Gebürtige Jamaikanerin läuft seit 2004 für Slowenien und hält den Altersklassen-Weltrekord - 15 Österreicher in Barcelona dabei
Barcelona -Europas Leichtathletik wartet derzeit kaum mit Superstars auf, nicht nur so gesehen ragt Merlene Ottey aus dem Feld heraus, das die am Montag zu eröffnende EM in Barcelona in Angriff nimmt. Am 10. Mai hat Ottey ihren 50. Geburtstag gefeiert, wenig später lief sie die 100 Meter in 11,77 Sekunden, das bedeutete Altersklassen-Weltrekord und die Qualifikation für die slowenische EM-Sprintstaffel. Ottey, die seit 1998 in Laibach lebt, hat 2002 die slowenische Staatsbürgerschaft angenommen, ihre Erfolge waren samt und sonders noch auf das Konto von Jamaika gegangen. Bei fünf Olympia-Teilnahmen blieb ihr ein Titel verwehrt (dreimal Silber, sechsmal Bronze), bei Weltmeisterschaften holte sie insgesamt sechs Goldene.
Österreich ist bei der EM mit elf Herren und vier Damen vertreten und vornehmlich in Laufbewerben unterwegs. Die Ausnahmen heißen Gerhard Mayer (Diskus), Roland Schwarzl (Zehnkampf) und Elisabeth Pauer (Speerwurf), just sie aber tragen neben Günther Weidlinger (Marathon), Ryan Moseley (100 m) und Clemens Zeller (400 m) die österreichischen Hoffnungen auf Top-8-Plätze. Medaillen scheinen außer Reichweite, eine Überraschung ist am ehesten Weidlinger zuzutrauen, der schon EM-Vierter war (3000 Meter, 2005) und, wie man hört, "voll riskieren" will.
Abgesehen von Stuttgart 1986 und München 2002, als 17 bzw. 16
ÖLV-Athleten an den Kontinentaltitelkämpfen teilnahmen, war das EM-Team
seit mehr als 35 Jahren nicht mehr so groß. Bei der bisher letzten EM in
Göteborg 2006 waren elf ÖLV-Teilnehmer am Start. Mit der Vorarlberger
Sprinterin Doris Röser wurde auch eine Athletin nominiert, die das Limit in diesem Jahr nicht erbracht hat. Dank einer "ex
praesidio"-Entscheidung von Gloggnitzer darf Röser nun aber doch in
Barcelona antreten.
"Doris Röser hat in den vergangenen Wochen mehrmals die Norm um
wenige hundertstel Sekunden verfehlt, daher hat sie die Nominierung
verdient", betonte der ÖLV-Präsident. Die 27-Jährige erbrachte bereits
im Vorjahr mit 23,57 Sekunden die Qualifikationsnorm (23,70 Sekunden).
Heuer steht Rösers Bestleistung bei 23,79.
Zwei Athleten, die ein EM-Limit erbracht haben, werden dagegen fehlen: Marathonläufer Markus Hohenwarter (LC Villach) ist
nach einem Ermüdungsbruch noch nicht rechtzeitig in Form gekommen und
musste seine EM-Teilnahme absagen, und Andrea Mayr (SVS) hatte zwar im
Marathon das Limit erbracht, wollte jedoch über 3.000 m Hindernis
antreten. In dieser Disziplin verpasste die Turnusärztin mit 9:57,88
jedoch das Limit von 9:55,00 Minuten. (APA/fri))
Das ÖLV-Team für die EM Barcelona (27.7. bis 1.8.2010):
Männer:
Ryan Moseley (Union Salzburg, 100 und 200 m), Clemens Zeller (ULV
Krems, 400 m), Andreas Rapatz (VST Laas, 800 m), Andreas Vojta
(team2012.at, 1.500 m), Michael Schmid (LCAV doubrava, 10.000 m),
Christian Pflügl (SU IGLA long life), Florian Prüller (SIG Harreither
Eisenwurzen), Günther Weidlinger (Union Neuhofen, alle Marathon), Martin
Pröll (SK Vöest, 3.000 m Hindernis), Gerhard Mayer (SVS, Diskus),
Roland Schwarzl (Union Salzburg, Zehnkampf)
Frauen: Doris
Röser (TS Lauterach, 200 m), Victoria Schreibeis (DSG Wien), Beate
Schrott (Union St. Pölten, beide 100 m Hürden), Elisabeth Pauer (SVS,
Speer)