Devo: "Something for Everybody"
Nur noch knapp vom 40-jährigen Band-Bestehen entfernt und 20(!) Jahre nach dem letzten Album wieder was Neues von Devo! Da sei's ihnen vergönnt, dass "Something for Everybody" (einmal mehr) zum Manifest in eigener Sache gerät: Wir sind wieder da. Wir machen genau da weiter, wo wir aufgehört haben. Und wir sind immer noch frisch. Eine klare Ansage, die sich beim Anhören bestätigt - ist aber auch kein Wunder: Lässt sich leicht frisch bleiben, wenn man die meiste Zeit in Plastik eingewickelt verbringt. Die Jahrzehnte sind an der Band aus Ohio offenbar spurlos vorübergegangen - nur die Science-Fiction-Kostüme, in denen Devo so gerne auftreten, sind inzwischen um die Mitte ein wenig großzügiger geschneidert.
Wenn es je so etwas wie eine Zwillingsband der B-52's gab, dann war das die Gruppe rund um die Brüder Mothersbaugh und Casale. Ähnlicher Sound, gleicher Camp-Faktor, vergleichbare Stoßrichtung: Eine bizarre Karikatur der modernen Welt zu zeichnen (unvergesslich: der Song vom braven Lohnarbeiter und Familienvater, "Mongoloid" aus 1978). Allerdings kamen von Devo meist etwas schärfere Töne als von den schrillen Schwestern aus Georgia.
Auch nach dem fünften Mal Anhören könnte ich aus dem Comeback-Album noch immer keinen Song extra hervorheben. Alle 12 Stücke sind nach bewährtem Muster gestrickt: Schnelle Rockriffs, pompöser Synthesizer-Einsatz, vermeintlich hirntote Refrainparolen, die einem buchstäblich in den Schädel gehämmert werden - und dazu stets der Schuss komisches Pathos, der einfach dazugehört. Devo schaffen damit einmal mehr das Unmögliche: Art-Pop, der auch als Pausenmusik im Eishockey-Stadion laufen könnte. (Warner)
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