Vorschlag Leopold: "Häuser" versteigern, Erlös teilen

22. Juli 2010, 17:01
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    foto: leopold museum

    Egon Schiele (1890-1918) "Die Häuser am Meer", 1914 Öl auf Leinwand

Diethard Leopold, Sohn von Rudolf Leopold, sucht nach Lösungen im Umgang mit NS-Raubkunst. Er schlägt vor, das Schiele-Bild "Häuser am Meer" zu versteigern – und den Erlös mit den Erben nach Jenny Steiner zu teilen

Wien – Diethard Leopold – er wurde von seinem Vater Ende Juni in den Vorstand der Stiftung Leopold berufen – ist Psychotherapeut. Auch wenn er nach dem Tod von Rudolf Leopold betonte, dass der Stiftungsvorstand „im Sinne meines Vaters“ agieren werde, scheint er die bisherige Linie aufgeben und einen „systemischen Ansatz“ verfolgen zu wollen. „Spektakuläre Kursänderungen in Restitutionsfragen“ scheinen daher nun nicht mehr ausgeschlossen.

Im Gespräch mit dem STANDARD betont er, bezüglich der NS-Raubkunst-Fälle zu Lösungen kommen zu wollen, die für beide Seiten akzeptabel sind. „In Frieden zusammenleben: Das ist mein Projekt für die Zukunft“, sagt Leopold. „Man sollte die Diskussion runterkühlen und über die strittigen Fälle ruhig reden.“ Das Leopold-Museum befindet sich in einer Art Zwickmühle: Sich – wie bisher – auf den formaljuridischen Standpunkt zurückzuziehen und daher nicht zu restituieren, kommt für Diethard Leopold nicht infrage. Denn das hätte berechtigte „Aufschreie“ zur Folge, die es zu vermeiden gelte. Naturalrestitutionen ohne Entschädigung für die Stiftung kann er sich jedoch auch nicht vorstellen. Zumal es mehrere Fälle gibt, bei denen nie eindeutig geklärt werden könne, welche Seite recht hat. Eine Zuspitzung auf die Entscheidung „Gehört das Bild mir oder dir?“ sei daher nicht sinnvoll. Weil sich immer eine Seite unfair behandelt fühlte.

Für Schieles Bild Häuser am Meer, das Jenny Steiner gehört hatte, unterbreitet Diethard Leopold einen – allerdings mit dem Stiftungsvorstand noch nicht akkordierten – Vorschlag: „Wir steigen über den Acheron und versteigern das Werk. Und der Erlös wird zwischen den Erben und der Stiftung in einem bestimmten Verhältnis aufgeteilt.“ Diese Vorgangsweise sei deshalb sinnvoll, weil niemand genau weiß, wie viel dieses Bild wert ist. Die Häuser am Meer wurden 1993 auf 180 Millionen Schilling geschätzt. Rudolf Leopold bot den Erben daher sechs Millionen Euro, sprich die Hälfte des einstigen Schätzpreises, an. Heute aber könnte das Bild auch 25 Millionen Euro bringen.

Finanzierung der „Wally“

Es gäbe zudem einen positiven Nebeneffekt: Mit dem Erlös könnte die Stiftung den Kredit zurückzahlen, den man aufnahm, um die Einigung mit den Bondi-Erben zu finanzieren. Wie berichtet, zahlt man für das Bildnis Wally 14,8 Millionen Euro – was annähernd der Marktpreis sein dürfte.

Direktor des Museums will Diethard Leopold aber weiterhin nicht werden: „Das Museum ist kein Erbhof. Das soll jemand leiten, der sich wissenschaftlich mit Kunst beschäftigt.“ Eine Vision hat er dennoch: Dass die Provenienzforscherin Sophie Lilie über zwei Ebenen eine Ausstellung über die jüdischen Sammlungen vor 1938 zusammenstellt. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 23.7.2010)

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Posting 1 bis 25 von 62
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PierNick
 
00
21.7.2011, 19:53
Und was mich interessiert:

wem wurden eigentlich die vielen Millionen geraubt, die am "Kunstmarkt" unter privaten überhaupt zur Disposition stehen?

Lila Panther
00
23.7.2010, 15:27
Was ist da eine spektakuläre Kursänderung? Schon Rudolf Leopold hat Vergleichsverhandlungen geführt. Festzustellen, wem ein Bild gehört hat, ist wohl die Pflicht jedes Direktors.

Als erste Reaktion auf die Beschlagnahme hat das LeopoldMuseum ein internationales Schiedsgericht vorgeschlagen, wurde von Gegnern abgelehnt. Dann einen Vergleich vorgeschlagen, wurde von Politik hier abgelehnt, ging es doch darum überhaupt einmal festzustellen, ob intern. eine solche Beschlagnahme möglich ist, war juristisches Neuland international, das hat Jahre gedauert, Leopold auch 2mal Recht bekommen, aber unter medialem Druck hat man immer neue Klagsgründe gesucht. Leopold hat trotzdem Vergleich gesucht, ist aber wohl an den überzogenen Vorstellungen gescheitert. Das Resultat jetzt ist kein Vergleich im Sinne des Washingtoner Abkommens, sondern ein Rückkauf zu internationalem Marktpreis. Keine Praxis, die man fortsetzen sollte.

kmmm
00
23.7.2010, 14:55
und restituiert der staat nun auch die (nunmehrige) omv

an die erben der früheren besitzer (weihs) ?

W. Müller
 
02
23.7.2010, 14:07
Raubkunst ?

Vom Staat Österreich gekauft ?

Eigenartig.

40undDanke
00
23.7.2010, 15:09
gestohlen ist gestohlen bleibt gestohlen

(bis es zurückgegeben wird) - oder bis jemand anderer sagt "des hat uns gehört"?????

ZabiaZabia
21
23.7.2010, 14:02
Die Museen der Welt

haben die einzige SIcherheit, dass heute geraubte Kunst keinen Händler findet, ser sich da der Hehlerei schuldig mache.

Dass Rudolf Leopold damals dieses Prinzip durchbrach, er kaufte, was er bekam, obwohl ihm ja die Liste der gesuchten Schielewerke fotografisch bekannt war, finde ich so bedenklich, dass ich empört wäre, würde ihm das nun mehr als 50 Jahre danach legalisiert.

Ist doch schlim genug, dass der Kunsthänfler Friedrich Welz (er arisierte damals fast industriemäßig, nicht nur in Österreich, auch z.B. in Frankreich) heute in Österreich als honoriger Mann gilt.

curieux
10
23.7.2010, 13:17

Und was ist, wenn man es wieder den falschen restituiert und in 20 Jahren die Erben der "rechtmäßigen" Besitzer nochmals Entschädigung verlangen?

ZabiaZabia
10
23.7.2010, 15:24
JeneNacherben des Dr. Heinrich Rieger,

die damals fälschlicherweise das Bild ausgehändigt bekamen, waren tatsächlich vollkommen unschuldig daran.

Es gab ja nur 1 knappe, unvollständige Liste der Kunstwerke, die dem Dr. Rieger von den Nazis geraubt wurden.

Diese war 1921, also viele Jahre vor der Nazizeit aufgestellt worden, und enthielt keine detaillierten Angaben zu den zu diesem Zeitpuinkt schon mehr als 650 Kunstgegenständen!

Dr. Rieger dürfte der erste Sammler gewesen sein, der Egon Schiele sammelte.

adaschauher
12
23.7.2010, 13:03
da wern die professionellen geier-restitutionsanwaelte aber leider nicht zufrieden sein.

Harald Bruckner
01
23.7.2010, 12:22
Eine sehr vernünftige Lösung

Gerechter, billiger, einfacher, besser als Gesetz und Richter enterscheiden könnten. Ein Gewinn für beide Seiten.

Hr. Wolf
57
23.7.2010, 08:34
Sichtweise

Ich war unlängst in London. Viele Museen wären leer, wenn die zurückgeben müssten was in den ehem. Kolonien "zusammengetragen" wurde. Natürlich gehören die ehemaligen Eigentümer (bzw. deren Nachfahren) entschädigt. Es stimmt aber nachdenklich, dass immer noch der Raub an Juden schwerer wiegt als an anderen Völkern.

Kontrahent1
11
23.7.2010, 11:26
und noch mehr

was im Krieg geraubt wurde, hängt heute in Privatsammlungen und kann niemals zurückgegeben werden. Immerhin wurden ganze Güterzüge an Raubkunst nach dem Krieg in andere Länder verbracht.

Engel Bert
21
23.7.2010, 10:22
Nachdenken

sollten Sie schon noch mehr, keinem anderen Volk wurde derartiger Raub im Zuge des Holocaust angetan, das ist tatsächlich einzig in der Geschichte.

Sonst ganz bei Ihnen, es ist z.B. nicht einzusehen, warum Kleopatra im BM öffentlich zur Schau liegen muß ...

Truth Digger
 
01
23.7.2010, 14:28
Der Holocaust war einzigartig ...

der Kunstraub der Nazis jedoch nicht.

Und hier geht es nicht nur um die Kleopatra... Indien fordert seit Jahrzehnten die Rueckgabe von Milliardenwerten. Umsonst! In Grossbritannien gibt es nicht einmal eine Diskussion darueber.

ned ludd
14
23.7.2010, 09:45
Aber von wem entschädigt?

Das ist doch die Frage.

Warum soll ich etwas das ich (Jahre nach dem Krieg)rechtmäßig gekauft habe, wieder hergeben?

a ad - das kann man auch anders sehen
10
23.7.2010, 15:31

Ist in unserem Rechtssystem nun mal so. Wenn Sie zB im guten Glauben ein gestohlenes Auto kaufen, müssen Sie es, sobald der Diebstahl aufgedeckt wird, dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben und bekommen nichts dafür. Sie können aber vom Verkäufer die Erfüllung des Vertrags bzw Entschädigung fordern.

Muss auch so sein, sonst wären Auftragsdiebstähle und Folgekäufe "im guten Glauben" auf der Tagesordnung.

Kontrahent1
12
23.7.2010, 11:24
Es gibt doch die Formulierung:

'In gutem Glauben'. Vieles, was sich im Besitz der Stiftung befindet, hätte ohne Ludwig die Nachkriegszeit garnicht überlebt da sich niemand dafür inteessierte.

ZabiaZabia
00
23.7.2010, 15:29
Ludwig?

Hier gehts um den Sammler Rudolf Leopold, nicht um den Kunstsammler Peter Ludwig.

Kontrahent1
00
23.7.2010, 18:52
Tschuldigung!

(Bin ganz verwirrt;-)

schafmeister
00
23.7.2010, 07:56
Musik

Als Musikliebhaber ist man unmessbar mehr im Vorteil als der Malereiliebhaber. Mozarts Musik gehört allen!

huachzszua
04
23.7.2010, 09:25
Die Wally gehört auch allen,

egal wo das Original hängt.
Bei dem was ablief ging es um Kohle, nicht um Kunst.

Kontrahent1
00
23.7.2010, 11:28
Aber im Gegensatz

zur goldenen Zuckerkandl war die Wally die Freundin Klimts und somit eine 'Person öffentlichen Interesses'. Das ist genug Grund, daß sie in Österreich bleibt. Wo die Häuser am Meer ausgestellt oder vergraben werden, ist auch nicht so wichtig.

Sho_ana
41
23.7.2010, 01:54
"Sich – wie bisher – auf den formaljuridischen Standpunkt zurückzuziehen und daher nicht zu restituieren, kommt für Diethard Leopold nicht infrage."

Ich habe bisher - aus Protest (so unwichtig dieser in Relation zu den Besucherzahlen gewesen sein mag) - das Leopold Museum gemieden. Dass man nun versucht, etwas menschlicher an das Thema Restitution heran zu gehen, finde ich sehr begrüßenswert (auch wenn längst überfällig).

courios
 
518
22.7.2010, 21:40
Hätte der Kunstsammler Leopold

nicht in fast manischer weise Schiele, Klimt u.s.w. zusammengekauft und durch die Konzentration der Werke diese international bekannt gemacht wären die Bilder irgendwo verstreut und hätten bei weitem nicht den Wert den sie heute haben. Wobei sich bei der Bewertung von Kunstwerken trefflich streiten läßt.
Daß Leopold den künstlerischen Wert zu einem Zeitpunkt erkannte als die Sachen noch erwerbbar waren und sie keiner wollte, er quasi der einzige war der die Bilder kaufte und dem sie als einzigen angeboten wurden weil er gute Preise zahlte, dieses Faktum treibt den Neidern und Aufdeckern die Grausbirnen auf die Stirne.

Canosso
43
23.7.2010, 08:41
Hätten die jüdischen Mäzene

nicht Klimt und Schiele gefördert, wären die Werke nie entstanden.

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