Was auf den ersten Blick genial erscheint, wirft bei näherem Hinsehen einige Fragen auf
Oft wird behauptet, dass ein Elektromotor kein Getriebe braucht, was in den meisten Fällen eine doch sehr vereinfachte Darstellung ist. Der Radnabenmotor ist so ein Beispiel. Er wirkt ja auf den ersten Blick genial. Er benötigt wenig Platz, weil er im Rad selbst untergebracht ist, und kann praktisch verlustfrei direkt seine Wirkung entfalten. Diese Erkenntnis setzte auch Ferdinand Porsche um, als er seine ersten Elektroautos baute. Man kann so auf einfache Art zwei oder auch vier Räder antreiben.
Bei näherem Hinsehen tauchen aber jede Menge Schwierigkeiten auf. Die großen ungefederten Massen bringen Probleme in der Fahrdynamik, und selbst wenn theoretisch der Wegfall eines Getriebes auch den Wegfall von Reibungsverlust bedeutet, um einen Fahrzeugantrieb in seiner Gesamtwirkung zu optimieren, ist es dann oft besser, ein Getriebe zu verwenden.
Zentrale Herausforderung: Ein Auto benötigt an der Achse zwischen 1000 und 4000 Nm Drehmoment. Das lässt sich in den meisten Fällen nur verwirklichen, wenn dem E-Motor bereits eine Übersetzung nachgeschaltet ist, damit man über die höhere Drehzahl das geforderte Drehmoment erreicht. Durch höhere Motordrehzahl bekommt man sozusagen Leistung geschenkt, die wiederum durch eine Übersetzung in höheres Drehmoment umgesetzt werden kann.
Der Getriebehersteller Getrag etwa geht noch einen Schritt weiter und zeigt anhand eines Zweiganggetriebes auf, wie die Talente des Elektromotors besser ausgeschöpft werden können. Da in der Zweigangversion ein wesentlich drehmomentschwächerer und damit viel kleinerer E-Motor verwendet werden kann, um die gleiche Leistung zu erzielen, ist die Motor-Getriebe-Einheit deutlich schlanker. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/23.07.2010)