Seit knapp zwei Wochen bewacht ein privater Sicherheitsdienst wegen "aggressiven Verhaltens Jugendlicher mit Migrationshintergrund" das St. Pöltner Sommerbad
Der Einsatz soll "erzieherisch" wirken.
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St. Pölten / Wien - Schwitzende Sonnenanbeter auf bunten Handtüchern, kreischende Kinder auf der Wasserrutsche und dazwischen zwei Männer mit Handschellen und Pfefferspray. Seit knapp zwei Wochen ziehen private Sicherheitsleute im Sommerbad St. Pölten ihre Runden. Der Grund dafür: "gesteigertes aggressives Verhalten Jugendlicher, speziell mit Migrationshintergrund", erklärt Günther Kainz, Leiter der Bäderverwaltung St. Pölten. "Südländische Jugendliche treten oft in der Gruppe auf und trauen sich dann mehr", meint Kainz.
Jeden Tag von 13 bis 19 Uhr ist die Sicherheitsfirma Stanzwerk präsent. "Die Securityleute sind der türkischen Sprache mächtig, das gibt eine andere Möglichkeit der Konfliktlösung", sagt Kainz. Die Resonanz der Badegäste sei sehr positiv. Auslöser für die Einführung der Badesheriffs sei ein Vorfall gewesen, bei dem ein 11-Jähriger auf der Rutsche "ohne Vorwarnung von gleichaltrigen Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine geknallt gekriegt hat", wie Kainz erzählt. Der Vater des Burschen sei eingeschritten und regelrecht umzingelt worden. Später habe er sich bei der Bäderleitung beschwert.
Die Idee für das Engagement der Sicherheitsmänner kam Kainz, als er eine Fernsehdokumentation über ähnliche Maßnahmen in einem Kölner Bad sah. Probleme und Zwischenfälle gebe es im Bad seit mehreren Jahren. Mit "gut zureden" habe man es lange versucht. Mit der jetzigen Lösung sei auch das Personal zufrieden, zumal einmal ein Bademeister angegriffen und verletzt sowie eine Kassadame bedroht worden sei.
"In den ersten Tagen hatten wir sechs bis sieben Einsätze am Tag. Jetzt sind es nur noch zwei", erzählt Stanzwerk-Chef Christian Jerabek. Seine Leute hätten Menschen jedweder Herkunft und jeglichen Alters des Bades verwiesen. Es treffe jeden, der trotz Verwarnung Regeln - etwa das Ballspielverbot - nicht befolge. Wer rausfliegt, darf am nächsten Tag wiederkommen. "Unser Einsatz soll erzieherisch wirken", erklärt Jerabek. Pfefferspray und Handschellen seien bisher nicht zum Einsatz gekommen.
In Österreich gibt es auch schon andere Bäder mit privater Bewachung. Am Neusiedler See dreht seit rund zehn Jahren der Sicherheitsdienst Trummer seine Runden. Dessen Chef Christian Trummer sagt, seine Leute kümmerten sich in den Seebädern vorrangig um Zugangskontrollen und Hilfeleistungen. Statt Pfefferspray hätten sie ein Erste-Hilfe-Paket bei sich.
Polizisten in Wiener Bädern
In den städtischen Bädern Wiens verlässt man sich dagegen auf das eigene Personal - und den Besuch von Polizisten. Letztere erhalten gratis Eintritt, wenn sie beim Eingang ihre Dienstnummer angeben - auch wenn sie in Privatkleidung erscheinen. Wird Hilfe benötigt, rufe man die Polizisten aus, sagt Bäder-Sprecher Martin Kotinsky. Auch regulär mache die Polizei in den Bädern gern Streife. In der Hauptsaison dürften sich in jedem Bad meist zwei, drei Polizisten aufhalten. Nur nachts erfolge eine private Bäderbewachung.
Probleme,wie sie der St. Pöltner Bäderchef schildert, seien auch in Wien ein Thema. "Aber im Moment gibt es Gott sei Dank nicht so viele Vorfälle", sagt Kotinsky. "Wir haben inzwischen auch sehr viel Personal mit Migrationshintergrund. Dadurch klappt sicher die Verständigung besser."
In Bezug auf Badegäste mit Migrationshintergrund sorgt in Wien derzeit ein Text über das Schönbrunner Bad auf der privaten Website Wien-konkret für Aufregung. In einer Kurzbeschreibung heißt es: "exklusives Publikum, geringer Ausländeranteil". Mittwochnachmittag lud eine Gruppe Jugendlicher ins Bad zum Protestschwimmen unter dem Titel "Baden mit ,Ausländern'". (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Juli 2010)