Diethard Leopold, Sohn von Rudolf Leopold, sucht nach Lösungen im Umgang mit NS-Raubkunst. Er schlägt vor, das Schiele-Bild "Häuser am Meer" zu versteigern – und den Erlös mit den Erben nach Jenny Steiner zu teilen
Wien – Diethard Leopold – er wurde von seinem Vater Ende Juni in den Vorstand der Stiftung Leopold berufen – ist Psychotherapeut. Auch wenn er nach dem Tod von Rudolf Leopold betonte, dass der Stiftungsvorstand „im Sinne meines Vaters“ agieren werde, scheint er die bisherige Linie aufgeben und einen „systemischen Ansatz“ verfolgen zu wollen. „Spektakuläre Kursänderungen in Restitutionsfragen“ scheinen daher nun nicht mehr ausgeschlossen.
Im Gespräch mit dem STANDARD betont er, bezüglich der NS-Raubkunst-Fälle zu Lösungen kommen zu wollen, die für beide Seiten akzeptabel sind. „In Frieden zusammenleben: Das ist mein Projekt für die Zukunft“, sagt Leopold. „Man sollte die Diskussion runterkühlen und über die strittigen Fälle ruhig reden.“ Das Leopold-Museum befindet sich in einer Art Zwickmühle: Sich – wie bisher – auf den formaljuridischen Standpunkt zurückzuziehen und daher nicht zu restituieren, kommt für Diethard Leopold nicht infrage. Denn das hätte berechtigte „Aufschreie“ zur Folge, die es zu vermeiden gelte. Naturalrestitutionen ohne Entschädigung für die Stiftung kann er sich jedoch auch nicht vorstellen. Zumal es mehrere Fälle gibt, bei denen nie eindeutig geklärt werden könne, welche Seite recht hat. Eine Zuspitzung auf die Entscheidung „Gehört das Bild mir oder dir?“ sei daher nicht sinnvoll. Weil sich immer eine Seite unfair behandelt fühlte.
Für Schieles Bild Häuser am Meer, das Jenny Steiner gehört hatte, unterbreitet Diethard Leopold einen – allerdings mit dem Stiftungsvorstand noch nicht akkordierten – Vorschlag: „Wir steigen über den Acheron und versteigern das Werk. Und der Erlös wird zwischen den Erben und der Stiftung in einem bestimmten Verhältnis aufgeteilt.“ Diese Vorgangsweise sei deshalb sinnvoll, weil niemand genau weiß, wie viel dieses Bild wert ist. Die Häuser am Meer wurden 1993 auf 180 Millionen Schilling geschätzt. Rudolf Leopold bot den Erben daher sechs Millionen Euro, sprich die Hälfte des einstigen Schätzpreises, an. Heute aber könnte das Bild auch 25 Millionen Euro bringen.
Finanzierung der „Wally“
Es gäbe zudem einen positiven Nebeneffekt: Mit dem Erlös könnte die Stiftung den Kredit zurückzahlen, den man aufnahm, um die Einigung mit den Bondi-Erben zu finanzieren. Wie berichtet, zahlt man für das Bildnis Wally 14,8 Millionen Euro – was annähernd der Marktpreis sein dürfte.
Direktor des Museums will Diethard Leopold aber weiterhin nicht werden: „Das Museum ist kein Erbhof. Das soll jemand leiten, der sich wissenschaftlich mit Kunst beschäftigt.“ Eine Vision hat er dennoch: Dass die Provenienzforscherin Sophie Lilie über zwei Ebenen eine Ausstellung über die jüdischen Sammlungen vor 1938 zusammenstellt. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 23.7.2010)