Sechs Tote bei Militäraktion gegen Al-Kaida in Nordafrika
Nouakchott - Bei der
Erstürmung eines Al-Kaida-Lagers im
Nordwesten Afrikas durch das mauretanische Militär sind sechs
mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzwerks getötet worden. Wie
Mauretaniens Innenminister Mohamed Ould Boilil am Freitag in der
Hauptstadt Nouakchott mitteilte, hätten vier weitere mutmaßliche
Al-Kaida-Mitglieder die Flucht
ergriffen. An der Erstürmung waren
auch französische Soldaten beteiligt. Wie Boilil weiter mitteilte,
wurden in dem Lager neben einem "bedeutenden Arsenal an Sprengstoff"
auch Waffen und Munition sichergestellt. Der
Minister bestätigte,
dass das mauretanische Militär bei der
Erstürmung "technische und
logistische" Unterstützung von der
ehemaligen Kolonialmacht
Frankreich erhalten habe.
Das Pariser Verteidigungsministerium hatte zuvor mitgeteilt,
dass
die mauretanische Armee bei der Aktion unterstützt worden sei. Die
Al-Kaida-Gruppe sei dabei "ausgeschaltet" worden. Französischen und
spanischen Presseberichten zufolge sollen französische Elitekräfte im
Einsatz gewesen sein. Das Lager diente offenbar als Rückzugsbasis für
den nordafrikanischen Arm von Al-Kaida, der
in Niger, Mali,
Mauretanien und Algerien aktiv ist.
Schicksal der französischen Geisel ungewiss
Nach zunächst unbestätigten Angaben drang die Armee bei der
Aktion
möglicherweise auch auf das Gebiet des Nachbarlandes Mali vor, wo
zwei Spanier in Al-Kaida-Gefangenschaft vermutet werden.
Innenminister Boilil sagte dazu lediglich, dass "die Operation sich
nicht auf unserem Territorium abgespielt hat, aber nicht weit von
unserer Grenze". Der Minister bestritt,
dass das Ziel der Aktion die
Befreiung der 78-jährigen französischen
Geisel Michel Germaneau
gewesen sei.
Über das Schicksal Germaneaus, mit dessen Tötung das
Terrornetzwerk unlängst gedroht hatte, wurde zunächst nichts bekannt.
Die "Terroristen" hätten sich geweigert,
ein Lebenszeichen der
französischen Geisel abzugeben, teilte das französische
Verteidigungsministerium mit. Die Gruppe
hatte damit gedroht, den
Franzosen, der im April im Niger
entführt worden war, ab dem 26. Juli
zu töten, falls bis dahin nicht mehrere Gefangene aus den Reihen von
Al-Kaida freigelassen würden.
Gruppe tötete im Juni 2009 britischen Touristen
Nach Angaben des Ministeriums in Paris richtete sich die Aktion
gegen dieselbe Al-Kaida-Gruppe, die im
Juni 2009 einen britischen
Touristen getötet hatte. Der Mann war
mehrere Monate in der Gewalt
der Islamisten. Al-Kaida in Nordafrika
hatte am 12. Juli eine
Botschaft verbreitet, wonach dem
Franzosen dasselbe Schicksal ereilen
werde wie den Briten, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden.
Mitte Mai hatte Al-Kaida Tonaufnahmen und ein Foto eines Entführten
verbreitet, der sich als Germaneau
vorstellte und sich an Frankreichs
Präsident Nicolas Sarkozy wandte.
Der nordafrikanische
Al-Kaida-Arm "Al-Kaida im islamischen
Maghreb" - hervorgegangen aus der
fundamentalistischen GSPC
("Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf") in Algerien - ist in
den Gebieten der Sahelzone und der Sahara aktiv, die
sich auf den
Süden Algeriens, den Norden Malis und Nigers sowie den Osten
Mauretaniens erstrecken. (APA)