Österreich hat bei EM in Barcelona besseres Abschneiden als vor vier Jahren im Visier - Melderekord mit Athleten aus 50 Nationen
Wien - Mit 15 Athleten und damit dem größten Aufgebot seit acht Jahren reist der Österreichische Leichtathletikverband (ÖLV) zu den Europameisterschaften nach Barcelona. 1.368 Sportler aus 50 Nationen mit 1.626 Starts bedeuten Melderekord. Der ÖLV will mit seinem Team aus Routiniers und Zukunftshoffnungen besser abschneiden als vor vier Jahren bei der EM 2006 in Göteborg mit zwei Top-Ten-Plätzen durch die Hindernisläufer Günther Weidlinger (7.) und Martin Pröll (9.).
Die europäische Leichtathletik spielt sich auf einem "sehr hohen Niveau" ab, wie ÖLV-Generalsekretär Helmut Baudis auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien, vorrechnete. So seien bei der WM vergangenes Jahr in Berlin 37 Prozent aller Medaillen nach Europa gegangen. Wobei es einen augenscheinlichem Unterschied zwischen technischen Disziplinen (zwei Drittel der Medaillen wurden von Europäern gewonnen) und Laufbewerben (nur jede fünfte Medaille) gibt.
Der Blick auf die Liste der abgelaufenen Hallensaison zeigt, dass acht ÖLV-Athleten in neun Disziplinen weltweit in den Top-100 aufscheinen. Die am Dienstag veröffentlichte Meldeliste der EM besagt, dass sechs Österreicher mit ihren Saisonbestleistungen in ihrer Disziplin unter den Top-Zwölf sind - Günther Weidlinger (Marathon), Ryan Moseley (100 m), Roland Schwarzl (Zehnkampf), Clemens Zeller (400 m), Gerhard Mayer (Diskuswurf) und Elisabeth Pauer (Speerwurf).
"Diese Sechs haben alle Finalchancen, sofern sie ihre Saisonbestleistungen abrufen können. Finale bedeutet Top-Acht. Damit ergibt sich als Zielvorgabe, dass wir das Ergebnis von Göteborg 2006 verbessern wollen", sagte Sportdirekter Hannes Gruber. Bewusst sei man sich natürlich, dass einige Sportler die Vorrunde nicht überstehen werden, aber die Teilnahme an einem Großereignis sei enorm wichtig zum Erfahrung sammeln und in die internationale Szene rein zu schnuppern, machte Gruber deutlich.
Die EM kostet dem ÖLV 30.000 bis 35.000 Euro, zum Großteil mit Unterstützungsgeldern des Ministeriums finanziert. Baudis: "Wir sehen das Geld sehr gut investiert. Es ist uns möglich, alle Heimtrainer der Athleten mitzunehmen, das ist sehr wichtig", erklärte Baudis. Das kann 800-m-Läufer Andreas Rapatz nur unterstreichen, bei der Hallen-WM im März in Doha durfte er erstmals bei einem Großereignis auf den Zuspruch, die Umsicht und Übersicht seines Trainers (Eduard Holzer) vertrauen, bot eine starke Leistung und wurde Zwölfter.
Im Rahmen des EM-Marathons am Schlusstag findet auch der Europacup-Teambewerb statt, die besten drei Athleten einer Nation kommen in die Wertung. Genannt haben 14 Länder, darunter auch Spanien, Italien, Großbritannien, Portugal und Russland. Österreich schickt neben Günther Weidlinger auch Christian Pflügl und Florian Prüller ins Rennen, Markus Hohenwarter musste absagen. "Das schmerzt natürlich, denn so dürfen wir uns keinen Ausfall leisten. Je nach Witterung denke ich, dass ein Platz unter den Top-Ten möglich ist", erklärte Gruber.
Beim Diamond League Meeting am Donnerstag in Monte Carlo ist Speerwerferin Pauer am Start, Mayer verzichtet wegen einer Verkühlung auf eine Teilnahme, wie Trainer Gregor Högler bestätigte. Mit einer Muskelverhärtung kämpft derzeit Zeller, der sich am Mittwoch behandeln ließ. (APA)