Im Sommerbad St. Pölten meint man jetzt die Urheber für die meisten Auseinandersetzungen ausfindig gemacht zu haben
Schwitzen muss jeder, sich abkühlen auch. Wer keinen Pool oder Seezugang sein Eigen nennen darf, geht im Sommer ins Freibad. Oft ist der Platz auf der Liegewiese und im Wasser eng - da gehen auch mal die Emotionen hoch. Im Sommerbad St. Pölten meint man jetzt die Urheber für die meisten Auseinandersetzungen ausfindig gemacht ("Jugendliche mit Migrationshintergrund") und eine Lösung gefunden zu haben (Security-Männer mit Pfefferspray).
Sicherheitsleute verdrängen vielleicht vorhandene Probleme vom Beckenrand. Gelöst werden sie dadurch aber nicht. Wie auch? Hat die Security doch hauptsächlich die Aufgabe, einschüchternd zu wirken. Dass sie etwas vom Vermitteln zwischen Konfliktparteien verstehen, ist aber nicht gesagt. Genau das wäre aber wichtig - auch in den österreichischen Schulen: Laut aktueller Studie sehen österreichische Schüler das Projekt Integration als gescheitert an. Statt natürlicher Durchmischung erleben sie Blockbildung. Diese Umstände ändert man nicht mit Handschellen. Hier bedarf es sinnvoller politischer Maßnahmen.
Konstruktive politische Ideen in Wien lassen aber weiter auf sich warten. Im Wiener Wahlkampf wurde das Thema Migration bislang totgeschwiegen. Es bleibt zu befürchten, dass es so lange brachliegt, bis es FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache einfällt - spätestens dann, wenn er sich im August auf Wahlkampftour durch die Bäder begibt. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Juli 2010)