als das eines Netbooks, oder - schluck - gar eines Handys. Mein Kollege, Standard-Karikaturist Oliver Schopf, verfällt in Elogen wenn er seine "Ölmalerei" mit den Fingern beschreibt, worüber wiederum sein Kollege, der Maler David Hockney ähnlich begeistert ist, und welches Keyboard könnte wiederum damit konkurrieren.

Das iPad wächst einem zu

Das iPad wächst einem zu, diese Erfahrung beschreibt wohl am besten den Real-Life-Test der vergangenen zwei Monate. Für den persönlichen Gebrauch ist es das bevorzugte Instrument geworden, zum Netzlesen beim Frühstück, bei Kaffeepausen oder auch beim Fernsehen am Abend (ja, Männer können multitasken, zumindest in begrenztem Ausmaß). Um den Fluss von Mails, Tweets und Facebook untertags zu verfolgen dient es, und interessante Erfahrung: als zusätzlicher Bildschirm, als persönlicher digitaler Raum, auch wenn man am Schreibtisch am Notebook sitzt und seine Arbeit erledigt. Es erinnert mich dabei an die Zeit als ein Filofax der intimste Begleiter des tätigen Menschen war, und einige Apps wie der Kalender, das Adressbuch oder eine von mir verwendete To-Do-Liste lehnen sich in ihren Designs auch an diese vergangene Zeit analoger Organizer an (wobei dies eine ebenso fragwürdige ästhetische Entscheidung ist wie der Ikea-Look des iBook-Stores).

Aber all das reduziert das iPad zum Arbeitsgerät und greift zu kurz. Vor einigen Tagen wandelte es sich in ein Fotoalbum, um auf der Couch zu zweit Bilder vom einem langen Wochenende in Kopenhagen anzuschauen, und dann noch gleich von der Reise davor und vom Geburtstagsfest. Wenn dieser Bericht beendet ist wird es zum Videoplayer mutieren für ein paar TV-Serienteile, die bei iTunes gekauft wurden. In all diesen Fällen brilliert er mit seinem exzellenten Display. Für Film und Video ist es ein natürliches Medium, und es wundert darum auch nicht, dass Reuters, der Guardian und andere Apps mit fantastischem Fotojournalismus anbieten.

Benachteiligt

Dasselbe Display ist dafür in sehr hellem Licht oder gar in der Sonne gegenüber einem E-Reader mit reflektivem Display benachteiligt. Nicht, dass es ganz unmöglich wird das iPad in diesen Lichtverhältnissen zu benutzen, aber Bücher lesen, Filme schauen wird schwierig. Ein wenig Schatten tut dann gut, und wo es dann schummrig wird wie beispielsweise in einem abgedunkeltem Flieger, wo der Kindle bereits aufgeben hätte müssen, kommen die Vorzüge wieder ganz zur Geltung.

So wie für stille oder bewegte Bilder ist das iPad wie gemacht zum Internetkonsum. Das Wort vom Konsum ist bewusst gewählt, denn auch aktive Web-2.0-User empfangen, lesen und surfen deutlich mehr als sie selbst produzieren. Websurfen nähert sich dem Gebrauch eines Magazins, man hält das Gerät am Schoß oder legt es leicht schräg mit dem von Apple selbst gebauten Umschlag vor sich auf den Tisch.

Kein Flash, und das wohl dauerhaft nicht

Hier ist die Stelle, an der das große Aber kommen muss: Kein Flash, und das wohl dauerhaft nicht. Die interessante Alltagserfahrung dazu: Es kommt ganz darauf an, was man so macht online. Dieser Rezensent etwa ist kein Freund von Farmville und anderen Spielen auf Facebook, darum fehlt ihm dabei Flash nicht. YouTube läuft schon seit Jahren auf dem iPhone und damit auch auf dem iPad, womit auch zahlreiche eingebettete Videos auf Webseiten funktionieren. Dafür fehlen mir Slideshows auf Flickr (für das eine App ähnlich wie für Picasa zu erwarten ist). Ein wirkliches Ärgernis ist das fehlende Flash nur für den, der ständig Seiten besucht, die darauf aufbauen.

Andere Eigenheiten stören mehr. Das ist u.a., für meine Art der Benutzung, das Fehlen einer transparenten, zugänglichen Dateistruktur. Jedes Programm speichert seine Dateien selbst ab, und der Zugriff erfolgt immer über dieses Programm, ist anderen nur begrenzt oder nicht möglich. Viele wird dies nicht irritieren, geübtere Benutzer schon. Auf der Plusseite: Speichern ist ein Fremdwort, Apps wie Pages (Apples Textverarbeitung) oder Mail speichern jede Eingabe automatisch. Warum ist dies eigentlich auf so genannten richtigen Computern nicht längst Standard?

Die anderen angeblichen Mängel

Dann gibt es noch die anderen angeblichen Mängel, die pflichtgemäß zu notieren sind: Das Fehlen einer Kamera für Videochats, was aber nur der vermisst, der das auch tut. Man kann keinen USB-Stick anschließen, wobei ich auch nicht wüsste wozu - man kann allerdings mittels einem Kameradock Kameras anschließen oder SD-Speicherkarten einlesen. Das kostet extra, was oft bemängelt wird, wie auch Apples überaus praktischer Umschlag der zugleich Schutz, Unterlage und Ständer zum Anschauen von Filmen und Videos ist. Es fällt schwer dies zu kritisieren, weil es bekannte Tatsachen sind: Das Teil hat seinen Preis, ebenso wie Zubehör und Apps. Für Apple und Dritthersteller ist das ein Geschäft, für User ein Aufwand, aber man muss ja nicht.

Braucht man ein iPad?

Braucht man ein iPad? Nein, ein Notebook deckt alle diese Funktionen ab und noch viele mehr, aber es ist eben ein anderes Gerät, eine andere Art der Nutzung, und vor allem was Medien betrifft: eine weniger persönliche, weniger praktische, weniger leichte. Meine Vermutung für die nächsten dreieinhalb Monate: Mit der Zeit wird das Notebook immer öfter daheim bleiben, wenn man nicht nur zur Arbeit unterwegs ist. Der User hat eben immer wieder eine interessante Art der Anpassung an seine Gadgets gezeigt, wenn nur der Zusatznutzen groß genug ist. Aber Krisen und Katastrophen wird es auch bis dahin nicht verhindern. Magie ist eben ein relativer Begriff.  (Helmut Spudich/ derStandard.at, 25. Juni 2010)

 

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Cereal Killer
02
30.7.2010, 10:26
so wenig wie ich meinen pc nütze

bin ich vermutlich genau die zielgruppe, es wäre mir nicht mal zu teuer.
aber das ding hat keinen usb-eingang und ich hab schon ein iphone. mit dem kann ich alles machen, was ich auch auf dem ipad machen würde, nur kann ich damit telefonieren und es passt in meine hose. deshalb ist für mich das iphone das bessere ipad.

Tarha
 
01
29.7.2010, 22:55
also t-mobile in der kärntnerstraße...

startet um mitternacht den verkauf... und die leute stehen teilweise rosa beschirmt schlange, teilweise seit dem nachmittag...

machts was, wenn ichs nicht versteh? ich mein... die schlange ist echt lang (so weit ich von meinem fenster aus seh), mit einem roten teppich unterlegt und wird von fotografen belagert...
da möchte man doch der marketingabteilung gratulieren, oder? die machen da anscheinend was richtig

Pat77
00
28.7.2010, 11:09
Das ist...

der ca. 18. Standard-Artikel zum iPad in den letzten 4 Wochen und 852 Postings (!) bis dato. Gut gemacht Steve, ein gigantischer Erfolg!

Mac-User
21
28.7.2010, 11:56

danke vor allem auch den heutigen bashboys, usern von morgen!

captain marvel
01
28.7.2010, 10:44
gute nachricht fuer apple basher!

das langerwartete android tablet ist da: http://tinyurl.com/39pjmw4

laeuft auf die ganz ganz aktuelle android 1.6 (froyo kommt dann spaeter drauf), ist mit seinem 5zoll display ein bissal zu klein fuer ein tablet und ein bissal zu grosz als handy fuer die hosentasche - aber hey: dafuer hat es einen USB slot und kostet mit 550 USD deutlich weniger als die 499 USD iPad.

aber man will nicht selber bashen: ich find's gut, wenn mehrere tablet angebote am markt sind, so kann sich keiner auf seinen lohrbeeren ausruhen. bin schon auf das erste richtige android tablet gespannt!

kinkerlitzchen
00
30.7.2010, 08:57

Lorbeeren haben keine Ohren!

Mac-User
00
28.7.2010, 10:58
nächstes jahr - vielleicht;

bei hw streikt das xerox-verfahren.

Milli hat es eilig
11
28.7.2010, 00:03
bashboy: „ das ding ist unten gewölbt, man kann es nichtmal auf den tisch legen und darauf schreiben! “

wahr ist vielmehr: ich schrieb gestern wunderbar darauf.

das kommt davon, wenn ein bashboy über etwas schreibt, das ausserhalb seiner erfahrung liegt.

some guy
02
27.7.2010, 23:44
Also brauchen tu ichs vermutlich nicht...

... aber es ist ultrabequem euch hier von meinem Bett aus zu antworten :)

scio ut nescio
03
27.7.2010, 12:57
wohl die falsche frage

würde man ein i-pad brauchen, wäre das wohl eine problematische monopolstellung von apple und wettbewerbsrechtlich bedenklich -

ob einer eines besitzen möchte - hängt von seinem umgang mit digitalen medien und kommunikation ab -

dass solche artikel erfolgreich gehypt werden und damit die auflage (die pageimpressions) des mediums heben, sieht man an der anzahl der kommentare -

und daran erkennt man auch sinn und zweck der frage + autoren solcher artikel erhalten die geräte wohl auch gratis zum testen - da kann man dann gerne mal über kleine fehler hinwegsehen

Milli hat es eilig
00
27.7.2010, 12:37
LOL: "moechtegern-zukunftstechnologien" die sich aber nie durchsetzen werden

; so wie einst die maus

Milli hat es eilig
00
27.7.2010, 12:36
Wer braucht das iPad, zB.?

Inspizienten i.e.u.w.S.

Christoph Karl Steininger
37
27.7.2010, 11:18
Ein iPad

ist ein Computer für Computer-illiterates. Ein Walled-Garden für Prüde. Für Leute die nicht tippen können! Ich brauchs nicht. Ich will daß das Internet weiter kostenlos bleibt!

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
12
29.7.2010, 03:52
Wer in den faulen apfel beisst,

schluckt die krot.
Wenn schon einen rechner mit internet, dann lieber gleich einen echten.

Sag leise Servus
00
29.7.2010, 07:08
mit solitär

und so halt

Patrick_Bateman_1
00
28.7.2010, 06:33

kostenloses I-net ist ein mythos. jeder zahlt einen monatlichen beitrag für die nutzung, es sei denn man wohnt in einem wlan cafe oder hat einen blöden nachbarn der seinen router nicht sichert ,-)

Mac-User
00
28.7.2010, 07:41

dem provider zahlst du in erster linie für den *zugang* zum internet, dafür, dass du *ins netz* kommst. erst dort, wo sich der provider aufschaltet, beginnt das internet.

hellfast
00
27.7.2010, 21:03

dein nachbar hat seinen router offen?

rolin
11
27.7.2010, 12:30

“Ich will daß das Internet weiter kostenlos bleibt!”

Das versteh ich im Zusammenhang mit dem iPad jetzt nicht?

Christoph Karl Steininger
20
27.7.2010, 14:24
Für manche Apps muss man bezahlen,

insbesondere wenn es um Content geht!

untitled
03
27.7.2010, 14:29

und was hat das jetzt mit dem internet zu tun?

Christoph Karl Steininger
32
27.7.2010, 15:11
sollte sich das iPad universell durchsetzen

wird es zu einem Instrument wo nur genehme oder bezahlte Inhalte zugänglich sind. Wohingegen das Internet eine ziemliche Freiheit bietet. Ich kann mir anschaun was ich will, meist ohne dafür zu bezahlen. Bestes Beispiel ist die Nackerte in der Krone oder in der Bild-Zeitung. Die App auf dem Pad wird nur ohne die Nackerte angeboten, einfach weil es der Firma nicht genehm ist!
Und das ist Zensur.

Käptn Iglo
00
28.7.2010, 08:29

Das (kostenlose) Internet kannst' mit dem iPad auch anschauen. Stell dir vor: Das ist ein Web-Browser drauf!

name steht im ausweis
11
28.7.2010, 07:58

Witzig, dass du gerade die Kronen-Nackerte als Beispiel nimmst. Absicht?

Ich hätte gesagt, du könntest zB einfach die Website der Süddeutschen lesen anstatt dir die App im sündhaft teure 1,59€ (Abo für 30 Tage) zu leisten.
Aber he: wenn Nackerte mehr deins sind…

CaptainMarvel
01
27.7.2010, 18:42

ich habe kein iPad, trotzdem verlangt mein provider monatlich einige euros von mir fuer den internetzugang. dabei dachte ich, ohne iPad waere das internet gratis!? hab ich Sie falsch verstanden?

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