Verschiedene Organisationen bieten Radfahren-in-der-Stadt-Kurse an
Ältere Mitbürger entdecken das Radfahren in der Stadt. Das ist schön und trägt zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Tatsächlich sind rund 15 Prozent der Österreicher regelmäßige Radfahrer, bei den 60- bis 70-Jährigen sind es jedoch 30 Prozent Das bringt aber auch Probleme, denn der ältere Bürger muss erst wieder daran gewöhnt werden, dass er als Radfahrer der Schwächere im Straßenverkehr ist (die Unfallzahlen sind bei Älteren besonders hoch). Wer früher am Steuer eines Autos ein gewisses Sozialprestige genoss, muss sich nun daran gewöhnen, von sehr vielen Autofahrern als niedrige Form zoologischen Lebens behandelt zu werden.
Entsprechend bieten, wie eine Standard-Reportage kürzlich beschrieb, diverse Organisationen Radfahren-in-der-Stadt-Kurse für Ältere an. Superidee. Nun könnte man aber auch Kurse für jüngere Radfahrer anbieten. Z. B.: "Zentimeterknappes Vorbeischneiden an Fußgängern in der Fuzo - richtig gemacht!" Oder: "Das Licht in der Nacht - lebenserhaltende Maßnahme oder brutale Vorschrift des faschistischen Obrigkeitsstaates?". Gut würde auch ein Kurs für Fortgeschrittene passen: "Linksabbiegen, aber auf dem Fußgängerstreifen an der Kreuzung". Oder: "Die Straßenbahntrasse - ein zu wenig genutzter Freiraum für flotte Radler".
Im Ernst: Viel mehr Radfahrer sind wünschenswert, dazu gehört aber auch eine Kultur des zivilisierten Verhaltens, sozusagen eine Cyclicette. (rau, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Juli 2010)